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Warum wir uns verführen lassen Die Botschaft der Märchen
Warum wir uns verführen lassen
Die Botschaft der Märchen




Gerhard Oberlin

Königshausen & Neumann Verlag
EAN: 9783826063466 (ISBN: 3-8260-6346-5)
192 Seiten, paperback, 14 x 23cm, 2017

EUR 29,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Lektüre einiger der populärsten europäischen Märchen unter das Thema „Verführung“ zu stellen, hat vor allem zwei Gründe: Der erste ergibt sich aus der Topik der Märchen selbst heraus. Zahlreiche dieser Erzählungen kennen überhaupt kein anderes Thema. Ob in der Liebe, im Sozialgeschehen der Standesgesellschaft, in wirtschaftlichen, religiösen, charakter- und entwicklungspsychologischen Bezügen, immer geht es um Verführung. Jeder verführt jeden: der Frosch die Prinzessin, die Prinzessin den Frosch und sich selbst mittels des Frosches. Hänsel und Gretel werden ebenso verführt, wie sie selbst verführen, und das unter bezeichnenden Umständen. Verführung ist überall, wo Interessen sind, Begehrlichkeiten, die Bereitschaft zu Veränderungen und Normenbruch. Der andere, zweite Grund: Wir sind selbst Verführte und Verführende, heute mehr denn je. Unsere Gesellschaften sind zu regelrechten Verführungsgesellschaften geworden, in denen es wahrlich – so wie in den Märchen – kaum mehr ein anderes Thema, kaum mehr eine andere Wahl gibt. Daraus erklärt sich der Hauptantrieb dieses Buches: aus Märchen Botschaften („mære“) über uns selbst zu hören; Echobotschaften unseres eigenen Innern, die uns besser begreifen lassen, wer wir sind, wie wir sind und – wie uns geschieht.
Rezension
Die grundlegende These der hier vorliegenden Märcheninterpretation (vor allem Grimmscher Kinder- und Haus-Märchen) ist realtiv einfach zu verstehen: Nach Meinung des Autors geht es in (diesen) Märchen immer um Verführung. Verführung ist überall, wo Interessen sind, Begehrlichkeiten, die Bereitschaft zu Veränderungen und Normenbruch. Und weil die Gesellschaften, in den wir im 21. Jahrhundert leben, nach Meinung des Autors zu regelrechten Verführungsgesellschaften geworden sind, sind Märchen aktueller denn je und spiegeln uns vieles von unseren eigenen Bedürfnissen, Begehrlichkeiten und Interessen, d.h. im Spiegel der Botschaft der Märchen können wir uns selbst besser verstehen. Die Botschaften der Märchen enthalten denzufolge mehr Anthropologisches als Kulturspezifisches, mehr Verbindendes als Trennendes.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Autor Dr. Gerhard Oberlin arbeitet als Freier Literatur-, Kultur- und Sportwissenschaftler mit Wohnsitz in Tübingen. Nach einer internationalen Laufbahn als Lehrer, Schulleiter und Fortbilder war er unter anderem Dozent für deutsche Sprache und Literatur an der Beijing Foreign Studies University und am Deutsch-Chinesischen Institut der University of Business and Economics, Beijing/China. Zuletzt Gastdozent der Hebrew University in Jerusalem und der Malayalam University in Tirur/Kerala. Jüngste Buchpublikationen: Goethe, Schiller und das Unbewusste (2007); Modernität und Bewusstsein. Die letzten Erzählungen Heinrich von Kleists (2007); Die letzten Mythen. Untersuchungen zum Werk Franz Kafkas (2011); Der Wahnsinn der Vernunft. Georg Büchners „Lenz“. Die Krise des Subjekts in der Moderne (2014); Delphi – das Orakel. Zentrum der antiken Welt (2015); Warum? Todesflug 4U9525 (2015); Kindheit im elektronischen Zeitalter. Eine Verteidigungsschrift (2016); Krieg im Herzen. Das Drama der ungelebten Gefühle (2016); Das unendliche Objekt. Religion und Psyche (2917); Warum wir lachen – warum wir weinen. Das Gefühl zum Film (2017); Wunder oder Wahn. Hölderlins spirituelle Ekstasen (2017); Asche zu Asche. Unser Leben. Meditationen über den Tod (2017); Beispiel Fußball. Der Verrat am Spiel und die Folgen (2017). Er ist Herausgeber des Bände: Argyris Sfountouris: Trauer um Deutschland. Reden und Aufsätze eines Überlebenden (2015) und Argyris Sfountouris: Schweigen ist meine Muttersprache. Griechenland – seine Dichter, seine Zeitgeschichte (2017).
Inhaltsverzeichnis
Vorrede 11
Am Anfang war Verführung 17
Warum nicht nur Kinder Märchen brauchen 25

Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Haus-Märchen

Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (1812) 35
Rapunzel (1812) 45
Hänsel und Gretel (1812) 57
Rothkäppchen (1812) 81
Dornröschen (1812) 93
Sneewittchen (Schneeweißchen) (1812) 103
Rumpelstilzchen (1812) 119
Blaubart (1812) 129
Allerlei-Rauh (1812) 137
Jorinde und Joringel (1812) 151
Die zertanzten Schuhe (1815) 161
Simeliberg (1815) 171

H.C. Andersen: Das Unglaublichste (1870) 179

Quellennachweis 191