Religionspädagogische Beiträge

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Religionspädagogische Beiträge 56/2006 - Religionspädagogik jenseits des Religionsunterrichts

Religionspädagogische Beiträge 56/2006

Religionspädagogik jenseits des Religionsunterrichts


Schenker, Subjektivität und Mystagogie

Tzscheetzsch, Warum noch kirchliche Jugendarbeit?

Mette, Literaturbericht zur kirchlichen Jugendarbeit

Eicher-Dröge, Ein Kerngeschäft in der Krise

Leimgruber, Braucht Erwachsenenbildung Religionspädagogik?

Bergold, Literaturbericht zur Erwachsenenbildung

Hofrichter, Dialogisches Miteinander

Biesinger/Gaus, Wie Gemeindekatechese Zukunft hat

Jakobs, Eckpunkte einer Theorie der Gemeindekatechese

Kaupp, Literaturbericht zur Gemeindekatechese



Rezensionen

Greiner, 'Neu gelesen': Karl Dienst
 
Arbeitsgemeinschaft Katholische Religionspädagogik und Katechetik
ISSN 0173-0339

2006
168 Seiten, paperback, 15 x 21 cm
 
11.00 Euro
 

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Vorwort
Das vorliegende Heft 56/2006 der Religionspädagogischen Beiträge widmet sich einer auffälligen Entwicklung der aktuellen wissenschaftlichen Religionspädagogik: Betrachtet man deren jüngeres Schrifttum, lässt sich feststellen, dass sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf den Religionsunterricht konzentriert, wohingegen andere Lernorte des Glaubens mehr und mehr dem religionspädagogischen Vergessen anheimfallen. Dieser Tendenz entbehrt es keineswegs an Plausibilität und Nachvollziehbarkeit, da sich der schulische Religionsunterricht in den vergangenen Jahrzehnten zum mit Abstand bedeutendsten Feld religionspädagogischen Handelns entwickelt hat - nirgendwo sonst kommen annähernd viele Heranwachsende in vergleichbarer Regelmäßigkeit mit der
christlichen Tradition in Berührung, zumal solche, die dem christlichen Glauben ambivalent, ablehnend, skeptisch oder gleichgültig gegenüberstehen. Dass diese Dominanz des Religionsunterrichts auf die religionspädagogische Lehre und Forschung 'durchschlägt', ist um so naheliegender, als zukünftige Religionslehrer/innen inzwischen die mit Abstand wichtigste Klientel der theologischen Ausbildungsstätten darstellen, was für die wissenschaftliche Religionspädagogik als Fach und für deren Vertreter/innen einen intensiven Unterrichts- und Schulbezug unabdingbar macht.
Sicherlich könnte man die aufgezeigte Entwicklung, dass nämlich Religionspädagogik mehr und mehr zu einer Wissenschaft religiösen Lehrens und Lernens in Schule und Unterricht wird, als unabwendbare Tatsache akzeptieren, mit der es sich zu arrangieren gilt. Für diese Sichtweise spricht zudem, dass von Seiten außerschulischer Praxisfelder religiösen Lehrens und Lernens alles andere als eine reißende Nachfrage nach dezidiert religionspädagogischen Theorien zu verzeichnen ist - eher im Gegenteil: Gerade die kirchliche Jugend(verbands)arbeit und die theologische Erwachsenenbildung scheinen sich ohne Protest und Phantomschmerz im religionspädagogischen Theorievakuum eingerichtet zu haben!
Diese Konstellation nimmt das vorliegende Heft der Religionspädagogischen Beiträge zum Anlass für ein produktives Nachdenken. Das Themenheft stellt sich der Frage nach der Notwendigkeit, dem Nutzwert, der Legitimität einer Religionspädagogik jenseits des Religionsunterrichts, sprich einer Religionspädagogik, die nicht nur schulischen Unterricht zu reflektieren und orientieren sucht, sondern auch religionspädagogisches Handeln beispielsweise in gemeindlicher Katechese, kirchlicher Jugendarbeit und theologischer Erwachsenenbildung - drei Lernfelder, die wir im Folgenden exemplarisch in den Blick nehmen wollen. Dabei setzen wir voraus, dass eine Religionspädagogik außerschulischer Lernorte nur legitimierbar und sinnvoll ist, wenn sie einen spezifischen Beitrag, einen unvertretbaren Nutzen für die dortige Praxis 'abzuwerfen' vermag. Die Art und Weise, in welcher kirchliche Jugendarbeit, theologische Erwachsenenbildung und Gemeindekatechese in den Blick genommen werden, folgt ein und demselben Kompositionsprinzip. Den Auftakt markieren jeweils wissenschaftlich profilierte Autor/innen, die beruflich eng mit dem jeweiligen Handlungsfeld verwoben sind - nämlich Dominik Schenker, Elisabeth Eicher-Dröge und Claudia Hofrichter. Es folgen Reflexionen aus universitärer Perspektive - von Werner Tzscheetzsch, Stephan Leimgruber, Albert Biesinger/Ralf Gaus und Monika Jakobs. Den Schlussakkord bilden Literaturberichte von Norbert Mette, Ralph Bergold und Angela Kaupp, die aktuelle „religionspädagogisch relevante Publikationen" zum jeweiligen Praxisfeld präsentieren und kritisch bedenken. Im Dreiklang der angeführten Perspektiven soll ein vielschichtiges und anregendes Panorama außerschulischen Lernens entstehen.
