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Passio Christiana Die alltagsmartyrologische Position des Ersten Petrusbriefes
Passio Christiana
Die alltagsmartyrologische Position des Ersten Petrusbriefes




Gudrun Guttenberger

Katholisches Bibelwerk
EAN: 9783460032347 (ISBN: 3-460-03234-0)
112 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2010

EUR 22,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Erste Petrusbrief entstand in einer Zeit, in der sich die soziale Situation der frühen christlichen Gemeinden veränderte: Sie wurden zunehmend als von der griechisch-römischen Mehrheitsgesellschaft und vom Judentum abgegrenzte Gruppe wahrgenommen, Christliche Identität musste in der Folge neu konzipiert und im alltäglichen Verhalten, insbesondere der griechisch-römischen Mehrheitsgesellschaft gegenüber, erprobt und innerhalb des frühen Christentums legitimiert werden.

Im Rahmen dieses, um die Wende zum 2. Jahrhundert einsetzenden Prozesses wird das inhaltliche Profil des Beitrags des Ersten Petrusbriefes herausgearbeitet und für die Diskussion fruchtbar gemacht.



Gudrun Guttenberger ist Professorin für Biblische Theologie am Studiengang Religionspädagogik der Fachhochschule Hannover mit dem Arbeitsschwerpunkt frühchristliche Ethik (Statusverzicht, Nächstenliebe) und Markusevangelium.
Rezension
An der Wende zum 2. Jhdt. wird das frühe Christentum zunehmend von seiner Umwelt stigmatisiert (vgl. Kap. 6), ausgegrenzt und z.T. lokal verfolgt (Martyriumssituation). Der 1 Petr gibt sich als Diaspora-Rundschreiben des Apostels Petrus (sicherlich aber ein Pseudonym schon wegen der Datierung) an die verstreute Minderheit der Christengemeinden in fast ganz Kleinasien (heutige Türkei); das zeugt von der großen Ausbreitung des Christentums in früher Zeit (ca. 90 n.Chr.). Christen werden von ihrer heidnischen Umwelt diskriminiert und gelegentlich angeklagt (vgl. 1 Petr 4,15f), aber noch nicht systematisch verfolgt. Petrus ist „Zeuge des Leidens Christi“ (1 Petr 5,1), - freilich zur Zeit Neros, d.h. um ca. 65 n.Chr. - , und deshalb wird auf das Pseudonym Petrus zurückgegriffen in ähnlicher späterer Verfolgungssituation. 1 Petr betont die Fremdlingsschaft der Christen in der Welt und hebt deutlich den Gedanken des Leidens um Christi willen hervor.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7

1. Einleitung 8

1.1. Der Erste Petrusbrief in seinem sozialen Kontext 8
1.2. Das Vorhaben 8

2. Disposition und Gattung 10

2.1. Disposition 10
2.2. Gattung 14

3. Die implizite Adressatensituation 17

3.1. Diskriminierung 17
3.2. Martyriumserwartung? 19
3.3. Politisch und sozial begründete Diskriminierung? 23

4. Die Identitätskonstruktion 27

4.1. Individuelle Identität: Zeugung und Geburt durch Gott 27
4.2. Kollektive Identität: Heiligkeit 31

5. Paränese: Die Lebensführung der auserwählten Fremden 34

5.1. Die Beschwichtigungsstrategie 34
5.1.1. Das Verhältnis zum „Staat" (l Petr 2, 13-16) 34
5.1.2. Zum Verhältnis christlicher Ehefrauen zu ihren nichtchristlichen Ehemännern (l Petr 3,1-6) 38
5.2. Neuinterpretation: Leiden als Gnade 43
5.2.1. Sklavenparänese: Unausweichliches Leiden44
5.2.2. Leiden als Christ 47
5.3. Beschwichtigung oder alltägliches Martyrium? 48
5.3.1. Das Scheitern der Beschwichtigungsstrategie als Voraussetzung für die martyrologische Interpretation 49
5.3.2. Unausweichliches Leiden als der Normalfall christlichen Lebens 50
5.4. Fazit 52

6. Die Strategie des Ersten Petrusbriefs in sozialwissenschaftlicher Perspektive 53

6.1. Zur Forschungsgeschichte 53
6.2. Zur Stigmatisierungstheorie Goffmans 55
6.2.1. Erving Goffman 55
6.2.2. Der Erste Petrusbrief erschlossen durch die Stigmatisierungstheorie Goffmans 57
6.3. Umgang mit Stigmatisierung im Ersten Petrusbrief: der dritte Weg 59

7. Zur Kommunikationssituation des Ersten Petrusbriefs 63

7.1. Historizität versus Fiktion63
7.2. Zur Datierung des Ersten Petrusbriefs 65
7.3. Die Ortsangaben 69
7.3.1. Zum Abfassungsort 69
7.3.2. Zu den Adressatenangaben 72
7.4. Zur Verfasserangabe 77
7.4.1. Der Erste Petrusbrief als Produkt einer Petrusschule 78
7.4.2. Offene Pseudepigraphie87
7.5. Fazit 90
7.5.1. Zum Verfassernamen 90
7.5.2. Zu den Ortsangaben 91
7.5.3. Zur Entstehungssituation 92

Literaturverzeichnis 94
Autorenregister 102