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Sozialphilosophie Eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens
Sozialphilosophie
Eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens




Norbert Brieskorn

Kohlhammer
EAN: 9783170205215 (ISBN: 3-17-020521-8)
319 Seiten, paperback, 12 x 18cm, 2009, 16 Abb.

EUR 22,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wie kann man Gesellschaft überhaupt erkennen und wie über sie sprechen? Mit diesen Fragen wird das Nachdenken über Gesellschaft eröffnet. Was Gesellschaft eigentlich ist, wird aus der Perspektive verschiedener Verstehensmodelle erläutert - vom aristotelisch-scholastischen bis hin zum Emergenz-Modell. Zu unterscheiden sind bei aller Untrennbarkeit die Gesellschaft "von Natur" und die von Menschen zu stiftende Gesellschaft. Wechselwirkungen und Wir-Bewusstsein prägen sie ebenso wie die gemeinsame Erinnerung und Hierarchien; außerdem ist Gesellschaft unvermeidlich von Spannungen und Überforderungen beherrscht. Im Horizont dieser Fragen und Differenzierungen werden Entwürfe und Beschreibungen von Gesellschaft vorgestellt - angefangen von Platon bis hin zu Jürgen Habermas.

Dr. Norbert Brieskorn SJ ist Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Hochschule für Philosophie München.
Rezension
Was ist Gesellschaft? Sie ist unser Raum und unsere Zeit, ihr gehören wir untrennbar an. Ihre hierarchische Ordnung und ihr Gedächtnis spiegeln sich in den unvermeidbaren Konflikten, die in Wirtschaft und Politik besonders weitreichend sind. Unverzichtbar für ihre Lösung ist es dabei, sich über sozialethische Maßstäbe wie Gerechtigkeit zu verständigen. Die Teil-Disziplin der Philosophie namens Sozialphilosophie hat eine große Schnittmenge mit den Kultur- und Sozialwissenschaften: Wie wir gesellschaftliches Miteinander verstehen, hängt davon ab, wie wir die Anderen sehen. Sozialphilosophie ist "eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens" (Untertitel). Die Darstellung gibt einen historischen wie systematischen Überblick über die wichtigsten Theorien und Positionen der Sozialphilosophie, vgl. Teil E von Platon bis Habermas. Sozialphilosophie stellt die philosophischen und soziologischen Perspektiven und Ansätze vor, die zur Neu- und Umorientierung der menschlichen Gemeinschaft einen unverzichtbaren Beitrag leisten.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
A. Literarisch-biographische Annäherung an Gesellschaft 11

I. Der „Fall“ Heinz Rühmann 11
II. Worauf deutet dieses Beispiel hin 12

B. Zugänge zur Gesellschaft 16

I. Die interessierte Einstellung des Erkennenden 16
1. Die Ansichten von Augustinus, Pascal, Goethe und Nietzsche 16
2. Das rechte Verhältnis von Ferne und Nähe zum Gegenstand 17
3. Erkennen und Anerkennen 18

II. Gesellschaft als miterkannte und als Erkennende 18
1. Der Mensch ist von Gesellschaft geprägt 18
2. Der Mensch ist nicht nur von Gesellschaft geprägt 20

III. Zur „Theorie von der sozialen Konstruktion der Wirklichkeit“ 25
1. Die Perspektivität menschlichen Erkennens 25
2. Social Epistemology 27
3. Der epistemologische Konstruktivismus in sechs Spielarten 27
4. Wirklichkeitsbezug und Zugehörigkeit zur Gesellschaft 32

IV. Über Gesellschaft sprechen 34
1. Ein dreifacher Einwand gegen eine Vergegenständlichung im Sprechen 34
2. Die vielen Sprachen der einen Gesellschaft 36

V. Der kombinatorische Ansatz 36
1. Das präreflexive Wissen 36
2. Die Evidenz 37
3. Die Überprüfung im Gespräch 37
4. Die methodische Skepsis und das Hören auf Minderheiten 38

C. Die Wissenschaften der Gesellschaft 39

I. Zur Soziologie als Sozialwissenschaft 40
1. Drei Haupteinwände 40
2. Antworten 40

II. Die Sozialtheorie 44
1. Die Soziobiologie 45
2. Die Theorie der Konventionen 50
3. Die evolutionäre Spiel- oder Entscheidungstheorie 51

III. Die intentionalistische Sozialontologie 52

IV. Die Sozialethik 53

V. Die Sozialphilosophie 54
1. Eine Philosophie des gesellschaftlichen Lebens 54
2. Philosophie im gesellschaftlichen Engagement 55
3. Sozialphilosophie und Sozialwissenschaften als Spiegel ihrer Zeit 55

D. Begriff und Wirklichkeit der Gesellschaft 56

I. Etymologische Auskunft 56

II. Zur Ausdifferenzierung von „Gesellschaft“ aus „Staat“ 56
1. Die griechisch-römische Zeit: Koinonía, pólis, civitas, res publica 56
2. Das westeuropäische Mittelalter: die „société tripartite“ 57
3. Die Frühe Neuzeit in Westeuropa: Royauté, République 60
4. Adam Fergusons Gesellschaftsverständnis 61
5. Immanuel Kants „societas civilis“ 64
6. Georg Wilhelm Fr. Hegels „Entdeckung“ der „Bürgerlichen Gesellschaft“ 65
7. Karl Marx’ und Friedrich Engels’ „Bourgeoisie“ 66

