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Am Anfang und Ende des Lebens Grundfragen medizinischer Ethik 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2024
(1. Aufl. 2020)
Am Anfang und Ende des Lebens
Grundfragen medizinischer Ethik


2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2024

(1. Aufl. 2020)

Stephan Ernst

Herder Verlag
EAN: 9783451398322 (ISBN: 3-451-39832-X)
456 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, September, 2024

EUR 34,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Fragen nach einem verantwortlichen Umgang mit den medizinischen Möglichkeiten am Anfang und Ende des menschlichen Lebens bilden einen Schwerpunkt Theologischer Ethik. Dies betrifft Fragen wie Stammzellforschung, künstliche Befruchtung, Schwangerschaftsabbruch, Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik sowie Genome Editing, aktive und passive Sterbehilfe, Patientenverfügung, assistierter Suizid, Sterbefasten oder Organspende. Bei der Suche nach begründeten Hilfen zur ethischen Entscheidungsfindung greift Stephan Ernst das Prinzip der Verhältnismäßigkeit als zentrales Kriterium auf, das in der Praxis verantwortlichen Handelns von Ärzten und Pflegern immer schon leitend ist. Die 2., aktualisierte und erweiterte Auflage seines Standardwerks berücksichtigt die jüngsten Entwicklungen und neu erschienene Literatur. In einem Schlusskapitel stellt es die Frage nach der Bedeutung des christlichen Glaubens für den Umgang mit Leid, Krankheit, Sterben, Behinderung und setzt sich u.a. mit dem Transhumanismus auseinander. Ein thematisches Literaturverzeichnis bietet Orientierung für das vertiefte Eigenstudium.

Stephan Ernst, geb. 1956, studierte kath. Theologie, Philosophie, Pädagogik und Musikwissenschaft in Frankfurt/Main und Münster. Er promovierte 1986 im Fach Dogmatik bei Peter Hünermann in Tübingen. 1995 erfolgte die Habilitation in Tübingen für das Fach "Theologische Ethik". Von 1999 bis 2022 war er Inhaber des Lehrstuhls für Theologische Ethik - Moraltheologie an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Würzburg.
Rezension
Dieses Buch ist in 2. Aufl. um 56 S. gewachsen und an etlichen Stellen ergänzt und aktualisiert worden, z.B. Kap. 3.6 und Kap. 5.8 und der Schluss (S. 429ff). Insbesondere am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens verschieben sich die Grenzen und eröffnen sich völlig neue bio-medizinisch-technische Optionen, die Grundfragen medizinischer Ethik neu stellen. Zwischen Schwangerschaftsabbruch und Sterbehilfe sind ethische Problembereiche angesiedelt, die ethischer Zuwendung dringend bedürfen: Embryonenforschung, Hirntod, Bioethik, Genomanalyse und Gentechnik etc. Die Medizin- und die Bio-Ethik stellen womöglich die größten ethischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar; denn der Mensch scheint in der Tat vom Geschöpf zum Schöpfer zu mutieren. Die technischen Möglichkeiten wachsen in einem Ausmaß, das ethisch kaum mehr hinreichend begleitet werden kann. Die Grenzen des Lebens am Anfang und Ende stehen ebenso zur Disposition wie die Frage, was überhaupt Leben oder Tod ist, welche genetischen Forschungen zugelassen und zugemutet werden können, wie sich Tötungsverbot und Sterbehilfe angesichts technischer Verzögerung des Todes ausgleichen lassen etc. Es ist dringend geboten, medizinethische Fragestellungen in einer breiteren Öffentlichkeit einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs zuzuführen. Schulischer Ethik-, Gesellschaftskunde- und Religionsunterricht sollte sich dieser Herausforderung verstärkt stellen. Das vorliegende Buch ist als Einführung in Grundfragen der medizinischen Ethik aus theologisch-ethischer Sicht gedacht. Die vorliegende Einführung konzentriert sich in der Fülle der Problemfelder lediglich auf zentrale Fragen am Anfang und am Ende des menschlichen Lebens, und auch diese können nur in einigen wichtigen Aspekten beleuchtet werden.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 13

