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Die Kirchen und ihre Tabus
Die Verweigerung der Moderne
Herbert Koch
Patmos
EAN: 9783491724983 (ISBN: 3-491-72498-8)
230 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 21cm, Januar, 2006
EUR 18,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Die Kirchen leiden gegenwärtig an einem deutlichen Modernitätsrückstand. Sie haben in der Vergangenheit kritische Fragestellungen, die seit der Aufklärung aufgekommen sind, ignoriert. Das blieb nicht ohne Folgen für ihre Gesprächsfähigkeit nach innen und außen. So geht man auf die selbst in den eigenen Reihen verbreitete Gleichgültigkeit christlichen Glaubensinhalten gegenüber erst gar nicht ein. Die überfällige substanziellen Reform des Gottesdienstes wird nicht in Angriff genommen. Weitere Tabus, Themen, über die man nicht spricht, sind die Demokratie in der Kirche, die Sexualität und das Misstrauen gegen die Einheit der Kirchen. Will das Christentum heutige Menschen erreichen, muss es aus dem selbst geschaffenen Gefängnis der dogmatischen Fixierungen ausbrechen. Die gezielte Unterdrückung geistiger Freiheit in den Kirchen ist zu beenden, um in Zeiten neuen religiösen Interesses wieder für Antworten fähig zu werden.
Religion - christliche! - ist gefragt. Theologie ist herausgefordert! Die Herausforderung aber annehmen, kann nur eine Theologie, die den hybriden Anspruch, Offenbarungswissenschaft zu sein, hinter sich lässt und sich nicht als Funktion kirchlicher Autorität versteht, sondern als ein anspruchsvoller Partner anderer Wissenschaften in einem gemeinsamen Prozess von Wahrheitsfindung. Ein Pro-zess, der als prinzipiell unabgeschlossen zu verstehen ist. Dazu gehört eine echte Unbefangenheit gegenüber dem Begriff der Aufklärung und ein differenziertes Bild dessen, was sich in Historie und Gegenwart mit diesem Begriff verbindet. Aufklärung wird immer und notwendigerweise autoritäts- und dogmenkritisch sein, keineswegs aber per se religionsfeindlich.
Herbert Koch
Herbert Koch
geboren 1942, promovierte nach dem Studium in Bethel, Heidelberg und Göttingen bei Eduard Lohse zum Dr. theol. Er war Gemeindepfarrer, Gefängnisseelsorger und zuletzt Superintendent des Kirchenkreises Wolfsburg. Mehrere Buchveröffentlichungen und zahlreiche Artikel aus seiner Feder liegen vor.
Rezension
Das aktuelle Buch behandelt einige virulente Tabu-Themen der Kirchen: Gleichgültigkeit gegenüber dem Glaubensbekenntnis - Ignoranz gegenüber der Moderne - Reform des Gottesdienstes - Demokratie - Sexualität - Einheit der Christen/Ökumene. Die Kirchen haben unverkennbar einen deutlichen Modernitätsrückstand. Sie haben die kritischen Fragestellungen, die seit der Aufklärung aufgekommen sind, ignoriert. Während die katholische Kirche seit jeher eine Abwehrstellung einnahm und sich diese in der Gegenwart deutlich verstärkt (Indizien: Konservative Päpste wie Woytila und Ratzinger, Zerschlagung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, Förderung von konservativ-reaktionärer Gruppierungen wie „Opus Dei“, konservative Sexualmoral, Verurteilung von Moderne und Postmoderne incl. der Popularkultur – bei gleichzeitiger Beteiligung am Medienkult: Papst-Hype …, Beendigung der Ökumene) ging auf evangelischer Seite ein konstruktiver Umgang mit ihr verloren. Dies geschah nach Meinung des Autors, als die dialektische Theologie Karl Barths im 20. Jahrhundert gegenüber der Liberalen Theologie die Oberhand gewann, vgl. den Exkurs auf S. 16ff: „Karl Barth oder: Die Verachtung der Aufklärung“. Kritisch-konstruktive Anfragen an Theologie und Kirche blieben ohne Echo. Unter der Maxime, dass die Theologie Offenbarungswissenschaft sei, ist ihre Gesprächsfähigkeit auf der Strecke geblieben. Kirche und Theologie muten auf diese Weise den Christen zu in zwei Welten zu leben. Der evangelische Verfasser greift exemplarisch sechs kirchliche Tabuthemen auf, an denen die Folgewirkungen ablesbar sind, und bedenkt zukunftsweisende Perspektiven.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Tabus der Kirchen: Gleichgültigkeit gegenüber dem Glaubensbekenntnis – Ignoranz gegenüber der Moderne – Reform des Gottesdienstes – Demokratie – Sexualität – Einheit der Christen
Die Kirchen haben unverkennbar einen deutlichen Modernitätsrückstand. Sie haben die kritischen Fragestellungen, die seit der Aufklärung aufgekommen sind, ignoriert. Während die katholische Kirche seit jeher eine Abwehrstellung einnahm, ging auf evangelischer Seite ein konstruktiver Umgang mit ihr verloren. Dies geschah, als die dialektische Theologie Karl Barths im 20. Jahrhundert gegenüber der Liberalen Theologie die Oberhand gewann. Kritisch-konstruktive Anfragen an Theologie und Kirche blieben ohne Echo. Unter der Maxime, dass die Theologie Offenbarungswissenschaft sei, ist ihre Gesprächsfähigkeit auf der Strecke geblieben. Kirche und Theologie muten auf diese Weise den Christen zu in zwei Welten zu leben.
Herbert Koch greift sechs kirchliche Tabuthemen auf, an denen die Folgewirkungen ablesbar sind, und bedenkt zukunftsweisende Perspektiven. Dabei hat er beide großen Kirchen im Blick, wobei notwendige Differenzierungen nicht unterbleiben.
Inhaltsverzeichnis
1 Das Glaubensbekenntnis 9
Die Verweigerung der Moderne - Exkurs: Karl Barth oder: Die Verachtung der Aufklärung - Das Ende des altkirchlichen Dogmas - Das Ende des »Gotteslamms« - Das Dogma und der Frieden - Vom Gottessohn zum Menschensohn
2 Der Gottesdienst 44
»Es kämen aber Unkundige ...« - Restauration ins Abseits - Empirisches oder: Die ignorierten Bedürfnisse
3 Das Evangelium 75
Autorität ohne Inhalt - Das Verschwinden Gottes - Das Evangelium Jesu
4 Demokratie 99
»Autorität, nicht Majorität« - Bejahung mit Vorbehalt - Bejahung mit Konsequenzen!?
5 Sexualität 126
Die verteufelte Lust - Die Abwertung der Ehe und der Frauen - Das Ende des Patriarchats - Homosexualität, ein Kapitel der Hilflosigkeit
6 Die Einheit der Kirche oder: Ökumene als Falle 173
Ökumene als Notgemeinschaft? - Tauwetter oder neue Eiszeit? - Ökumene als Falle
7 Jenseits des Dogmas 207
Anmerkungen 216
Literatur (in Auswahl) 228
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