|
|
|
|
Aufrecht
Überleben im Zeitalter der Extreme
Lea Ypi
Suhrkamp
EAN: 9783518432624 (ISBN: 3-518-43262-1)
389 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, September, 2025
EUR 28,00 alle Angaben ohne Gewähr
|
|
Umschlagtext
DAS LEBEN EINER FRAU IM ZEITALTER DER EXTREME
»Was, wenn sich die Erzählungen meiner Großmutter als Märchen aus ›Tausendundeiner Nacht‹ erweisen, gesponnen aus Hoffnung und Verrat, Macht und Intrigen, Bindung und Verlust, und sie selbst als eine Scheherazade, die erfindet, um zu überleben?«
»Eine fesselnde Reise der Fantasie und der Sehnsucht und eine behutsame Enthüllung einer tief vergrabenen Geschichte.«
Philippe Sands
Rezension
Lea Ypi (*1979) gehört mittlerweile zu den wichtigsten Philosophinnen der Gegenwart. Tätig ist die albanisch-englische Denkerin als Professorin für Politische Theorie an der renommierten London School of Economics. Ihr Anliegen ist es, Immanuel Kants Philosophie mit Karl Marx` materialistischer Gesellschaftstheorie zusammenzubringen. Thema ihrer Promotion war die „Architektonik der Vernunft“ in Kants theoretischer Philosophie. Zudem ist Ypi als politische Publizistin tätig, die in überregionalen Zeitungen und Organen, Stellung nimmt. Sie beleuchtet immer wieder das Spannungsfeld von Demokratie und Kapitalismus, zudem kritisiert sie die menschenfeindliche Migrationspolitik der EU. Internationale Bekanntheit erlangte die Philosophin durch ihr 2022 in deutscher Übersetzung publiziertes autobiographisches Sachbuch „Frei. Erwachsenwerden am Ende der Geschichte“. Dort ging es um Ypis Aufwachsen in Albanien von 1979 bis 1997.
Nun hat sie mit „Indignity. A Life Reimagined“ erneut ein autobiographisch reflektiertes Werk vorgelegt, das wieder zum Bestseller avancierte. Dieses erschien in der deutschen Übersetzung von Eva Bonné im Suhrkamp Verlag unter dem Titel „Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme“. In dem Buch versucht Ypi eine Rekonstruktion der Biographie ihrer Großmutter Leman Ypi. Diese wuchs in Saloniki auf, verließ als junge Frau die Metropole und ging nach Tirana. Dort lernte sie ihren zukünftigen Mann Asllan kennen, der später von dem kommunistischen Regime Albaniens inhaftiert wurde. Anhand der fragmenthaften Biographie ihrer Großmutter beleuchtet Ypi gekonnt die Geschichte Albaniens von der osmanischen Herrschaft, zum neuen Nationalstaat über die faschistische Besatzung bis hin zur kommunistischen Diktatur Hoxhas. In ihrer Geschichte Albaniens spiegelt sich anschaulich das „Zeitalter der Extreme“(Hobsbawm) wider. Dazu unternimmt die Philosophin intensive Archivstudien. Dabei stößt sie auch auf eine Person, welchen den gleichen Namen wie ihre Großmutter besitzt.
Die spannend zu lesende Familiensaga versieht Ypi mit philosophischen Reflexionen über biographische Wendepunkte, Wahrheit, Freiheit, Verantwortung, Gewalt, Macht und Herrschaft. Die Philosophin betont die Notwendigkeit eines freien Willen als Voraussetzung für Moralität und Verantwortungsfähigkeit. Sie thematisiert auch in ihrem neuen Werk Freiheitsspielräume des Menschen trotz der Wirkmächtigkeit historischer Determinanten. Zugleich leistet sie einen Beitrag zur Philosophie der Erinnerung, so heißt es bei ihr: „Es kommt nicht darauf an, was wir erinnern, sondern wie.“(S. 381)
Fazit: Das Buch „Aufrecht“ von Ypi kann allen philosophisch und historisch Interessierten nur zur Lektüre empfohlen werden, da es sie mit auf eine anschauliche Reise durch die von historischen Brüchen geprägte Geschichte des 20. Jahrhunderts nimmt und zur Reflexion über Modi der Erinnerung einlädt.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Lea Ypi
Aufrecht
Überleben im Zeitalter der Extreme
Aus dem Englischen von Eva Bonné
Als Lea Ypi im Internet ein ihr unbekanntes Foto entdeckt, das ihre Großeltern 1941 beim Après-Ski in den italienischen Alpen zeigt, fragt sie sich, was sie wirklich über ihre Familie weiß. Warum hat ihre geliebte Großmutter Leman, genannt Nini, Französisch gesprochen, wenn sie doch in Saloniki aufgewachsen war, als Enkelin eines Würdenträgers? Was hatte sie bewogen, als junge Frau Griechenland zu verlassen und auf eigene Faust nach Tirana zu gehen? Wie war sie mit Asllan zusammengekommen, ihrem Mann, der bald für viele Jahre in einer »Universität« verschwand? Und warum lächelte sie im Schnee von Cortina und zu einer Zeit, in der es nichts zu lachen gab, weil in Europa ein grausamer Krieg tobte?
