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Umstrittene Religionswissenschaft Für eine Neuvermessung ihrer ­Beziehung zur Säkularisierungstheorie
Umstrittene Religionswissenschaft
Für eine Neuvermessung ihrer ­Beziehung zur Säkularisierungstheorie




Andreas Feldtkeller

Evangelische Verlagsanstalt
EAN: 9783374037865 (ISBN: 3-374-03786-0)
184 Seiten, paperback, 12 x 19cm, 2014

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Religionswissenschaft ist seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert der Entwurf einer säkularen Wissenschaft von der Religion gewesen. Ihre auf dem Kongress der »International Association for the History of Religion« 1960 in Marburg verabredete Festlegung auf eine kulturwissenschaftliche Methodik wurde vielfach so gefüllt, dass die Religionswissenschaft zur Agentin der damaligen Version der Säkularisierungstheorie würde – der Annahme nämlich, dass Modernisierung weltweit zur aufgeklärten Umformung und letztlich zum Verschwinden von Religion führen würde.

Die Einführung der Diskursanalyse nach Michel Foucault als Leitmethode in der Kulturwissenschaft hat die Religionswissenschaft gezwungen, sich intensiv mit der Frage der eurozentrischen Prägung ihres Religionsbegriffs zu beschäftigen. Eine kritische diskursanalytische Aufarbeitung ihrer eigenen Bindung an die nicht minder eurozentrische klassische Säkularisierungs­theorie steht jedoch weithin noch aus.

Andreas Feldtkeller leistet hier Abhilfe, er sieht die Religionswissenschaft der Zukunft als eine säkulare, aber nicht säkularistische Wissenschaft.

Zum Autor:

Andreas Feldtkeller, Dr. theol., Jahrgang 1961, studierte Evangelische Theologie in München, Heidelberg, Tübingen und ­Jerusalem, war von 1992 bis 1996 im Rahmen von Gemeindearbeit und Forschungs­tätigkeit in Amman (Jordanien) und ist seit 1999 Professor für Religions- und Missions­wissenschaft sowie Ökumenik an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. 2008 wurde er mit dem Hans-Sigrist-Preis, dem internationalen Forschungspreis der Universität Bern, ausgezeichnet.
Rezension
Religionswissenschaft begreift sich, - im Gegensatz zur Theologie - , als bewußt säkulare, ja säkularistische Wissenschaft von der Religion. Genau diese Einseitigkeit stellt der Autor dieses Buchs, Ev. Theologe, in Frage und plädiert "für eine säkulare, nicht säkularistische Religionswissenschaft" (vgl. besonders S. 155ff). Die Religionswissenschaft hat sich zur Agentin der umstrittenen Säkularisierungstheorie gemacht, derzufolge Modernisierung letztlich zum Verschwinden von Religion führe. Die Religionswissenschaft muss sich vielmehr von ihrem eurozentrischen Religionsbegriff und von der ebenso eurozentrischen Säkularisierungsthese befreien.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Reihe:
Forum Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von Ingolf U. Dalferth in Verbindung mit Albrecht Beutel, Beate Ego,
Andreas Feldtkeller, Christian Grethlein, Friedhelm Hartenstein, Christoph Markschies,
Karl-Wilhelm Niebuhr, Friederike Nüssel und Martin Petzoldt

Das „Forum Theologische Literaturzeitung“ wird unter Leitung des Hauptherausgebers Ingolf U. Dalferth vom Herausgeberkollegium der ThLZ verantwortet. Die Reihe will mit ihren rund 100 Seiten umfassenden Wissenschaftsessays dazu beitragen, mit unserer Lebenswelt theologisch sachgemäß umzugehen. Auch der Fachfremde kann sich mit Hilfe der hier erscheinenden Texte auf schnellem Wege über die wichtigsten aktuellen Fragestellungen und Streitpunkte der theologischen Hauptfächer informieren. Damit unterstützt die Reihe das Hauptanliegen der „Theologischen Literaturzeitung“: die Einheit der Theologie zu wahren und die einzelnen Fachbereiche in ihrem Zusammenhang vorzustellen.
Die Reihe [ThLZ.F] kann zur Fortsetzung bestellt werden. Jährlich erscheinen ein bis zwei Bände. Der Fortsetzungsbezug ist jederzeit kündbar.
Inhaltsverzeichnis
I Zur Situation der Religionswissenschaft 9

II Religion und Wissen 15

III Historische Aspekte der Säkularisierung von Wissensdiskursen über Religion 37

1 »Natürliche Religion« und die Ablösung von kirchlicher Autorität 39
2 Verfallstheorie oder Fortschrittsglaube 48
3 Das religiöse Subjekt und sein Objekt 55
4 Entzauberung und Rationalisierung 68
5 Von der Religion im Singular zur Pluralität der Religionen 74

IV Im Zeichen der Säkularisierungstheorie 85

1 Die Durchsetzung einer neuen Diskursordnung 85
2 Die polemische Phase 99
3 Auf der Suche nach der »objektiven« Beschreibung von Religion 106

V Diskursanalytische Wende 119

1 Der diskursive Charakter des Religionsbegriffs 125
2 Verschiebungen in der Säkularisierungstheorie 138
3 Der diskursive Charakter des Konzepts von Säkularisierung 147

VI Plädoyer für eine säkulare, nicht säkularistische Religionswissenschaft 155

1 Religionswissenschaft als kritische Perspektive auf menschliche Wirklichkeitsverständnisse 162
2 Ausblick: Zur Vereinbarkeit von diskursiver und kognitiver Religionswissenschaft 175