lehrerbibliothek.de
Neid Zwischen Sehnsucht und Zerstörung
Neid
Zwischen Sehnsucht und Zerstörung




Ingo Focke, Eckehard Pioch, Sylvia Schulze (Hrsg.)

Klett-Cotta
EAN: 9783608961683 (ISBN: 3-608-96168-2)
284 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 16 x 23cm, 2017

EUR 40,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Begehren, bewundern, beneiden

Neid lebt vom Vergleich – und meldet sich schon früh in der menschlichen Entwicklung, in der Beziehung zwischen Mutter und Kind, zwischen Geschwistern, im Verhältnis der Geschlechter, in der Beziehung zwischen den Generationen und später im Vergleich von Besitz, Eigenschaften und Anerkennung. Dieses Buch verdeutlicht, warum Neid zu einer Hauptquelle menschlicher Destruktivität werden kann.

Verpönt, schamhaft verborgen oder gleich ganz verleugnet entfaltet Neid seine zerstörerische Kraft. Angesichts eines eigenen Mangelgefühls scheint den Menschen umso erstrebenswerter, was sie bei Anderen sehen.

Dieser Band zeigt die heimlichen Wirkungen des Neides: Wie er den therapeutischen Erfolg, gemeinsame Produktivität und die Fähigkeit zur Dankbarkeit angreift.

Die Beiträge beschäftigen sich mit:

- der Erforschung des Neids

- seiner Entwicklungsgeschichte

- seinem verborgenen Wirken

- schwierigen Behandlungssituationen, die zu Stillstand, Sackgassen und Abbrüchen führen können, und

- dem Neid in Organisationen, in der Ausbildung und in der Geschwisterbeziehung von DPG (Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft) und DPV (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung).

Die Beiträge zeigen auf, wie sich das Spannungsfeld der Neidprozesse in psychoanalytischen Behandlungen zeigt und wie damit umgegangen werden kann. Der Band belegt, welch wichtigen Beitrag die Psychoanalyse zum Verständnis gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen leisten kann, in denen oft genug Neid, Idealisierung und Destruktivität ausgemacht werden.

Ingo Focke, Dr. med., ist Nervenarzt und Lehranalytiker (DPG, IPV, DGPT) in eigener Praxis in Stuttgart, Vorsitzender der DPG von 2011 bis 2017.

Eckehard Pioch ist niedergelassener Psychoanalytiker und Lehranalytiker (DPG, IPV, DGPT), Vorsitzender des Psychoanalytischen Instituts Berlin.

Sylvia Schulze ist niedergelassene Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin (DPG/IPV) am Psychoanalytischen Institut Berlin.
Rezension
Dieses Buch behandelt Neid in psychoanalytischer Perspektive. Neid lebt vom Vergleich und setzt eine Unterscheidungsfähigkeit voraus. Neid entfaltet oft eine ungeheure zerstörerische Kraft und kann zu einer Hauptquelle menschlicher Destruktivität werden. In allen zwischenmenschlichen Beziehungen spielt Neid eine nicht zu unterschätzende Rolle. Umso erstaunlicher ist es, dass im deutschsprachigen Raum bislang kein Fachbuch zur Klinik des Neides vorliegt. Dieser Band belegt, welch wichtigen Beitrag die Psychoanalyse zum Verständnis gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen leisten kann, in denen oft genug Neid, Idealisierung und Destruktivität ausgemacht werden. Das vorliegende Buch versucht, sich diesem schwer erträglichen Affekt, seiner Entwicklung, seinen destruktiven Auswirkungen und den Versuchen, Neid zu überwinden, in drei Teilen und einer Einführung durch die Herausgeber anzunähern (vgl. Inhaltsverzeichnis). Der erste Teil beinhaltet unterschiedliche theoretische psychoanalytische Perspektiven des Neides; der zweite, klinisch orientierte Teil widmet sich dem Neid in schwierigen Behandlungssituationen, die die therapeutische Arbeit gefährden oder zerstören können. Im dritten Teil werden die Auswirkungen des Neides in Instituten und Organisationen untersucht.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Dieses Buch richtet sich an:
- PsychoanalytikerInnen
- PsychotherapeutInnen
Inhaltsverzeichnis
Ingo Focke, Eckehard Pioch, Sylvia Schulze
Vorwort 9

Ingo Focke, Eckehard Pioch, Sylvia Schulze
Neid. Zwischen Sehnsucht und Zerstörung 11

1 NEID – PSYCHOANALYTISCHE PERSPEKTIVEN 35

Eckehard Pioch
Einleitung 37

Wolfgang Hegener
Begehren, bewundern, beneiden – und lieben.
Eine theoretische Skizze 43

Gertrud Hardtmann
Neid – destruktiv oder konstruktiv?
Nachdenken über ein genuin menschliches Thema 62

Hildegard Wollenweber
Neid auf horizontaler Ebene – unter Geschwistern,
in Gruppen, in Mythen, Magie, Wahn und in therapeutischen Beziehungen 72

2 BEGEHREN UND NEID IM KLINISCHEN PROZESS 91

Sylvia Schulze
Einleitung 93

Irma Brenman Pick
Taumeln zwischen Sehnsucht und Zerstörung 99

Sigrid Dümmlein
(Gift-)Gelb ist die Farbe des Neides 114

Stefanie Sedlacek
Vom imperativen Drang unerfüllter Sehn-Süchte 141

Günter Holler
Zwischen Sehnsucht und Zerstörung
– perverse Elemente in der Übertragung 157

Gabriele Kehr und Werner Köpp
»Begehren und Beneiden« in der übertragungsfokussierten
Psychotherapie bei Patienten mit schweren Persönlichkeitsstörungen 174

Stefanie Rosenfeld
Die innere Welt der werdenden Großmutter im Spannungsfeld
von Begehren, Neid und Bewunderung 197

3 NEID IN PSYCHOANALYTISCHEN INSTITUTEN UND ORGANISATIONEN 209

Ingo Focke
Einleitung 211

H. Shmuel Erlich
Begehren, Neid und Dankbarkeit in psychoanalytischen Einrichtungen 218

Piroschka Stolz-Mantey und Jan Lindmeyer
Gedanken zu Neid und Mitgefühl unter Psychoanalytikern 231

Regine Lockot
»Welche Transfusion könnte einem so entbluteten Organismus aufhelfen?« 243


Autorinnen und Autoren 281