Nicht zufällig steht die kirchliche Jugendarbeit am Anfang des Heftes. Sie ist inzwischen fast gänzlich der religionspädagogischen Aufmerksamkeit entglitten. Dominik Schenker entfaltet eine Theorie dieses Praxisfeldes, in welcher dessen legitimer wie fruchtbarer Variantenreichtum mit einer humanwissenschaftlich geläuterten Subjektorientierung und einer theologisch reflektierten Mystagogie auf tragende Prinzipien hin durchleuchtet wird. Werner Tzscheetzsch schlägt den Bogen zurück zum Leitdokument des Synodenbeschlusses von 1975, um von dessen Kernaussagen her - in Konvergenz mit aktuellen Theoremen der Sozialpädagogik - nach dringlichen „Kernthemen" für die Zukunft kirchlicher Jugendarbeit zu fahnden. Norbert Mettes differenzierter Literaturbericht schließlich lässt erkennbar werden, dass die Pastoraltheologie inzwischen die Theorie der kirchlichen Jugendarbeit dominiert - mit entsprechender 'Schlagseite' hin zu Jugendpastoralen Fragestellungen.
Der zweite Teil des vorliegenden Heftes widmet sich mit der theologischen Erwachsenenbildung einem Praxisfeld, das in jüngerer Zeit vermehrtes religionspädagogisches Theorieinteresse auf sich zog - vielleicht gerade weil es in besondere Akzeptanz- wie Legitimationsnöte verstrickt ist. Selbige werden von Elisabeth Eicher-Dröge alltagsnah konturiert, wobei sie die perspektivische Forderung herausarbeitet, binnengemeindliche Fixierungen aufzubrechen, ohne das theologische Profil kirchlicher Erwachsenenbildung preiszugeben. Stephan Leimgruber liefert eine profunde Zusammenschau über eine Vielzahl erwachsenenbildnerischer Konzepte, welche die Praktische Theologie beider Konfessionen in den vergangenen Jahrzehnten hervorgebracht hat, lässt aber auch gewisse Skepsis anklingen, inwieweit diese elaborierten Modelle die konkrete Bildungspraxis 'vor Ort' tatsächlich zu bereichern vermochten. Ralph Bergold schließlich gibt einen informativen Einblick in aktuelle Veröffentlichungen zur Erwachsenenbildung, die sich insbesondere an einer zeitgerechten Begründung dieses Handlungsfeldes 'abarbeiten' .
Der dritte und letzte Teil unseres Themenschwerpunktes fokussiert die Gemeindekatechese als religionspädagogisches Praxisfeld, das sich seit Jahrzehnten in Abgrenzung zum schulischen Religionsunterricht zu profilieren sucht. Ausgehend von einem gehaltvollen Rückblick auf die Genese dieses Lernortes plädiert Claudia Hofrichter überzeugend für eine Theoriebildung, welche religiöses Lernen auf den alle Altersstufen umfassenden „Lebensraum Gemeinde" zuzuschneiden vermag, wobei mit 'Praktizierenden', 'Pilgern' und 'Konvertiten' {Daniele Hervieu-Leger) unterschiedliche Grundfiguren religiöser Identität zu berücksichtigen sind. Albert Biesinger und Ralf Gaus votieren dezi-diert für eine Verbindung von Sakramenten- und Familienkatechese als Zukunftsmodell einer intergenerationell orientierten Gemeindekatechese, wobei sie einräumen, dass besagtes Modell situations- wie zielgruppenspezifischer Ergänzungen und Alternativen bedarf. Monika Jakobs nimmt gängige Vokabeln gemeindekatechetischer Theorie (z.B. Evangelisierung und Missionierung, Katechese und Diakonie) kritisch in den Blick, um schließlich im Horizont einer nüchternen Analyse heutiger Gemeindestrukturen und Glaubensbiographien 'aufsuchende Aufmerksamkeit' als zentrale katechetische „Haltung" zu profilieren, die durch professionelle (Beg)Leitung wie durch solide Theoriearbeit gestützt sein müsse. Der abschließende, instruktive Literaturbericht von Angela Kaupp zeigt auf, welche Forschungsbemühungen sich in jüngster Zeit auf die Gemeindekatechese richteten, wobei verstärkt Erwachsene in den Blick rückten, während das didaktische Binnengeschehen und etwaige längerfristige Effekte katechetischer Praxis weitgehend unbeachtet blieben.
Der Rezensionsteil des vorliegenden Heftes fokussiert acht wissenschaftliche Einzelpublikationen. Zudem beleuchtet Harald Schwillus in einer Sammelbesprechung aktuelle Religionslehrer/innenstudien aus Ostdeutschland.
Den Schlusspunkt von RpB 56/2006 setzt - wie inzwischen bewährt - die Rubrik „Neu gelesen". Ulrike Greiner untersucht mit Karl Diensts Monographie „Die lehrbare Religion" ein grundlagentheoretisch profiliertes Werk der 1970er Jahre, hinter dessen sorgsame konvergenztheoretische Zuordnung von Glaube und Bildung ihrer Überzeugung nach „auch Positionen der [...] Religionspädagogik der Gegenwart nicht zurückfallen können."