Lea reist an die Orte von Lemans Leben, um es Stück für Stück anhand von Archivalien, Akten und Anekdoten zu rekonstruieren. Gebannt folgt man ihr in die untergegangene Welt der osmanischen Aristokratie, an die Wiege der neuen Nationalstaaten auf dem Balkan und natürlich nach Albanien, erst unter faschistischer Besatzung, dann unter kommunistischer Herrschaft.
Fesselnd, empathisch und in ihrem unnachahmlichen Ton erzählt Lea Ypi in Aufrecht von den Wendepunkten eines Lebens in extremen Zeiten – von schicksalhaften Begegnungen, von Liebe und Verrat sowie von Entscheidungen gegen den Strom der Geschichte. Ihr neues Buch ist atemberaubende Familiensaga und tiefgründige Reflexion über die Zerbrechlichkeit der Wahrheit. Mit der Kraft der Imagination setzt es Menschen ein Denkmal, die ihre Würde zu bewahren vermochten, als sie mit Stiefeln getreten wurde. Episch.
Bestseller in FOCUS, stern und Börsenblatt
Sachbuch-Bestenliste (DLF Kultur/ZDF/DIE ZEIT)
Sachbuch-Bestenliste (WELT/NZZ/rbbKultur/Ö1)
Inhaltsverzeichnis
Die handelnden Personen XI
Zeittafel XV
Karten XIX
ERSTER TEIL
Prolog: Das Foto 3
1. Der kranke Mann Europas 31
2. Die Entmischung der Völker 45
3. Alles hat einen Preis 63
4. Ein Risiko eingehen 77
5. Ein Raum voller Rauch 89
6. Nur zum Besten 103
7. Die Albanerin 117
ZWEITER TEIL
Prolog: Die Griechin 133
1. Die Hunde 143
Intermezzo: Asllans Biografie 159
2. Hausschuhe und der Gemeinwille 161
Intermezzo: Lehren aus der Geschichte 175
3. Zwiebeln und Lavendel 177
4. Ein Zeichen 189
Intermezzo: Informationen über Leman Ypi 192
5. Skanderbeg-Paare 195
Intermezzo: Telegramm 208
Intermezzo: Aus dem Protokoll der Konstituierenden Sitzung des albanischen Parlaments 209
6. Feuer löschen 211
7. Rote Sterne in der Morgendämmerung 225
8. Entscheide dich für eine Seite 241
9. Je m’appelle 10017 249
DRITTER TEIL
Prolog: Neulich in Thessaloniki 265
Intermezzo: Eine Frau aus Saloniki 275
Intermezzo: Überwachungsprotokolle 280
1. Eine weitere humanitäre Intervention 291
2. Lämmer und Adler 305
3. Die Zukunft der Demokratie 317
Intermezzo : Auszug aus einem Bericht über
Albaniens amtierende Regierung 327
Intermezzo: Asllans Aussage 329
Intermezzo : Urteil 332
4. Der graue Mantel 337
Intermezzo: Abschiebung 339
5. Genossin Leman 341
6. Wir hatten nichts Falsches getan 355
7. Zu verstehen 359
Intermezzo: Eine Sterbeurkunde 366
Coda: Die andere Leman Ypi 369
Danksagung 387
|
|
|