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Religion unterrichten zwischen Kirchturm und Minarett Perspektiven für einen dialogisch-konfessorischen Unterricht der abrahamischen Religionsgemeinschaften an berufsbildenden Schulen  Zugl.: Bonn, Univ., Habil.schrift, 2005
Religion unterrichten zwischen Kirchturm und Minarett
Perspektiven für einen dialogisch-konfessorischen Unterricht der abrahamischen Religionsgemeinschaften an berufsbildenden Schulen


Zugl.: Bonn, Univ., Habil.schrift, 2005

Andreas Obermann

LIT
EAN: 9783825891497 (ISBN: 3-8258-9149-6)
416 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2006

EUR 39,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Viele Lerngruppen an Berufsschulen sind multireligiös - mehrheitlich christlich-islamisch - zusammengesetzt: Diese Multireligiosität versucht der Vf. religionspädagogisch in einem dialogischen Religionsunterricht, in dem eine muslimische Lehrkraft paritätisch an der Konzeption, Planung und Durchführung einzelner Unterrichtseinheiten beteiligt war, durch authentische Begegnungen der Schüler/innen unterschiedlichen Glaubens zu nutzen. Dieser authentisch-dialogische und fächerübergreifend angelegte Religionsunterricht wird in vorliegender Arbeit gesellschaftlich und pädagogisch begründet, in seiner Durchführung dargestellt und von der Basis der heiligen Schriften - Bibel und Koran - ausgehend theologisch und religionspädagogisch in seiner Intention und Relevanz erörtert.



Dr. Andreas Obermann, geb. 1962, ist Berufsschulpfarrer und Bezirksbeauftragter in Wuppertal und Privatdozent für Religionspädagogik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn
Rezension
Der Religionsunterricht ist in den vergangenen Jahren immer wieder in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses getreten. Das verdankt sich besonders zwei Entwicklungen: Zum einen die zunehmende Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland hin zu einer säkularen Gesellschaft, wie sie besonders durch die neuen Bundesländer und deren Entkonfessionalisierung gefördert worden ist und z.B.das neue Unterrichtsfach Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde (LER) in Brandenburg hervorbrachte, zum anderen durch die Entwicklung hin zu einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft. Z.Zt. soll islamischer Religionsunterricht in den meisten Bundesländern flächig eingeführt werden. Angesichts dieser Entwicklungen darf gefragt werden, welche alternativen Organisationsformen zum konfessionellen Religionsunterricht sinnvoll und denkbar sind. Das tut diese Habilitationsschrift in exemplarischer Weise aus der Perspektive des Berufsschulunterrichts, wo sich die Problematik aus verschiedenen Gründen abermals verstärkt stellt.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Christentum und Islam im Dialog Christian - Muslim Relations
Herausgegeben von Prof. Dr. Andreas Feldtkeller, Prof. Dr. Klaus Hock, Prof. Dr. Tarek Mitrí, Prof. Dr. Jorgen S. Nielsen
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7
Abkürzungen 14
Einleitung 15

I. Teil
Der konfessionelle Religionsunterricht zwischen Anspruch und Wirklichkeit - eine Bestandsaufnahme zum Alltag am Berufskolleg


1 Das Berufskolleg als Bildungseinrichtung - zur Geschichte und Bedeutung einer Schulform 22
1.1 Die Berufsschule und das duale System in historischer Perspektive 22
1.2 Die staatsrechtliche Grundlage des konfessionellen Religionsunterrichts 29
1.3 Der Religionsunterricht in berufspädagogischer Perspektive 35
1.3.1 Didaktische Modelle des Religionsunterrichts an der Berufsschule - eine historische Skizze 35
1.3.2 Die didaktische Begründung des Religionsunterrichts in berufspädagogischer Perspektive heute 40
1.3.3 Der Religionsunterricht am Berufskolleg in NRW in Zahlen 46
1.3.3.1 Die Zusammensetzung der Schüler/innenzahlen nach der Religionszugehörigkeit 46
1.3.3.2 Die Akzeptanz des Religionsunterrichts gemessen an Unterrichtsausfall

