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Autonomie und Würde
Leitprinzipien in Bioethik und Medizinrecht
Heike Baranzke, Gunnar Duttge (Hrsg.)
Königshausen & Neumann Verlag
EAN: 9783826047671 (ISBN: 3-8260-4767-2)
552 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2013
EUR 48,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Moderne Diskussionen über Autonomie, Menschenwürde und Selbstbestimmung ringen nach wie vor mit metaphysischen, empirischen und mit Argumenten der Ethik Kants. Dies zeigen die Debatten in Bioethik und Medizinrecht. In welcher Weise ist die Patientenautonomie betroffen, wenn sich ein Patient für eine Therapie mit Tiefer Hirnstimulation entscheidet? Was ist Sterben in Würde? Wird die menschliche Würde durch Autonomie oder Autonomie durch Würde begründet? Besitzen auch Tiere und Pflanzen Würde? - Diese und weitere grundlegende wie hochaktuelle Fragen werden in Beiträgen aus Philosophie, Medizin, Rechtswissenschaften und Theologie behandelt.
Heike Baranzke ist Ethikerin und leitete die vom BMBF geförderte ElSA-Klausurwoche "Würde und Autonomie als Leitprinzipien in der Ethik der Lebenswissenschaften" an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
Gunnar Duttge ist stellvertretender Direktor des Zentrums für Medizinrecht, Mitglied des Instituts für Kriminalwissenschaften, Professor für Straf recht, Strafprozessrecht und Medizinrecht an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen und juristisches Mitglied der Ethikkommission der Universitätsmedizin Göttingen.
Rezension
Wie wertschätzen industrialisierte Gesellschaften menschliches wie außermenschliches Leben? Was sind die grundlegenden moralischen Maßstäbe? Mit "Autonomie und Würde" (Buchtitel) sind zwei elementare Leitprinzipien in Bioethik und Medizinrecht benannt. Dieser voluminöse Band dokumentiert eine Tagung vom 21.-26. Februar 2011 an der Universität Bonn zum Thema. Wie aber verhalten sich Würde und Autonomie zueinander? Und gelten Würde und Autonomie nur für den Menschen oder auch für außer-menschliches Leben? Der Begriff der Menschnwürde wurde 1948 in die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte" durch die Vereinten Nationen aufgenommen und 1949 in das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übernommen. Der Europarat ratifizierte 1996 ein "Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin".
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Würdebegriff wird seit Jahren insbesondere in lebenswissenschaftlichen Zusammenhängen in Recht, Ethik und Öffentlichkeit vielfältig und kontrovers diskutiert. Seit Immanuel Kant und Beauchamp/Childress wird Würde auch mit „Autonomie“ verbunden. Der interdisziplinäre Band versammelt Beiträge aus Philosophie, Rechtswissenschaften, Medizin, Theologie und Religionswissenschaften, die der Frage nachgehen, wie mit „Würde“ und/oder „Autonomie“ argumentiert wird, und zwar sowohl in grundlegender Hinsicht in Ethik und Verfassungs-, Völker- oder Strafrecht als auch in ausgewählten lebenswissenschaftlichen Anwendungsbereichen wie der Neurowissenschaft oder der Palliativmedizin. Tier- und Naturschutz bilden ein weiteres Feld, da der Würdebegriff dort entweder als anthropozentrisch oder „speziesistisch“ kritisiert, oder aber – wie in der Schweizerischen Bundesverfassung – als „Würde der Kreatur“ auf Tiere und Pflanzen angewendet wird. Diese außerhumane Verwendungsweise der Würdeterminologie bleibt wiederum nicht ohne Rückwirkung auf den Humanbereich und erfordert daher eine Verhältnisbestimmung. Die Beiträge werden von den Herausgebern in einen größeren Theorierahmen eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
HEIKE BARANZKE / GUNNAR DUTTGE
Autonomie und Würde als Leitprinzipien in Bioethik und Medizinrecht 11
Grundlagen der Menschenwürde in Ethik, Recht und Religion
JULIA DIETRICH
Ethische Argumentation oder: Mögliche Funktionen des Begriffs der Menschenwürde für die Angewandte Ethik 31
TADE M. SPRANGER
Die Menschenwürde als verfassungsrechtliches Prinzip 45
HÜSEYIN YlLDIZ
Menschenwürdeschutz im Rahmen der türkischen Verfassungsordnung 55
WERNER WOLBERT
Menschenwürde und Autonomie. Theologisch-ethische Dimensionen 77
CHRISTIAN HOPPE
Der Junge mit der Lupe. Anmerkungen zur Selbstwidersprüchlichkeit und Absurdität des Physikalismus 97
THEDA REHBOCK
Freiheit, Autonomie und Würde des Straftäters angesichts der Herausforderungen durch die Neurowissenschaften 121
HEIKE BARANZKE
Die autonome Würde des Akteurs. Grundzüge einer Ethik der Würde 157
Würde, Autonomie und Selbstbestimmung in den humanen Lebenswissenschaften
CHRISTIAN E. WOLF
Ein Recht auf Handlungsfähigkeit im Menschenrechtsschutz der Vereinten Nationen 197
UTA BlTTNER
Autonomie und Authentizität bei Therapie mit Tiefer Hirnstimulation. Eine ethisch-philosophische Reflexion 223
HENRIETTE KRUG
Tiefe Hirnstimulation und die Autonomie des Patienten 247
MARK SCHWEDA
Ethik für eine alternde Gesellschaft? Die Diskussion um die Würde des alten Menschen zwischen Autonomie und Fürsorge 271
CLAUDIA BOZZARO
Terminale Sedierung- Königsweg zum würdigen Sterben? 291
KRISTINA KLITZKE
Robert Spaemann und die Frage der Gestaltung eines würdevollen Sterbens 315
GUNNAR DUTTGE
Menschenwürdiges Sterben 339
JOHANNA PINK
Menschenwürde und Autonomie in der islamischen Bioethik. Debatten zur Organtransplantation und zu Fragen des Lebensendes 361
MARKUS THIER
Rechtliche Überlegungen in Bezug auf die Organtransplantation im Lichte von Würde und Selbstbestimmung 383
Zur Diskussion von Würde im Außerhumanbereich
MALTE-CHRISTIAN GRUBER
„Menschenwürde" - Menschlichkeit als Bedingung der Würde? 417
DIETER BIRNBACHER
Warum hat der Mensch weitergehende Rechte als andere Naturwesen? 443
DlANA AURENQUE
Zu einer Interpretation der Würde als relationaler Begriff. „Würdigen" im Zeitalter Synthetischer Biologie 465
CHRISTINA PINSDORF
Von Sinn und Un-Sinn einer „Würde der Kreatur" und moralischen Anerkennungsverhältnissen 481
SABINE ODPARLIK
Würde - ein angemessener Begriff in Bezug auf nichtmenschliche Lebewesen? 507
PETER KUNZMANN
Die „Würde des Tieres"- Derivat der Menschenwürde oder eine Form der „Würde der Kreatur"? 529
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