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Warum Religion? Pragmatische und pragmatistische Überlegungen zur Funktion von Religion im Leben
Warum Religion?
Pragmatische und pragmatistische Überlegungen zur Funktion von Religion im Leben




Marie-Luise Raters (Hrsg.)

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495486818 (ISBN: 3-495-48681-X)
184 Seiten, paperback, 14 x 21cm, 2015

EUR 29,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die meisten Religionen versprechen ein Leben nach dem Tod, in dem es glücklicher oder gerechter oder sonst wie besser zugehen soll als auf der Erde. Wie schön wäre es, wenn wir wirklich auf ein ewiges Leben in der Gegenwart Gottes oder auf ein neues Leben in einem unverbrauchten Körper hoffen könnten! Wir könnten gelassener mit irdischem Scheitern umgehen und eher loslassen, wenn wir sicher sein könnten, dass alles, was uns hier widerfährt, nur ein Übergang in eine bessere Existenz ist. Aber lenken die Religionen mit solchen Versprechungen nicht nur von irdischen Missständen ab? Mit solchen Argumenten sind die Religionen als Opium des Volkes in Sippenhaft genommen worden. Jenseits dessen stellt sich das Problem des szientistischen Zweifels. Wie soll mich eine religiöse Überzeugung durch mein Leben tragen, wenn die Überzeugung nicht überzeugend ist? Ist es wirklich glaubwürdig, dass Jesus von Nazareth nach drei Tagen im Grab wieder auferstanden sein soll? Wenn ich das nicht glauben kann, kann ich auch nicht an meine eigene Auferstehung glauben. Wohl kaum eine andere Religionsphilosophie stellt eine so enge Beziehung zwischen religiösem Glauben und irdischem Wohlergehen her wie die des amerikanischen Pragmatismus: Bei William James heißt es ausdrücklich, dass ein religiöser Glaube das Leben »leicht und glücklich« machen könne. Und kaum eine Religionsphilosophie benennt so deutlich das Problem des szientistischen Zweifels. Im ersten Teil des Buches, Religion, pragmatisch betrachtet, befassen sich Johannes Ev. Hafner, Christian Thies und Christoph Türcke mit der Funktion von Religion in unserer Gesellschaft und in unseren konkreten Lebensvollzügen. Im zweiten Teil stellen Michael Blume, Matthias Jung, Ludwig Nagl und Marie-Luise Raters Positionen der pragmatistischen Religionsphilosophie auf den Prüfstand.

Autoreninfo:

PD Dr. phil. Marie-Luise Raters ist Privatdozentin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Seit 2002 ist sie Dozentin für Ethik im Bereich LER an der Universität Potsdam.
Rezension
Es gibt substantielle und funktionale Religionstheorien. Die substantiellen gehen von den Inhalten, Ritualen und Substanzen vorhandener Religionen aus, die funktionalen beschreiben nicht die Inhalte, sondern die Funktionen von (verschiedenen) Religionen. Z.B. haben die meisten Religionen die "Funktion", ein Leben nach dem Tod zu versprechen; sie stabilisieren damit Menschen in ihren durchaus leidvollen Erfahrungen im irdischen leben und vertrösten auf ein Jenseits, um das Diesseits erträglicher zu machen. Die Religionskritik hat deshalb die Religion als "Opium des Volkes" bezeichnet. Es ist religionssoziologisch unbestritten, dass Religionen kompensatorische und stabilisierende Funktionen vor allem an den Lebensübergängen (rites de passages) übernehmen. Dieser Band fragt nach der Funktion von Religion im Leben. Wer Religion pragmatisch betrachtet, blendet die klassische religionsphilosophische Frage nach der Wahrheit religiöser Lehrmeinungen aus. Die Beweisbarkeit oder die Plausibilität bestimmter religiöser Überzeugungen interessiert ihn nicht. Er konzentriert sich einzig uf die Frage, aus welchen Bedürfnissen und Handlungskontexten heraus eine bestimmte Religion oder das generelle Phänomen der Religiosität vielleicht entstanden sein könnte. Kaum eine andere Religionsphilosophie stellt eine so enge Beziehung zwischen religiösem Glauben und irdischem Wohlergehen her wie die des amerikanischen Pragmatismus: Bei William James heißt es ausdrücklich, dass ein religiöser Glaube das Leben »leicht und glücklich« machen könne. Im ersten Teil dieses Tagungsbands beleuchten die Autoren die Funktion von Religion in unserer Gesellschaft und in unseren Lebensvollzügen. Im zweiten Teil steht die pragmatistische Religionsphilosophie auf den Prüfstand; denn in einem Band über die pragmatischen Funktionen von Religion im Leben muss die pragmatistische Religionsphilosophie einen besonderen Stellenwert einnehmen.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Marie-Luise Raters
Religion in pragmatischer und pragmatistischer Betrachtung.
Eine Einleitung 9

I. Religion – pragmatisch betrachtet

Christian Thies
Religion und Moral – die Urszene 27

Michael Blume
Die Wiederkehr der Einhörner.
Eine pragmatische Analyse einer neureligiösen Glaubensbewegung 50

Christoph Türcke
Religionskritik zweiten Grades 71

Johann Ev. Hafner
Funktionalisierung von Religion.
Eine Auseinandersetzung mit Luhmanns Religionstheorie 82

II. Religion – pragmatistisch betrachtet

Matthias Jung
Die Religion innerhalb der Grenzen gewöhnlicher Erfahrung 105

Ludwig Nagl
Religion als optionaler Handlungshorizont. William James und Josiah Royce 127

Marie-Luise Raters
Don’t worry – be happy? Das Problem des religiösen Zweifels bei William James 153


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