2 Der evangelische Religionsunterricht und die beteiligten gesellschaftlichen Gruppen - zu den Erwartungen an den Religionsunterricht 56
2.1 Die Erwartungen des Staates und anderer relevanter gesellschaftlicher Gruppen an den konfessionellen Religionsunterricht 56
2.2 Die Erwartung der dualen Partner an den Religionsunterricht 62
2.3 Die Erwartungen der Kirchen als Anstellungsträger der Schulpfarrer/innen und Fachaufsicht der Religionslehrerinnen/Religionslehrer und als Partner des Staates 72
2.4 Die Erwartungen der Schüler/innen an den Religionsunterricht 74
2.5 Das Rollenverständnis von Schulpfarrern/innen und Religionslehrern/innen zwischen Anspruch und Wirklichkeit 78

3 Religionsunterricht und Berufsschule - Modelle zwischen Gegenwart und Zukunft 82
3.1 Konfessioneller Religionsunterricht in der Verantwortung einer Religionsgemeinschaft 82
Exkurs 1: Das Schulprojekt „Praktische Philosophie" in NRW 85
Exkurs 2: Das Schulprojekt „Islamische Unterweisung" in NRW 90
3.2 Die Einfuhrung eines Unterrichtsfaches nach der Konzeption von
'Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde' in Brandenburg 94
3.3 „Religionsunterricht für alle" - Religionsunterricht in interreligiöser Perspektive in Hamburg 97
3.4 Interreligiosität und seine Aufnahme in bisherigen religionswissenschaftlichen und pädagogischen Ansätzen an der Berufsschule - eine Bestandsaufnahme 100
3.4.1 „Religionenunterricht" - die Weltreligionen im Religionsunterricht 100
3.4.2 Das Projekt Weltethos 107
3.4.3 Bestehende Projekte und .Arbeitsstellen interreligiösen Lernens - eine Zusammenschau 110

4 Der 'klassisch' konfessionelle Religionsunterricht an der Berufsschule in seiner Diskrepanz zur multikulnirellen Gesellschaft 112
4.1 Der Evangelische Religionsunterricht und die multikulturelle Gesellschaft in der BRD 112
4.2 Der klassisch konfessionelle Religionsunterricht und seine Zukunft - ein kritisches Zwischenresümee 115

II Teil
„Shalom • Frieden • Salam" - Darstellung des Projekts.,Interreligiöses Lernen in multireligiöser Verantwortung" als Zukunftsmodell für den Religionsunterricht an der Berufsschule


5 Die Idee und die Anlage der Untemchtseinheit 123
5.1 Religionsunterricht in interreligiöser Verantwortung und Planung 123
5.2 Die Themenfindung und der inhaltliche Ablauf der Untemchtseinheit 124
5.3 Interreligiöser Religionsunterricht zwischen fächerübergreifender Kooperation und außerschulischen Begegnungen 126

6 „Shalom • Frieden • Salam" - die Durchführung des Projekts 130
6.1 Die Phasen des interreligiösen Religionsunterrichts 130
6.1.1 Was wir glauben - gegenseitige Begegnung und Verstehen über die Schule hinaus 132
6.1.1.1 Interreligiöser Religionsunterricht in christlicher Perspektive 132
6.1.1.2 Interreligiöser Religionsunterricht in islamischer Perspektive 135
6.1.2 Wie wir zusammenleben wollen - die Friedenshoffnung, die verbindet 143
6.1.3 Was trennt, aber nicht entzweit - die unterschiedliche Vielfalt der Religionen als Bereicherung 151
6.2 Die Präsentation des Projektes und die Meinung der Schülerinnen und
Schüler - eine Auswertung 157

III. Teil
Verständnis und Gemeinschaft in respektierter Verschiedenheit - theologische, pädagogische und didaktische Bestimmungen zum interreligiösen Unterrichtsprojekt „Shalom • Frieden • Salam"


