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Pathologischer Mediengebrauch und Internetsucht
Pathologischer Mediengebrauch und Internetsucht




Kai W. Müller, Klaus Wölfling

Kohlhammer
EAN: 9783170233614 (ISBN: 3-17-023361-0)
152 Seiten, paperback, 14 x 20cm, 2017, 9 Abb., 3 Tab.

EUR 29,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Während das Internet in mancherlei Hinsicht eine Bereicherung darstellt, ist es für viele Menschen zu einer Falle geworden. Der Begriff Internetsucht beschreibt eine unkontrollierte, zeitlich ausufernde Beschäftigung mit Internetinhalten, die für den Nutzer zu einer nachhaltigen Einschränkung der Lebensführung wurde. Trotz der mit der exzessiven Nutzung verbundenen Probleme und des Bewusstseins, dass das Verhalten längst seinen Reiz verloren hat, wird es fortgeführt und erzeugt Leidensdruck. Wie macht das Internet süchtig? Muss ein Betroffener nach erfolgter Therapie auf alle digitalen Vorteile verzichten? Sind alle Nutzergruppen gleichermaßen gefährdet? Diese und weitere Fragen werden in diesem Buch geklärt.

Dr. Kai W. Müller ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dr. Klaus Wölfling ist psychologischer Leiter der Ambulanz für Spielsucht der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.
Rezension
Süchte stellen auch bei Schülern nicht selten gravierende Probleme dar. Die Kohlhammer-Reihe "Sucht: Risiken - Formen - Interventionen" ist insofern auch für den schulischen Kontext von Interesse. Das dürfte in besonderer Weise für den hier anzuzeigenden, jüngst erschienenen Band zur Internetsucht gelten; denn nicht wenige Schüler leiden an pathologischem Mediengebrauch: Smartphones, Tablets und Laptops sind zu unseren ständigen Begleitern geworden, wir verbringen unsere Freizeit in Sozialen Netzwerken wie Instagram oder Facebook, mit dem Verschicken von Bildern oder Textnachrichten und mit Videogames. Nicht alle User beweisen einen kompetenten und vernünftigen Umgang damit, Onlinesucht ist zu einem bedeutsamen Aspekt (nicht-stofflicher) Sucht geworden. Wenn die exzessive Mediennutzung negative Auswirkungen hat auf das Sozialleben und Hobbys, den Beruf oder die Ausbildung und allenfalls auch die Gesundheit, dann dürfte es sich um einen pathologischen Mediengebrauch handeln.
Nicht wenige Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind kaum noch vom Computer und dem Internet weg zu bekommen, sie surfen allerorten und womöglich auch nachts im Internet, bei Kindern und Jugendlichen verschlechtern sich schulische Leistungen, andere Interessen werden vernachlässigt, sie isolieren sich von ihrer sozialen Umgebung und tauchen in Scheinwelten ein.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Sucht: Risiken - Formen - Interventionen
Reihe herausgegeben von Bilke-Hentsch, Oliver / Gouzoulis-Mayfrank, Euphrosyne / Klein, Michael
Die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte innerhalb der Suchtprävention, -diagnostik und -therapie sowie der Suchtforschung sind beachtlich. Die Reihe erfasst diese in drei konzeptionellen Strängen:
Track 1: Grundlagen und Interventionsansätze
Track 2: Substanzabhängige Störungen und Verhaltenssüchte im Einzelnen
Track 3: Gefährdete Personengruppen und Komorbiditäten
Jeder Band fokussiert auf die interdisziplinären und praxisrelevanten Aspekte, es werden aber auch die neuesten wissenschaftlichen Grundlagen des Themas umfassend und verständlich dargestellt. Die einheitlich gegliederten Bände, die sich an eine multiprofessionelle Zielgruppe richten, fügen sich Stück für Stück zu einer umfangreichen "Suchtbibliothek" zusammen.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort der Reihenherausgeber 5

1 Einleitung 11

2 Epidemiologie 25

2.1 Epidemiologie der Internetsucht in der Allgemeinbevölkerung 26
2.2 Epidemiologie der Internetsucht unter Jugendlichen 32
2.3 Internetsucht – ein zeitstabiles Gesundheitsproblem? Ergebnisse aus Längsschnittstudien 33

3 Verhaltensspezifika 38

3.1 Das Liking-Wanting Modell bei Substanzabhängigkeit 39
3.2 Das Phasenmodell und seine Übertragbarkeit auf Internetsucht 40
3.2.1 Ein genauerer Blick auf exzessives Verhalten im Jugendalter 43

4 Neurobiologie 46

4.1 Neurobiologische Prozesse bei der Abhängigkeit – Ein kurzer Abriss 47
4.2 Neurobiologische Befunde zur Internetsucht 50
4.2.1 Effekte von Computerspielen auf neurobiologischer Ebene 50
4.2.2 Neurobiologische Befunde zur Internet- und Computerspielsucht 51

5 Verhaltenswirkungen 54

5.1 Computerspielsucht 57
5.2 Online-Sexsucht 60
5.3 Suchtartige Nutzung von sozialen Netzwerkseiten 62
5.4 Online-Kaufsucht 64
5.5 Online-Glücksspielsucht 65

6 Psychosoziale Aspekte 68

6.1 Negative Auswirkungen auf das Leistungsniveau 70
6.2 Negative finanzielle Auswirkungen 73
6.3 Negative Auswirkungen auf körperlicher Ebene 75
6.4 Negative Auswirkungen auf das Sozialverhalten und die soziale Einbindung 79

7 Ätiologie 82

7.1 Allgemeine Modelle zur Internetsucht 83
7.2 Spezifische Modelle zur Ätiologie der Internetsucht 86
7.2.1 Das Integrative Prozessmodell der Internetsucht 86
7.2.2 Das Modell der generalisierten Internetsucht nach Brand 92
7.3 Zur Wertschöpfung von Störungsmodellen 95

8 Diagnostik 97

8.1 Spezifische diagnostische Schwierigkeiten im Jugendalter 98
8.2 Diagnostische Kriterien der Internet Gaming Disorder 102
8.2.1 Ein klinischer Blick auf die diagnostischen Kriterien 104
8.3 Differentialdiagnose und psychiatrische Komorbiditäten bei Internetsucht 108
8.4 Standardisierte Verfahren zur Messung von Internet- und Computerspielsucht 113
8.4.1 Fragebogenverfahren 113
8.4.2 Interviewbasierte Diagnostik 115

9 Therapieplanung und Intervention 118

9.1 Therapieplanung 118
9.2 Psychotherapeutische Interventionsstrategien 119
9.3 Pharmakologische Therapieansätze 130

10 Synopse und Ausblick 132

Literatur 135
Stichwortverzeichnis 149
Anhang: Checkliste zum Onlinesuchtverhalten (OSV-C) 151
Weitere Titel aus der Reihe Sucht: Risiken - Formen - Interventionen