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Religionskritik in der Neuzeit Hume, Feuerbach, Nietzsche Alber-Reihe Thesen, Band 5
Religionskritik in der Neuzeit
Hume, Feuerbach, Nietzsche


Alber-Reihe Thesen, Band 5

Elisabeth Heinrich

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495479193 (ISBN: 3-495-47919-8)
366 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 15 x 22cm, 2001

EUR 38,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Anhand der umfassend rekonstruierten Genealogien der Religion in den Werken Humes, Feuerbachs und Nietzsches arbeitet die Autorin zwei Grundformen neuzeitlicher Religionskritik heraus:

• die logisch-widerlegende Argumentation und

• die genealogische Betrachtungsweise.



Sie untersucht dabei, wie die genealogische Religionskritik v.a. auf christliche Glaubenslehren Anwendung findet und interpretiert die Religionskritiken von ihren ethischen und anthropologischen Zielsetzungen her.



Dr. phil. Elisabeth Heinrich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität-Gesamthochschule Siegen. Arbeitsschwerpunkte: Religionsphilosophie, Moralphilosophie, Staatsphilosophie, Sozialphilosophie und Anthropologie.
Rezension
Religionskritik scheint zwar z.Zt. nicht besonders „angesagt“ zu sein, allenthalben wird von der postmodernen „Rückkehr zur Religion“ gesprochen (sic!), - gleichwohl bildet die Religionskritik einen konstitutiven Bestandteil religionspädagogischer Arbeit zumindest in der Oberstufe. Ludwig Feuerbach und Friedrich Nietzsche begegnen hier in aller Regel; David Hume wohl eher seltener. – Die vorliegende Arbeit, eine Dissertation an der GHS Siegen von 1998, fragt nach Grundformen neuzeitlicher Religionskritik. Hume wird dabei als Vertreter einer logisch-widerlegenden Religionskritik gesehen, Feuerbach und mehr noch Nietzsche als Vertreter einer psychologisch-genetischen Betrachtung der Religion, die mit ihrer suggestiven Kraft nach Meinung der Verfasserin selbst die Gefahr des Fanatismus in sich birgt. Humes Religionskritik mag zwar nicht so scharf und pointiert sein wie die Feuerbachs und Nietzsches, aber Hume bleibt der selbstkritischen Haltung des Skeptikers verpflichtet, was für Feuerbach und Nietzsche nicht gilt.

Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 11

I. Zwei Wege neuzeitlicher Religionskritik 18

1. Die logische Kritik der Religion 18
1.1. Der empiristische Erkenntnisbegriff Humes und seine
Bedeutung für die Religionskritik 18
1.2. Die Revision des empiristischen Erkenntnisbegriffs in
Feuerbachs Religionskritik 29
1.3. Logische Argumente in der Religionskritik Nietzsches 40
2. Die Kritik der Religion durch Genealogien 49
2.1. Humes naturgeschichtliche Rekonstruktion der religiösen Vorstellungen und Praktiken 49
2.2. Die genetisch-kritische Explikation der Religion in der Philosophie Feuerbachs 57
2.3. Die genealogische Destruktion der Religion bei Nietzsche 65

II. Die anthropologische Wende der Religionskritik bei Feuerbach 77

1. Der Mensch als Abstraktum in Feuerbachs idealistisch-spekulativer Philosophie und Religionskritik bis 1838/39 80
2. Überindividuelles Wesen und Intersubjektivität des Menschen in Feuerbachs Schrift Das Wesen des Christentums (1841) 94
2.1. Der Mensch im Einleitungsentwurf von 1839 .... 95
2.2. Der Mensch in der 1. Auflage von Feuerbachs Schrift
Das Wesen des Christentums (1841) 100
2.3. Die religiöse Vergegenständlichung des menschlichen Wesens in der 1. Auflage von Feuerbachs Schrift Das Wesen des Christentums (1841) ....109
3. Mensch und Natur in Feuerbachs Religionskritik ab 1846 120

III. Entstehung und Höherentwicklung der Religion in den neuzeitlichen Genealogien .... 129

1. Ursprung und Funktion religiöser Vorstellungen und Praktiken 131
1.1. Die Kompensation von Unwissenheit und Furcht in der Genealogie Humes 131
1.2. Die Synthese von Kompensation und Widerspiegelung in Feuerbachs Wesen der Religion (1846) und in seinen Vorlesungen von 1848/49 139
1.3. Die Überwindung des Kompensationsgedankens durch Nietzsches Verabsolutierung selbstdestruktiver Prozesse in der Religion ....150
2. Zur Genealogie der höheren Religionsformen .... 159
2.1. Humes These vom beständigen Wechsel zwischen Polytheismus und Monotheismus 159
2.2. Die Genese der Humanität im Medium der Religion in Feuerbachs Wesen der Religion (1846) und in seinen Vorlesungen von 1848/49 ....168
2.3. Die Degeneration des religiösen Menschen: Ressentiment und Decadence in Nietzsches später Religionskritik ....179

IV. Die Kritik einzelner Glaubenslehren 208

1. Sündhaftigkeit und Erlösungsbedürftigkeit des Menschen 208
1.1. Das moralische Gesetz als Wahrheit und Grund des Glaubens an die Sünde in Feuerbachs Wesen des Christentums (1841) 209
1.2. Psychologische Selbstmißverständnisse und schädliche Konsequenzen: der christliche Erlösungsglaube bei Nietzsche 212
2. Der christliche Glaube an den Erlöser 218
2.1. Die Liebe als Wahrheit und Grund des Glaubens an den Gottessohn in Feuerbachs Wesen des Christentums (1841) 219
2.2. Nietzsches Rekonstruktion des "psychologischen Typus" Jesu als Einwand gegen das Christentum ...223
3. Persönliche Unsterblichkeit 230
3.1. Humes Einwände gegen den Glauben an die Unsterblichkeit der Seele 232
3.2. Die uneingeschränkte Subjektivität als Wahrheit und Grund des Unsterblichkeitsglaubens in Feuerbachs Wesen des Christentums (1841) 238
4. Der Glaube an Wunder 241
4.1. Über die Evidenz von Wunderberichten in der Religionskritik Humes 242
4.2. Die Phantasie als Wahrheit und Grund des Wunderglaubens in Feuerbachs Wesen des Christentums (1841) 248
5. Die Güte Gottes 251
5.1. Die Kritik der moralischen Eigenschaften Gottes in Humes Dialogues concerning Natural Religion 252
5.2. Die Theodizeeproblematik in der Religionskritik Nietzsches 260
6. Bibel und Exegese in Nietzsches psychologisch-genetischer Kritik 263

V. Der Vernunftglaube in der Religionskritik Humes 270

1. Von der Ohnmacht der menschlichen Vernunft in Fragen der natürlichen Religion 273
1.1. Die mangelnde Stringenz des argument from design . 274
1.2. Das kategoriale Mißverständnis im >apriorischen< Argument 290
2. Zwischen Skepsis und common sense: die >wahre< Religion in Humes Dialogues 295

VI. Die Bedeutung der Religionskritik für ethische und anthropologische Zielsetzungen 309

1. Humes Befreiung des Menschen zu >natürlicher< Moral 310
2. Die Verwirklichung des Menschen bei Feuerbach . . . 326
3. Die Überwindung des Menschen durch Nietzsches Übermenschen 333

Schluß 341

Zitierweise 346

Literatur 349

Schriften Humes, Feuerbachs und Nietzsches 349
Weitere Literatur 351

Personenregister 361

Sachregister 363