lehrerbibliothek.de
Monotheismus unter Gewaltverdacht Zum Gespräch mit Jan Assmann
Monotheismus unter Gewaltverdacht
Zum Gespräch mit Jan Assmann




Jan-Heiner Tück (Hrsg.)

Herder Verlag
EAN: 9783451327827 (ISBN: 3-451-32782-1)
272 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, 2015

EUR 19,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Führt der biblische Gottesglaube zu Intoleranz und Gewalt?

Unter den Stimmen, die das Unbehagen am Gewaltpotential des Monotheismus öffentlich artikuliert haben, verdient das Werk Jan Assmanns besondere Aufmerksamkeit. Er hat die These vertreten, dass der biblische Monotheismus eine neue Form von Hass in die Welt gebracht habe — einen Hass, der durch religiöse Wahrheitsansprüche freigesetzt werde. Die „Mosaische Unterscheidung", die im Namen des wahren Gottes alle anderen Götter als falsch ablehnt, begründe das Gewaltpotential des biblischen Monotheismus, das es heute zu entschärfen gelte.

Der vorliegende Band dokumentiert ein interdisziplinäres Streitgespräch, das an der Universität Wien Exegeten, Historiker, Philosophen und Theologen zusammengeführt hat. Jan Assmann selbst hat an dem Symposium teilgenommen und antwortet seinen Kritikern. Das Buch kommt so zugleich einer Empfehlung von Papst Franziskus nach, der die akademische Theologie dazu aufgefordert hat, sich mit dem Werk Jan Assmanns konstruktiv kritisch auseinanderzusetzen.

Der Herausgeber: Jan-Heiner Tück, Dr. theol., Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien.

Mit Beiträgen von Arnold Angenendt, Jan Assmann, Britta Mühl, Hans Schelkshorn, Ludger Schwienhorst-Schönberger.
Rezension
Sind die Religionen in ihrem Kern mit der Gewalt verschwistert? Oder sind die Religionen die wahren Friedensstifter? Besonders die monotheistischen Religionen mit dem ihnen eigenen Absolutheitsanspruch und ihrer Intoleranz sind in den Verdacht geraten, gewalttätig zu sein. Der bekannte Ägyptologe Jan Assmann (geb. 1938) hat auf den Zusammenhang von Monotheismus und Gewalt aufmerksam gemacht und danach gefragt, inwieweit die monotheistischen Religionen mit ihren Unterscheidungen zwischen wahr und falsch, sei es durch Selbstabgrenzung wie das Judentum oder durch die Bestimmung eines 'ungläubigen' Außen wie in Christentum und Islam, Gewalt generieren und Intoleranz in die Welt bringen. Besonders die monotheistischen Religionen mit dem ihnen eigenen Absolutheitsanspruch und ihrer Intoleranz sind also in den Verdacht geraten, gewalttätig zu sein. Hier zeigt sich eine neue Form von Religionskritik. In "Moses der Ägypter" hatte Assmann entsprechende Fährten gelegt und einen friedfertigen, toleranten Polytheismus dem Monotheismus entgegen gesetzt, vertieft ausgeführt hat er die These in "Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus". Die Wende von 'polytheistischen' zu den 'monotheistischen' Religionen vor ca. 3000 Jahren, von kulturspezifischen Religionen zu Weltreligionen, hat nicht nur einen theologischen Sinn als Wandlung der Gottesvorstellung. Im Sinne einer Wandlung von kulturspezifischen zu Weltreligionen hat sie auch einen politischen Aspekt. Jan Assmann nennt diese universelle Wende 'Mosaische Unterscheidung'. Nicht die Ablösung der vielen Götter durch den Einen Gott ist demzufolge das Entscheidende, sondern die Unterscheidung zwischen wahr und falsch in der Religion, zwischen dem wahren Gott und den falschen Göttern, der wahren Lehre und den Irrlehren, zwischen Wissen und Unwissenheit, Glaube und Unglaube. Dieser Band diskutiert die Monotheismus-Gewalt-Debatte. Der vorliegende Band dokumentiert ein interdisziplinäres Streitgespräch, das an der Universität Wien Exegeten, Historiker, Philosophen und Theologen zusammengeführt hat. Jan Assmann selbst hat an dem Symposium teilgenommen und antwortet seinen Kritikern.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Führt der biblische Gottesglaube zu Intoleranz und Gewalt?
Unter den Stimmen, die das Unbehagen am Gewaltpotential des Monotheismus öffentlich artikuliert haben, verdient das Werk Jan Assmanns besondere Aufmerksamkeit. Er hat die These vertreten, dass der biblische Monotheismus eine neue Form von Hass in die Welt gebracht habe - einen Hass, der durch religiöse Wahrheitsansprüche freigesetzt werde. Der vorliegende Band dokumentiert ein interdisziplinäres Streitgespräch, das Exegeten, Historiker, Philosophen und Theologen zusammengeführt hat. Jan Assmann selbst hat an dem Symposium teilgenommen und antwortet seinen Kritikern. Das Buch kommt so zugleich einer Empfehlung von Papst Franziskus nach, der die akademische Theologie dazu aufgefordert hat, sich mit dem Werk Jan Assmanns konstruktiv kritisch auseinanderzusetzen.Mit Beiträgen von Arnold Angenendt, Jan Assmann, Britta Mühl, Hans Schelkshorn, Ludger Schwienhorst-Schönberger, Thomas Söding, Michael Theobald und Jan-Heiner Tück.
Herausgeber

Jan-Heiner Tück

Jan-Heiner Tück, geb. 1967, Dr. theol., Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität Wien, Schriftleiter der Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio; freier Mitarbeiter bei der Neuen Zürcher Zeitung.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7

Mose und der Monotheismus der Treue
Eine Neufassung der „Mosaischen Unterscheidung" 16
Jan Assmann

Keine Wahrheit ohne Gewalt?
Ein Gespräch mit Jan Assmann 34
Ludger Schwienhorst-Schönberger

„Über die Götter sollst du nicht schlecht reden!"
Ex 22,27 (= 28Lxx) im Frühjudentum, im Neuen Testament und in der alten Kirche 55
Michael Theobald

Diesseits und jenseits der Gewalt
Der paulinische Monotheismus in der Kritik 89
Thomas Söding

Die achsenzeitliche Wende und die christliche Ketzerbekämpfung
Oder die Unterscheidung von Person und Lehre 124
Arnold Angenendt

Religio triplex 148
Eine Auseinandersetzung mit Jan Assmann über den „Ort" der Religion in der globalen Moderne
Hans Schelkshorn

Der kirchliche Heilsexklusivismus als Phänomen der „Mosaischen Unterscheidung"? 178
Eine kritische Selbstvergewisserung
Britta Mühl

Verborgene Menschheitsreligion? 212
Jan Assmann oder der Preis des Kosmotheismus
Jan-Heiner Tück

Ambivalenzen und Konflikte des monotheistischen Offenbarungsglaubens 246
Jan Assmann

Autorenverzeichnis 269