Vorwort zur Zweiten Auflage 16

Einführung: Aufgabe und Vorgehen einer Medizinethik aus theologisch-ethischer Sicht 17

1. Herausforderungen an eine Medizinethik aus theologischethischer Sicht 18
2. Selbstverständnis der vorliegenden theologischen Ethik 22
3. Vorgehen einer Medizinethik aus theologisch-ethischer Sicht 27

Grundlegung: Verhältnismäßigkeit als Grundprinzip der medizinischen Ethik 32

1. Der Ruf nach Ethik in der Medizin 32
2. Skepsis gegenüber einheitlichen prinzipienethischen Begründungsansätzen 36
3. Die vier medizinethischen Prinzipien 40
4. Probleme der vier medizinethischen Prinzipien 43
5. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit 46
5.1 Zugang aus der Praxis 46
5.2 Ausgangspunkt: Die Ambivalenz menschlichen Handelns 48
5.3 Präzisierung des Prinzips „Verhältnismäßigkeit“ 50
5.4 Situationsgerechtigkeit und Unbeliebigkeit ethischer Entscheidungen 52
6. Interpretation der vier medizinethischen Prinzipien vom Prinzip der Verhältnismäßigkeit 54
6.1 Nicht schaden (Non-maleficence) 54
6.2 Wohltun und Fürsorge (beneficence) 58
6.3 Respekt vor der Autonomie (autonomy) 62
6.4 Gerechtigkeit (justice) 66
7. Zum Zusammenhang der vier medizinethischen Prinzipien 72
8. Exkurs: Verhältnismäßigkeit als Prinzip verantwortlicher Entscheidungen am Beispiel der Corona-Krise 74
8.1 Das zentrale Dilemma 74
8.2 Auf der Suche nach einer angemessenen Bewältigung der Krise 77
9. Schuld und Tragik – Krankheit und Schuld 85

Erster Teil: Ethische Fragen am Ende des Lebens 92

1. Strikte Ablehnung der Tötung auf Verlangen 94
1.1 Formen der Sterbehilfe und begriffliche Abgrenzungen 94
1.2 Rechtliche Regelungen in Deutschland: Grundlagen und Einwände 96
1.2.1 Strafrechtliche Bestimmungen 96
1.2.2 Standesrechtliche Grundsätze 98
1.2.3 Menschenwürde und Lebensschutz als Grundlage 99
1.2.4 Anfragen und Einwände 101
1.3 Die Position der katholischen Kirche: Argumente und Anfragen 104
1.3.1 Theologische Begründung des Tötungsverbots als Grundlage 104
1.3.2 Säkulare und theologische Einwände 108

2. Bedingte Befürwortung der Tötung auf Verlangen 112
2.1 Zwei Fälle als Diskussionsgrundlage 112
2.2 Die rechtliche Regelung in den Niederlanden 114
2.2.1 Bestimmungen und Ziele 114
2.2.2 Gefahr des Dammbruchs? 116
2.3 Autonomie und Lebensqualität als Kriterien 121
2.3.1 Freiheit und Selbstbestimmung als Grundwerte 121
2.3.2 Grenzen der Selbstbestimmung? 124
2.4 Nicht-intrinsische, interessensbasierte Begründungen des Tötungsverbots 127
2.4.1 Modelle der Begründung 127
2.4.2 Bleibendes Unbehagen 130

3. Verhältnismäßigkeit wahren: Sterbehilfe und Palliativmedizin 133
3.1 Ausnahmen vom Tötungsverbot – Logik der Begründung 134
3.2 Konsequenzen für die Beurteilung der Sterbehilfe 141
3.2.1 Zum Ziel ärztlichen Handelns 142
3.2.2 Begründung des Behandlungsverzichts und Behandlungsabbruchs 144
3.2.3 Abbruch künstlicher Ernährung 146
3.2.4 Begründung der indirekten Sterbehilfe 149
3.2.5 Tötung auf Verlangen oder Palliativmedizin? 151
3.3 Bleibende Fragen 155