Regensburg / Mainz, im September 2006
Burkard Porzelt und Werner Simon

Inhaltsverzeichnis

Vorwort 1

Dominik Schenker, Kirchliche Jugendarbeit: Subjektivität und Mystagogie 5

Werner Tzscheetzsch, Warum noch kirchliche Jugendarbeit? Kernthemen einer
Theorie - ein Versuch 15

Norbert Mette, Religionspädagogisch relevante Publikationen zur kirchlichen
Jugendarbeit 27

Elisabeth Eicher-Dröge, Ein Kerngeschäft in der Krise. Anfragen an religionspädagogische Theorien aus der Praxis theologischer Erwachsenenbildung 37

Stephan Leimgruber, Braucht die religiös-theologische Erwachsenenbildung religionspädagogische Theorien? 47

Ralph Bergold, Religionspädagogisch relevante Publikationen zur theologischen
Erwachsenenbildung 55

Claudia Hofrichter, Dialogisches Miteinander. Plädoyer für eine katechetisch-religionspädagogische Theoriebildung 63

Albert Biesinger / Ralf Gaus, Wie Gemeindekatechese Zukunft hat 75

Monika Jakobs, Eckpunkte einer Theorie der Gemeindekatechese 83

Angela Kaupp, Religionspädagogisch relevante Publikationen zur Gemeindekatechese 93

Buchbesprechungen 103

Ulrike Greiner, 'Neu gelesen': Karl Dienst, Die lehrbare Religion. Theologie und
Pädagogik: Eine Zwischenbilanz (1976) 123