7 Interreligiöses Lernen als zeitgemäße Form eines konfessorischen Religionsunterrichts in einer offenen pluralen Gesellschaft - theologische und didaktische Perspektiven 163
7.1 Interreligiöser Religionsunterricht in multireligiöser Verantwortung in seinen pädagogischen und theologischen Bestimmungen 163
7.1.1 Der interreligiöse Religionsunterricht und seine religionspädagogische Begründung 163
7.1.2 Der interreligiöse Religionsunterricht und die pluralistische Theologie der Religionen'. 174
7.1.3 Möglichkeiten des theologischen und ethischen Lernens an der Berufsschule aus entwicklungspsychologischer Sicht 180
7.2 Didaktische Grundmuster interreligiösen Lernens am Lernort Berufsschule 188
7.2.1 Das Gespräch als Grundform eines interreligiösen Religionsunterrichts - Überlegungen zum Dialogverständnis 188
7.2.2 Interreligiöser Religionsunterricht als Lernen mit Einsicht - zum dialogischen Lernen im 'herrschaftsfrei(er)en' Raum 196
7.2.3 Einander in der Schule authentisch begegnen - zur Integrationswirkung des interreligiösenReligionsunterrichts 203
7.2.4 Der eigene Standort im 'harten' Pluralismus - zur Konfessionalität als didaktischer Kategorie 207
7.2.5 Das Ethos der Religionen als konstitutiver Faktor interreligiöser Dialoge -
zu identitätsförderaden und ethischen Aspekten des Religionsunterrichts 213
7.3 Die Inhalte eines dialogisch-interreligiösen Religionsunterrichts 221
7.3.1 „Ehrfurcht vor Gott" (Art 7 LVerNW) - politische Erziehungsvorstellung
und multireligiöse Erziehung als Vorgabe für den Religionsunterricht 221
7.3.2 „Wieso weshalb warum, wer nicht fragt bleibt dumm " - grundlegende
7.4 Lernen im authentisch-interreligiösen Dialog - didaktische Perspektiven
für einen zukunftsfähigen 'Interreligiösen Religionsunterricht' 230

8 Heilige Schriften und interreligiöses Lernen - theologische Grundlagen einer Lerngemeinschaft der abrahamischen Religionsgemeinschaften 234
8.1 Bisherige Entwürfe biblischer Didaktiken (Baldermann, Lähnemann, Weder) und koranischer Didaktiken (IPD) und ihre Relevanz für die Berufsschule 234
8.2 Das biblische und koranische Offenbarungsverständnis als gemeinsame Grundlage einer interreligiösen Didaktik - ein Versuch 242
8.2.1 Bibel und Koran - verwandt und doch verschieden. 242
8.2.2 Die Offenbarung Gottes im Wort - zur Nähe von Johannesevangelium und Koran 245
8.2.3 Gemeinsamkeit im Oflfenbarungsverständnis als Grundlage eines dialogischen Religionsunterrichtes in multireligiöser Verantwortung 256
8.3 „Lernen" in Tora, Neuem Testament und Koran - Skizzen zum Lern Verständnis in der biblischen und koranischen Tradition 262
8.3.1 Lernen in der biblisch-jüdischen Tradition 262
8.3.2 Lernen in der biblisch-christlichen Tradition 264
8.3.3 Lernen und der Koran - eine Annäherung 272
8.3.3.1 Lernen in der korarüschen Tradition 272
8.3.3.2 Überlegungen zur Notwendigkeit und zur Voraussetzung einer zu entwickelnden koranischen Didaktik 278
8.3.4 Begegnung und Beziehungsreichtum als didaktische Basis interreligiösen
Lernens - ein Ertrag 282