4. Zentrale Bedeutung des Patientenwillens 159
4.1 Die gesetzliche Regelung der Patientenverfügung 160
4.2 Absicherung der Patienten-Autonomie 164
4.3 Die Frage der Reichweitenbegrenzung 167
4.4 Die Empfehlung umfassender Beratung 173
4.4.1 Die Möglichkeit „negativer Selbstbindung“ 173
4.4.2 Eingehende medizinische Beratung als Hilfe zur Selbstbestimmung 175
4.4.3 Advance Care Planning – Behandlung im Voraus planen 176
4.4.4 Weitere Beratung mit Vertrauenspersonen 178
4.5 Wenn kein Patientenwille vorliegen kann: Entscheidungen in der Neonatologie 179
4.5.1 Rechtlicher Rahmen, Empfehlungen und Leitlinien 181
4.5.2 Ethische Orientierungspunkte 184

5. Assistierter Suizid und Sterbefasten 189
5.1 Rechtliche Regelung des assistierten Suizids in Deutschland 190
5.2 Gründe für eine ethische Legitimierung der Suizidbeihilfe 196
5.3 Theologisch-ethische Überlegungen 200
5.3.1 Das strikte Verbot der Suizidbeihilfe: Wie tragfähig sind die Gründe? 200
5.3.2 Die Unterscheidung von Respektieren und Gutheißen 203
5.3.3 Die Frage der Verhältnismäßigkeit 208
5.3.4 Die Frage erlaubter und unerlaubter Mitwirkung 213
5.3.5 Suizidbeihilfe auch in konfessionellen Einrichtungen? 218
5.4 Sterbefasten 220
5.4.1 Ist Sterbefasten Suizid? 221
5.4.2 Ist die pflegerische Versorgung beim Sterbefasten Mitwirkung am Suizid? 223

6. Organspende und Hirntod 224
6.1 Organspende – Zeichen von Solidarität und Nächstenliebe 225
6.2 Ethische Fragen bei Lebendspende und postmortaler Organspende 232
6.3 Ist der Hirntod der Tod des Menschen? 235
6.3.1 Rechtliche, standesrechtliche und kirchliche Position 236
6.3.2 Ursprung des Hirntod-Kriteriums 238
6.3.3 Gegensätzliche Kritik am Hirntod-Kriterium 240
6.3.4 Begründung des Ganzhirntods als Tod des Menschen 242
6.3.5 Neue Zweifel und Diskussion des Hirntod-Kriteriums 245
6.3.6 Konsequenzen 248
6.4 Zustimmungs- oder Widerspruchsregelung? 249
6.4.1 Zahlen und Entwicklungen 249
6.4.2 Die Frage der gesetzlichen Regelung – Deutschland im europäischen Vergleich 251
6.4.3 Ethische Diskussion und Begründung 253

Zweiter Teil: Ethische Fragen am Anfang des Lebens 258

1. Der moralische Status des menschlichen Embryos 260
1.1 Zwei Vorbemerkungen 261
1.2 Erste Frage: Kommt allen Menschen Menschenwürde und Lebensrecht zu? 263
1.2.1 Position: Nicht allen Menschen kommt Personsein und Schutzwürdigkeit zu 263
1.2.2 Argumente für die Menschenwürde und Schutzwürdigkeit aller Menschen 266
1.3 Zweite Frage: Wann liegt ein menschliches Individuum vor? 270
1.3.1 Menschsein vom Moment der Befruchtung an 270
1.3.2 Menschsein ab der Nidation 274
1.3.3 Weitere Zeitpunkte für den Beginn des menschlichen Individuums 277
1.3.4 Die Bedeutung epigenetischer Faktoren für die Embryonalentwicklung 280
1.4 Fazit: Tutiorismus und Verhältnismäßigkeit 284

2. Stammzellforschung 285
2.1 Stammzellforschung – Stammzelltherapie – Embryonenverbrauch 286
2.1.1 Grundlagen und Ziele der Stammzellforschung 286
2.1.2 Möglichkeiten der Stammzellgewinnung 288
2.2 Positionen zur Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland 291
2.2.1 Die rechtliche Regelung in Deutschland und die Position der Kirchen 291
2.2.2 Argumente für die Forschung auch in Deutschland 293
2.2.3 Stichtagslösung und Stichtagsverschiebung 294
2.3 Überlegungen zur ethischen Bewertung der Stichtagsregelung 297
2.3.1 Stammzellimport als Mitwirkung am Embryonenverbrauch? 297
2.3.2 Stichtagsverschiebung – eine Farce? 301
2.4 Embryonenschutz und Stammzellforschung 303