III. Zur Definition von Gesellschaft 67
1. Die Zurückhaltung gegenüber einer Definition 68
2. Versuche von Definitionen 69

IV. Eigener Vorschlag 77
1. Gesellschaft als Apriori und Gesellschaft als Aposteriori 77
2. Eine Mehrzahl von Menschen in einem abgegrenzten Raum 78
3. Mit Wechselwirkungen zwischen ihnen 79
4. Mit Wir-Bewusstsein 79
5. In Hierarchien geordnet 80
6. Mit Erinnerungsvermögen 82
7. In Spannungen 85
8. In Überforderungen 87
9. Um das Andere ihrer selbst wissend 90
Exkurs: Zur Definition „Gesellschaft ist die Summe der Individuen“ 91

V. Die juristische und psychologische Selbstständigkeit der „Gesellschaft“ 93
1. Versuch, die Selbstständigkeit juristisch zu erfassen 93
2. Versuch, die Selbstständigkeit psychologisch zu erfassen 94

VI. Philosophische Versuche, das Sein der Gesellschaft zu verstehen 95
1. Die Gesellschaft im aristotelisch-scholastischen Denken 95
2. Die Gesellschaft als Relationenbündel mit Eigenwirklichkeit 104
3. „Gesellschaft“ als ein Dimensionsbegriff des Subjekts Mensch 106
4. Gesellschaft als „Emergenz“107
5. Gesellschaft als „systemisches Gebilde“ 109

E. Verschiedene gestiftete Gesellschaftsmodelle 111

I. Platon 112
1. Leben 112
2. Mensch und Gesellschaft 113
3. Die Gesellschaft der „Gesetze“ (Nomoi) 121
4. Fazit und Vergleich mit D. IV. 125

II. Aristoteles 126
1. Leben 126
2. Der Mensch und sein Verlangen 126
3. Die Gemeinschaften 129
4. Fazit und Vergleich mit D. IV. 135

III. Thomas Hobbes 137
1. Leben und Werke 137
2. Geistiges Umfeld und Methode 138
3. Die Bedrohung des Menschen durch sich selbst 139
4. Die Rettung des Menschen durch sich selbst 143
5. Im Vergleich mit Ansätzen des Aristoteles 145

IV. Auguste Comte 147
1. Seine Zeit 147
2. Leben und Werke 148
3. Die zwei Gesetze und die Soziologie 149
4. Der Positivismus Comtes 155
5. Die Gesellschaftslehre und die zwei Dynamiken 155
6. Kritische Würdigung und Vergleich mit D. IV. 158

V. Karl Marx und Friedrich Engels 160
1. Leben und Werke 160
2. Geschichtliche Einordnung 162
3. Der Mensch: konkret und Selbstproduktion 163
4. Der historische Materialismus 165
5. Die Geschichtsauffassung 169
6. Vergleiche, auch mit D. IV. 170

VI. Herbert Spencer 173
1. Leben und Werke 173
2. Methode 174
3. Sein Gesellschaftsbegriff 175
4. Das Gesetz des „survival of the fittest“ 178
5. Das allgemeine Entwicklungs- oder Evolutionsgesetz 180
6. Kritik 182

VII. Ferdinand Tönnies 184
1. Leben und Werke 184
2. Philosophischer Hintergrund 185
3. Zu „Gemeinschaft und Gesellschaft“, 1887 185
4. Der Vergleich mit D. IV. 191
5. Stellung von Tönnies zu anderen Sozialwissenschaftlern 192
6. Das Anliegen: Die Rettung Nordeuropas 192

VIII. Émile Durkheim 193
1. Zeit, Leben und Werke Émile Durkheims 193
2. Seine Methode 196
3. Der Begriff der Gesellschaft und des Kollektivbewusstseins 198
4. Die „mechanische Solidarität“ und die „organische Solidarität“ 200
5. Gesellschaft und Religion204
6. Kritische Sicht auf Durkheims Werk und Vergleich mit D. IV. 204

IX. Georg Simmel 207
1. Leben, Werke und Bedeutung 207
2. Erkennen als Formgebung 210
3. Die Aprioris 212
4. Die Wechselwirkung 214
5. Gesellschaft als Vergesellschaftung 214
6. Kritische Bemerkungen 221

X. Max Weber 222
1. Leben und Werke 222
2. Schwerpunkte im methodischen und thematischen Arbeiten224
3. Erkennen und Methoden 225
4. Eine Handlungs- und Gesellschaftslehre 228
5. Würdigung und Kritik 237
6. Weber im Vergleich, auch mit D. IV. 239

XI. Niklas Luhmann 242
1. Leben und Einführung in das Werk 242
2. Selbstbeschreibung und Selbsterklärung des sozialen Systems 242
3. Bestandteile und Grundvorgänge des sozialen Systems 251
4. Gesellschaft, Interaktion, Organisation 257
5. Die Evolution 260
6. Die Paradoxie 260
7. Vergleich mit D. IV. 261
8. Kritik an der Systemtheorie 262

XII. Jürgen Habermas 265
1. Leben und Veröffentlichungen 265
2. Anliegen 267
3. Aufbau einer Gesellschaftstheorie 268
4. Gegen eine verkürzte und für eine kommunikative Vernunft 270
5. Die zwei Lebensbereiche 273
6. Der Vergleich mit D. IV. 275
7. Habermas im Vergleich 277

F. Was festzuhalten ist 281

Literaturverzeichnis 283
Personenregister 308
Sachregister 314