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Umgang der Migrationsanderen mit rassistischen Zugehörigkeitsordnungen Strategien, Wirkungsweisen und Implikationen für die Bildungsarbeit
Umgang der Migrationsanderen mit rassistischen Zugehörigkeitsordnungen
Strategien, Wirkungsweisen und Implikationen für die Bildungsarbeit




Mishela Ivanova

Verlag Julius Klinkhardt
EAN: 9783781521995 (ISBN: 3-7815-2199-0)
292 Seiten, paperback, 17 x 24cm, 2017

EUR 46,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wie gehen Menschen, die aufgrund natio-ethno-kultureller Zuordnungen eine Markierung als „Andere“ erfahren, mit der rassistischen Verortung um?

Aus einer bildungs- und erziehungswissenschaftlichen Perspektive richtet diese Frage den Blick auf die lernenden Subjekte und rückt die wechselseitige Wirksamkeit von Welt und Individuum, in der sich sowohl die Bildung des Subjekts als auch die Reproduktion des Sozialen vollzieht, in den Mittelpunkt. Zum Vorschein kommen verschiedene passive und aktive Duldungsstrategien, individuelle und kollektive Aufstiegsstrategien sowie defensive und offensive Gegenstrategien. Dahinter verbergen sich drei zentrale Tendenzen im Umgang der Subjekte mit gesellschaftlichen Strukturen: Zementierung, Verschiebung oder Veränderung. Darin zeigt sich, dass zugehörigkeitsordnungen nicht nur von oben nach unten wirken, sondern auch Energie aus dem Tun und Unterlassen der deklassierten Subjekte beziehen.

Für die schulisch-pädagogische Arbeit sind die Ergebnisse in doppelter Hinsicht von Bedeutung: Sie können uns helfen zu erkennen, wie sich die gesellschaftlichen Differenzkategorien in Bildungsbiographien einschreiben und uns dabei unterstützen, die Rolle des Bildungswesens bei der Reproduktion sozialer Ordnungen bewusster zu gestalten.
Rezension
Das Bildungswesen spielt eine bedeutende Rolle bei der (Re-)Produktion sozialer Ordnungen und kann helfen, diese bewusster und gerechter zu gestalten. Dazu allerdings bedarf es der Kenntnis über das Funktionieren der (Re-)Produktion sozialer Ordnungen. Die anzuzeigende Innsbrucker Dissertation verdeutlicht das exemplarisch am "Umgang der Migrationsanderen mit rassistischen Zugehörigkeitsordnungen" (Titel), um daraus "Strategien, Wirkungsweisen und Implikationen für die Bildungsarbeit" abzuleiten. Deutlich wird, dass soziale Zuordnungen nicht nur "von oben nach unten" funktionieren, sondern auch "von unten nach oben"; es finden sich passive und aktive Duldungsstrategien, individuelle und kollektive Aufstiegsstrategien sowie defensive und offensive Gegenstrategien. Dahinter verbergen sich drei zentrale Tendenzen im Umgang der Subjekte mit gesellschaftlichen Strukturen: Zementierung, Verschiebung oder Veränderung. Nur wenn man diese Strategien kennt, kann man in der Bildungsarbeit dagegen halten.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die vorliegende Arbeit wurde von der School of Education – Fakultät für LehrerInnenbildung der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck unter dem Titel „Umgang der Migrationsanderen mit Rassismus. Nachher haben sie nicht mehr Ching chang chung gesagt” als Dissertation angenommen.
Gutachter: Prof. Dr. Peter Stöger, Prof. Dr. Erol Yildiz
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort 7

2 Einleitung und Überblick über den Aufbau der Arbeit 11

3 Positionierung zum Gegenstand der Untersuchung 21

4 Theoretische Rahmen 27

4.1 Zwischen Psychologie, Soziologie und Pädagogik 27
4.2 Rassismustheoretischer Zugang 29
4.2.1 Kognitivistische, psychodynamische und gruppenpsychologische Erklärungsansätze 29
4.2.2 Macht- und herrschaftssoziologische Rassismustheorien 38
4.3 Migrationspädagogik 53
4.4 Begriffsklärungen 54
4.4.1 Migrationsandere 54
4.4.2 Rassismus 56
4.4.3 Rassismuserfahrungen 60
4.4.4 Umgang mit Rassismus 63

5 Migration in Österreich — Geschichte und Gegenwart 71

6 Aktueller Forschungsstand 85

6.1 Eingrenzung des Forschungsfeldes 85
6.2 Forschung zum Thema Umgang mit Rassismuserfahrungen 89
6.2.1 Essentialisierte Migrationsandere als Schlüsselfiguren gesellschaftlicher Tendenzen und Entwicklungen 91
6.2.2 Migrationsandere als Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse 94
6.2.3 Migrationsandere als Handlungssubjekte 98
6.2.4 Überhöhung der Handlungsspielräume von Migrationsanderen 107
6.2.5 Handlungssubjekte im Spannungsfeld von Emanzipation und Selbst-Essentialisierung 111
6.3 Klassifikations- und Prozessmodelle 117
6.3.1 Umgangsformen mit rechtsextremen Übergriffen nach Böttger und Plachta 118
6.3.2 Strategien zur Verbesserung der eigenen sozialen Identität nach Tajfel 120
6.3.3 Gramscis Konzeption von Hegemonie 122

7 Zielsetzung und Gegenstand der Untersuchung 129

8 Empirischer Zugang und Vorgehensweise der Untersuchung 133

8.1 Empirischer Zugang 133
8.2 Gruppendiskussionen als Erhebungsmethode 137
8.3 Vorgehen bei der Untersuchung 141
8.4 Auswertungsmethode und Schritte der Auswertung 144

9 Darstellung der Ergebnisse 149

9.1 Artikulationsebenen 151
9.1.1 Emotionen 152
9.1.2 Kognitionen 153
9.1.3 Handeln 154
9.2 Analyseebenen 154
9.2.1 Bewusstheitsgrad 155
9.2.2 Grad der Kontrahegemonialität/Konformität 155
9.2.3 Grad der Offensivität 156
9.2.4 Grad der Aktivität 157
9.2.5 Grad der Konfrontation 157
9.2.6 Grad der Kollektivität 158
9.3 Klassifikation 158
9.4 Detaillierte Darstellung 164
9.4.1 Passive Duldungsstrategien 165
9.4.2 Aktive Duldungsstrategien 178
9.4.3 Individuelle Aufstiegsstrategien 188
9.4.4 Kollektive Aufstiegsstrategien 202
9.4.5 Defensive Gegenstrategien 208
9.4.6 Offensive Gegenstrategien 215
9.5 Intersektionalität 230
9.6 Zusammenfassende Anmerkungen 232

10 Implikationen für die formale Bildungsarbeit 239

10.1 Unterrichtsgestaltung 244
10.1.1 Ziele des Unterrichts 244
10.1.2 Inhalte des Unterrichts 246
10.1.3 Methoden des Unterrichts 249
10.2 Das Pädagogische Verhältnis 254
10.3 Professionsverständnis und Professionalisierung 258
10.4 Abschließende Anmerkungen 262

Abkürzungsverzeichnis 267
Abbildungsverzeichnis 269
Tabellenverzeichnis 270
Literaturverzeichnis 271