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Der Kardinal Karl Lehmann, Eine Biographie
Der Kardinal
Karl Lehmann, Eine Biographie




Daniel Deckers

Verlagsgruppe Droemer Weltbild GmbH & Co. KG
EAN: 9783629016379 (ISBN: 3-629-01637-5)
380 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, 2002

EUR 19,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Er hat Rückgrat bewiesen und ist zur herausragenden internationalen Leitfigur einer humanen, weltoffenen Kirche geworden: Kardinal Karl Lehmann.



FAZ Autor Daniel Deckers beschreibt den persönlichen Weg Lehmannsu nd bietet ein hintergründiges udn kenntnisreiches Porträt des Menschen, Theologen und Kirchenpolitikers.
Rezension
Ein seelsorglich denkender Bischof, aber auch gewiefter Kirchendiplomat und insofern Hoffnungsträger vieler deutscher Katholiken, agiert jahrelang gegen römischen Absolutismus – Kardinal Karl Lehmann.
Anfangs wurde er vom Papst sehr skeptisch betrachtet, und bei Kardinalsernennungen übergangen, aber als die Schwangerenkonfliktberatung zur Sprache kam, ändert sich das alles, zum Vorteil Lehmanns. Kurz darauf wird er Kardinal.
Es beginnt eine Phase seiner Kirchendiplomatie, in der er sich vatikanischen Wünschen geneigter als früher zeigt.
Das ist nicht unbekannt und wäre ein spannender Aspekt für einen gewitzten - und: erfahrenen - Biographen Lehmanns gewesen.
Aber solchen sucht man bei Daniel Deckers vergebens.
Der Autor, der, wie der Leser erfährt, bei der Frankfurter Allgemeinen für die Berichterstattung über die katholische Kirche zuständig ist, läßt leider die notwendige Distanz zu seinem Gegenstand vermissen.
Er gibt dem Leser zu erkennen, dass er den Neu-Kardinal in einer gewissen Begeisterung auf dessen Ernennungsreise nach Rom begleitet hatte.
So wurde seine Darstellung schließlich zu einer regelrechten Hymne.
Allzu große Nähe zu Lehmann - das ist sein kardinaler Fehler.
Wir erfahren auch, welche Fäden er für andere gezogen hat, damit diese hoch kamen.
Wie werden die sich dabei fühlen?
Nieder, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Wer ist der Mann, der seit Jahren an der Spitze der deutschen Kirche steht, wie kaum ein anderer den Stürmen des Zeitgeists und der Unbill innerkirchlicher Konflikte ausgesetzt? Der in der Öffentlichkeit Stellung bezieht und trotzdem - oder gerade deshalb - so populär ist wie kaum ein anderer katholischer Bischof? Der schon 1987 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wurde und dennoch erst im Jahr 2001 von Papst Johannes Paul II den Kardinalsring erhielt?
Über Karl Kardinal Lehmann, über seine Person und seinen Lebensweg, ist einer breiteren Öffentlichkeit bisher kaum etwas bekannt. Eine umfassende, verlässliche Lebensbeschreibung fehlte bislang. Diese Lücke ist nun geschlossen. Mit dem Buch "Der Kardinal" legt der Redakteur für Katholische Kirche der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dr. Daniel Deckers, im Pattloch Verlag die erste Biographie des hochrangigsten deutschen Bischofs vor.

Deckers zeichnet darin das Bild eines nüchternen, unromantischen Menschen, eines Büchernarren und Gelehrten, desses erste Liebe die Philosophie ist, und der doch aus Verantwortung für Welt und Menshen, Theologie und Priester wird: Karl Lehmann will nicht nur verstehen, sondern auch gestalten und verändern. Ein Wesenszug, der scih durch sein ganzes Leben zieht.

Im hohenzollerischen Sigmaringen 1936 geboren und auch im dörlich-kleinstädtischen Südwesten Deutschlands aufgewachsen, beweist der Lehrerssohn früh Zähigkeit und Durchhaltevermögen. Ob es die Schuljahre im Konvikt, die ersten Studienjahre in Freiburg oder die lange Zeit im Germanikum und an der Gregoriane in Rom sind - der hochbegabte Lehmann liest und lernt und rackert, udn qualifiziert sich so schon bald für ein höheres Amt in der Kirche. Trotzdem scheint der Weg zunächst an die Universität zu führen: nach der Assistenzzeit bei Karl Rahner, für ihn der Bahnbrecher der modernen Theologie, wird Lehmann 1968 Professor für Dogmatik in Mainz und bald darauf später in Freiburg, eine Zeit, die er später als die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnen wird.
Als Theologe und Vertreter des akademischen Lehramts steht er bald auch in spannungsreichem Dialog mit dem authentischen Lehramt der offiziellen Kirche, einer Beziehung, die er als kirchentrauer Mann der radikalen Mitte konstruktiv zu gestalten sucht. Als er Bischof wird, weiß er um die Schwierigkeiten des Amts, das er jedoch mit pragmatischer Leidenschaftlichkeit und unbequemer Geradlinigkeit ausfüllen wird.

Daniel Deckers hat für den Kardinal gründlich recherchiert: Er hat Schulzeugnisse, Aufsätze und wissenschaftliche Arbeiten Lehmanns gelesen, er hat mit Freunden und Bekannten gesprochen und natürlich immer wieder mit Karl Lehmann selbst. Die Korrektheit der Darstellung wurde vom Kardinal selbst überprüft, wobei der Autor Deckers trotzdem nie die professionelle Distanz vermissen lässt.

Die Verschränkung der oft fast reportagehaft geschilderten Vita des Kardinals mit dem zeitgeschichtlichen Hintergrund, machen das Buch über die reine Biographie hinaus zu einem farbigen Abriss der jüngsten deutschen Kirchengeschichte. Nicht nur Karl Rahner und Julius Kardinal Döpfner, dem Bischofsvorbild Lehmann werden lebendige Porträts entworden. Auch in den Fall Hans Küng ist Lehmann verwickelt. Zu vielen Schlüsselereignissen der letzten Jahrzehnte werden interessante Insiderinformationen geliefert - Lehmann erlebet das Zweite Vatikanische Konzil aus der Nähe und prägte die Gemeinsame Synode mit. Die Entstehung der Königsteiner Erklärung als Reaktion auf die Pillen-Enzyklika Humanae Vitae hat er aus nächster Nähe miterlebt. In vorderster Front stand er dann als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz bei den Kölner Wirren um Kardinal Joachim Meisner sowie bei der dramatischen Debatte mit Rom um die Schwangerenkonflitkberatung. Der Blick hinter die Kulissen enthüllt unbekannte Details aber auch da, wo es um die vatikanische Deutschlandpolitik vor und nach der Wende geht.

Dennoch erschöpft sich das Buch nie in Historie: Zur Sprache kommen auch Lehmanns Einstellungen zu heißen Eisen wie Zölibat, Interkommunion konfessionsverschiedender Christen oder Zulassung wiederverheiratet Geschiedener zu den Sakramenten.
Eine spannende Lektüre, die viele Fragen beantwortet.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
An den Leser
Prolog: Menschen 2001

1. Im Licht der frühen Jahre - der Schüler
2. Der Weg zur Wissenschaft - der Student
3. Der gemeinsame Weg mit Karl Rahner - der Assistent
4. Die glücklichste Zeit - der Professor
5. Ein neuer Beruf - der Bischof
6. Kampfzeit - Vorsitzender der Bischofskonferenz
7. Der Kardinal (seit 2001)

Personenregister