9 Frieden als Basis für Verständigung und Gemeinschaft - eine religionspädagogisch-fachdidaktische Grundlegung 287
9.1 „Shalom • Frieden • Salam" - Erörterungen zum Thema 'Frieden' in Judenrum. Christentum und Islam 287
9.1.1 Das Ethos des Friedens als humane Kategorie - politische, soziologische und phänomenologische Aspekte 288
9.1.2 Die Vorstellung einer friedlichen Koexistenz in den Religionen - theologische Aspekte 291
9.1.2.1 Das Ethos von Frieden und Pluralismus in der jüdisch-christlichen Tradition 291
9.1.2.2 Das Ethos von Frieden und Pluralismus in der islamischen Tradition 297
9.1.3 Religiöse Friedensvorstellungen angesichts des „Kampfes der Kulturen" - der Dialog als Weg des Friedens? 311
9.1.3.1 Frieden heißt Grenzen akzeptieren - der Aspekt der Toleranz 312
9.1.3.2 Frieden heißt „über den Tellerrand gucken" - der Aspekt der Solidarität 317
9.1.4 Die religionspädagogischen Voraussetzungen für eine authentische Begegnung der Religionen im Religionsunterricht - ein Resümee 319
9.2 Die Kategorie des Friedens in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler - Friede als epochales Schlüsselproblem 320
9.2.1 'Negative' Friedensvorstellungen als Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler 320
9.2.1.1 Gewalt als Folge von Provokation 321
9.2.1.2 Gewalt als Folge politischer, religiöser und persönlicher Vorurteile 325
9.2.1.3 Gewalt als Folge von Perspektivlosigkeit 328
9.2.2 Die Erziehung zum Frieden im Erlebnishorizont von Gewalt - ein didaktisches Resümee 330
9.3 Schritte auf dem Weg des Friedens - die Ziele interreligiöser Friedenserziehung 331
9.3.1 Themenübergreifende Zielvorstellungen eines dialogisch-interreligiösen Religionsunterrichts 331
9.3.2 " ... und er zog vollFreudeweiter" - zumProzess einer Identitätsfindung im interreligiösen Religionsunterricht 335
9.3.3 Schweigen ist Silber. Reden ist Gold" - Kompetenzen der Kommunikation und Integration 337
9.3.4 Habt, soviel an euch liegt, mit allen Menschen Frieden" - Kompetenzen der Interaktion und Konfliktlösung 338

IV. Teil
Dialogisch-interreligiöser Religionsunterricht - eine konkrete Utopie


10 Dialogisch-interreligiöser Religionsunterricht in multireligiöser Verantwortung - ein religionspädagogischer Ausblick 343
10.1 Interreligiöses Lernen als Modell des Religionsunterrichts - mehr als nur eine Vision eines zukünftigen Religionsunterrichts 343
10.1.1 Konfessorischer Religionsunterricht in interreligiöser Perspektive - die gesellschaftliche Stellung eines zukünftigen Religionsunterrichts 343
10.1.2 Ein eigenständiges Fach 'Interreligiöser Religionsunterricht' oder interreligiöses Lernen in der Fächergruppe - zu möglichen Organisationsformen interreligiösen Lernens an der Schule 344
10.1.3 Verständigung und Gemeinschaft in respektierter Verschiedenheit - das Wesen eines zukünftigen Religionsunterrichts 350
10.2 Gemeinsam verantworteter Religionsunterricht in interreligiöser Perspektive als (kirchen)politische Aufgabe - der Weg zu einem interreligiösen Religionsunterricht. 351
10.2.1 Die Anforderungen an die Politik und die Rechtsprechung 351
10.2.2 Die Anforderungen an die Religionsgemeinschaften 354
10.2.3 Die Anforderungen an die Ausbildung von Lehrkräften 356
10.3 Interreligiöser Religionsunterricht im Interesse von Pädagogik und Theologie, Gesellschaft und Kirche - eine doppelte Hoffnungsperspektive 359
10.3.1 Das Vertrauen auf die gesellschaftliche Relevanz des Religionsunterrichts - die gesellschaftliche Hoffnungsperspektive 360
10.3.2 Das Vertrauen auf die kreative Gestaltungskraft des Glaubens - die kirchliche Hoffnungsperspektive 361
Epilog: „Im Anfang ist die Beziehung" - zum Wesen eines dialogisch-interreligiösen Religionsunterrichts 364

Anhang (Materialien in Auswahl)
Material 1: Dilemmageschichte „christlich-islamische Freundschaft" 366
Material 2: Dilemmageschichte zur Frage nach der Gewaltanwendung 367
Material 3: Religionsunterricht an der Berufsschule - Fragebogen 368

Literaturverzeichnis 371

Register 405