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Theorien des Todes  2., ergänzte Auflage 2011
Theorien des Todes


2., ergänzte Auflage 2011

Petra Gehring

Junius Verlag
EAN: 9783885066767 (ISBN: 3-88506-676-9)
208 Seiten, paperback, 12 x 17cm, September, 2011

EUR 13,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
In ihrer luzide geschriebenen Darstellung schreitet Gehring von der christlichen Umwertung des Todes als Tor zum Jenseits über die "farblose Unbehaglichkeit", welche die Leib-Seele-Problematik der Aufklärung hinterlässt, bis zur Soziologisierung und Medikalisierung des Todes in der Neuzeit. Ein wenig verwundern dabei nur die acht dünnestmöglichen Zeilen, die sie dem Freudschen Todestrieb widmet ("genannt werden muss außerdem"), während sich etwa für Schellings naturphilosophische Verwegenheiten anderthalb Seiten Platz findet. Ein abschließendes Kapitel führt ins aufgewühlte Feld der Gegenwart. Mit Phänomenen wie Sterbehilfe, Hirntod, Sterbepsychologie und Hospizbewegung sieht die Autorin eine "Deregulierung" des Todes heraufziehen. Ihr gelingt ein eindrucksvolles Schlaglicht auf die doppelte Bewegung einer Enteignung des Todes durch die Medizin, deren Kriterien sich vom Erfahrungswissen der Menschheit abgekoppelt haben, und einer normativen Sterbeerwartung, wie der Einzelne gleichwohl seinen ihm entrissenen Tod zu bewältigen habe. (Frankfurter Allgemeine Zeitun)
Rezension
Läßt sich eine so existentielle Kategorie wie der Tod in überhaupt in Theorien fassen? Theorien des Todes? Im Mittelpunkt dieses Bands aus der Reihe "Zur Einführung" steht das philosophische Nachdenken über den Tod - von der Antike bis in die Gegenwart: Was ist der Tod? Welche Bedeutung hat er? Muss man ihn fürchten? Oder gilt das antike Wort, das man den Tod nicht fürchten muss; denn wenn der Tod ist, ist man nicht, wenn man aber ist, dann ist der Tod nicht. Dann aber wäre höchstens das Sterben zu fürchten ... Wie aber verhalten sich Tod und Sterben? Das sind exemplarisch Fragen einer Theorie des Todes - und die werden in diesem Band in kompakter und pointierter Art und Weise gestellt und beantwortet - im abschließenden 6. Kapitel mit deutlichen Bezug zu Gegenwartsproblemen wie Sterbehilfe oder Hirntod. - Fazit: Hilfreich für alle, die sich im schulischen Unterricht dem Thema Tod und Sterben stellen, z.B. im Religionsunterricht.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Wir alle werden sterben. Ganz einfach? Eher doch sehr kompliziert. Wovon die Rede ist, wenn jemand das Wort »Tod« verwendet, verrätselt sich, sobald man es näher begreifen will. Was das Faktum der Endlichkeit für den Zusammenhang des eigenen Lebens bedeutet, gehört zu den großen Fragen des abendländischen Denkens. Und welche Disziplin ist wissenschaftlich zuständig? Der Tod gehört überall hin und nirgends. Diese Einführung sichtet die Theoriegeschichte des Todes. Das Augenmerk richtet sich dabei - von der Antike bis heute - auf das philosophische Nachdenken über den Tod. Muss man ihn fürchten? Welche Bedeutung kommt ihm zu? Was ist er überhaupt? Eine Frage, die sich durch alle Kapitel des Buchs zieht, ist diejenige nach den Spuren einer Todespolitik. Nicht nur in der Philosophie der Moderne lassen sich solche Spuren finden.
Petra Gehring
ist Professorin für Theoretische Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung 9

1. Politische Ordnung und philosophischer Tod 13

1.1 Kosmologische Motive 14
1.2 Was man trotz Nichtwissen über den Tod sagen kann 18
1.3 Die sokratische Geste 32

2. Von der Sorge um sich zum Schrecken des Jenseits 45

2.1 Der Tod als Aufgabe und Übung betrachtet 48
2.2 Das christliche Jenseits 60
2.3 Heil und Angst 67

3. Körper — Seele — Ende: Tod und Vernunft 73

3.1 Die Körpernatur und das Seelenproblem 74
3.2 Ärztewissen, klinischer Blick 80
3.3 Selbstmord oder Freitod? 85

4. Der Tod in der Epoche des Lebens 99

4.1 Romantische Todesnatur 101
4.2 Soziologisierung des Todes 117
4.3 Der Tod der Arten 123
4.4 Tod als Lebensfunktion 129

5. Tod oder Lebensende? 140

5.1 Ambivalenzen der Lebensphilosophie 142
5.2 Vernichtung 154
5.3 Tod und Technik 157

6. Die deregulierten Tode und ihre Aktualität 166

6.1 Hirntod 168
6.2 Sterben als psychologisches Projekt 176
6.3 Liberale Sterbehilfe und biologische Todlosigkeit 185

7. Schluss 189

Anhang

Anmerkungen 192
Weiterführende Literatur 193
Zitierte Literatur 194
Personen- und Sachregister 205
Über die Autorin 208