3. Technisch assistierte Reproduktion 304
3.1 Methoden der technisch assistierten Reproduktion 305
3.2 Die rechtliche Situation in Deutschland 308
3.3 Die Position der Kirchen 309
3.4 Theologisch-ethische Diskussion der technisch assistierten Reproduktion 313
3.4.1 Anfragen an das lehramtliche Verbot homologer IVF und seine Begründung 314
3.4.2 Ethisch relevante Folgeprobleme der künstlichen Befruchtung 318
3.5 Embryonenspende und Embryonenadoption 319
3.5.1 Gründe für die Embryonenspende 321
3.5.2 Rechtliche Fragen 322
3.5.3 Theologisch-ethische Diskussionen 324
3.5.4 Was dennoch zu bedenken ist 327
3.5.5 Fazit 331
3.6 Eizellspende und Leihmuterschaft 332
3.6.1 Sollte die Eizellspende in Deutschland legalisiert werden? 333
3.6.2 Sollte die Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleiben? 336
3.7 Social Freezing 339

4. Schwangerschaftsabbruch 341
4.1 Ethische und rechtliche Aspekte des Schwangerschaftsabbruchs 342
4.1.1 Die Position der katholischen Kirche und ihre Problematik 343
4.1.2 Die rechtliche Regelung in Deutschland 346
4.1.3 Theologisch-ethische Würdigung der rechtlichen Regelung 351
4.1.4 Regelung des Schwangerschaftsabbruchs außerhalb des Strafrechts? 355
4.2 Schwangerschaftskonfliktberatung in katholischen Einrichtungen 360
4.3 Empfängnisverhütung 365
4.4 Sterilisierung 369
4.5 Die „Pille danach“ 372

5. Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik 375
5.1 Methoden der Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik 376
5.2 Überlegungen zur ethischen Bewertung der Pränataldiagnostik 382
5.2.1 Chancen der Pränataldiagnostik 382
5.2.2 Ethisch herausfordernde Nebenfolgen 384
5.2.3 Konsequenzen: Reproduktive Autonomie mithilfe von Beratung 389
5.3 Rechtliche Regelung der Pränataldiagnostik: Das Gendiagnostik-Gesetz 390
5.4 Ethische Überlegungen zum Nicht-invasiven Pränataltest 392
5.5 Überlegungen zur ethischen Bewertung der Präimplantationsdiagnostik 396
5.5.1 Befürwortende Argumente 396
5.5.2 Ethische Bedenken 397
5.6 Zur rechtlichen Regelung der Präimplantationsdiagnostik 398
5.7 Ethische Überlegungen zur rechtlichen Regelung der Präimplantationsdiagnostik 401
5.8 Reproduktive Autonomie 405

6. Genome Editing und genetisches Enhancement 407
6.1 Genome Editing – Grundlagen, Methode, Ziele 408
6.2 Selbstperfektionierung oder Hybris? 410
6.3 Therapeutische Anwendungsmöglichkeiten und ihre ethische Bewertung 413
6.3.1 Somatische Gentherapie 414
6.3.2 Keimbahn-Gentherapie 416
6.4 Möglichkeiten des Enhancements und ihre ethische Bewertung 420
6.4.1 Das Argument: Recht auf Naturwüchsigkeit 421
6.4.2 Argumente unter Verweis auf problematische Folgen 423
6.4.3 Die Frage nach Zielen und Mitteln 424
6.5 Fazit 426

Schluss: In Ängsten beistehen- Christlicher Glaube in Bereich medizinischen Handelns (Eine Skizze) 429

1. Theologisch fragwürdige Antworten 430
2. Gottes Zuwendung bezeugen 433

Anhang 441

1. Sachregister 441
2. Namensregister 448
3. Ausgewählte Literatur 454
4. Abbildungsverzeichnis und -nachweis 456