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Monotheismen zwischen Gewalt und Frieden  Eine Auseinandersetzung mit aktuellen religionskritischen Thesen  Zugl.: Münster (Westf.), Univ., Diss., 2012
Monotheismen zwischen Gewalt und Frieden
Eine Auseinandersetzung mit aktuellen religionskritischen Thesen


Zugl.: Münster (Westf.), Univ., Diss., 2012

Miled Abboud

LIT
EAN: 9783643122414 (ISBN: 3-643-12241-1)
352 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2013

EUR 34,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Erzeugt der Monotheismus Gewalt? Gewalt hat zwei Quellen: Personen und soziale Verhältnisse. Gewalt ist die äußere Manifestation einer Unordnung im Inneren des Menschen. Die Begehrlichkeiten der Menschen führen zu Rivalität und Konflikten. Der Monotheismus bietet einen Ausweg aus der Gewalt: Gewaltlosigkeit, Verzicht und Hingabe. Gott ist Logos und Liebe und jeder Bezug auf diesen Gott schließt alles aus, was der Liebe und der Vernunft widerspricht. Kraft der Vernunft und Liebe werden die Monotheismen von ihren Pathologien befreit. Die Logik der Liebe ist eine Logik der Versöhnung und der Überfülle, die im Alltag, im politischen sozialen Leben zu entziffern ist.

Miled Abboud, Dr. theol., geb. 1970, studierte kath. Theologie an der Päpstlichen Universität im Libanon.
Rezension
Sind Monotheismen eine Quelle von Gewalt? Insbesondere die Thesen des Heidelberger Ägyptologen Jan Assmann haben diese Annahme zu belegen versucht und haben u.a. zu einer neuen Religionskritik gegen den Monotheismus geführt. Der bekannte Ägyptologe fragt danach, wieweit die monotheistischen Religionen mit ihren Unterscheidungen zwischen wahr und falsch, sei es durch Selbstabgrenzung wie das Judentum oder durch die Bestimmung eines 'ungläubigen' Außen wie in Christentum und Islam, Gewalt generieren und Intoleranz in die Welt bringen. Besonders die monotheistischen Religionen mit dem ihnen eigenen Absolutheitsanspruch und ihrer Intoleranz sind in den Verdacht geraten, gewalttätig zu sein. Hier formt sich eine neue Form von Religionskritik. In "Moses der Ägypter" hatte Assmann entsprechende Fährten gelegt und einen friedfertigen, toleranten Polytheismus dem Monotheismus entgegen gesetzt. Demgegenüber hat der französische Religionsphilosoph René Girard ("Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz") insbesondere dem christlichen Monotheismus die Fähigkeit zugesprochen, die Gewalt zu überwinden. - Die hier anzuzeigende Münsteraner Dissertation setzt sich mit dieser Problematik auseinander und gelangt zum Widerspruch gegen Assmann u.a.: Der Monotheismus bietet nach Meinung des Verfassers einen Ausweg aus der Gewalt: Gewaltlosigkeit, Verzicht und Hingabe.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
zur Reihe:
Pontes
Herausgegeben von Prof. Dr. Dr. Klaus Müller

"Pontes: Philosophisch-theologische Brückenschläge" ist als Forum speziell für junge Autorinnen und Autoren gedacht, die es gegen den theologischen wie philosophischen mainstream der Mühe für wert halten, über theologische Gedanken philosophisch Rechenschaft abzulegen oder umgekehrt der Philosophie durch theologische Überlegungen zu denken zu geben. Aufgenommen werden Dissertationen sowie Staats-, Diplom- und Lizentiatsarbeiten, die viel zu gut sind, um in Schubläden zu verschwinden. Gelegentliche Sonderbände komplettieren das Programm.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 1

Einleitende Anmerkungen 3

Propaganda und Gewalt 7

Macht und Gewalt 11

I. Erzeugt der Monotheismus Gewalt? 15

1.1 Wiederkehr des Atheismus und Kritik der Religion 15
1.2 Konfusion und ,Counter-History' 24
1.3 Ausgrenzung und politische Theologie 29
1.3.1 Der Monotheismus als „Gegenreligion" (Ausgrenzung) 32
1.3.2 Monotheismus und politische Theologie 41
1.3.3 Assmanns Revision 45
1.4 Ägyptomanie 49
1.4.1 Der Gewinn des Monotheismus: Freiheit und Universalismus 49
1.4.2 Der ethische Monotheismus 55
1.4.3 Die Frage nach der Wahrheit 68
1.4.4 Wahrheit, Toleranz und Dialog 72
1.5 Von Rache und Eifer Gottes bis zur Nicht-Existenz der Religion 79
1.5.1 Gottes Rache 79
1.5.2 Suprematisierung und Gottes Eifer 84
1.5.3 Es gibt keine Religion 92
1.6 Naturalisierung der Religion 95
1.6.1 Fluchpsalmen und Gottes Gerechtigkeit 95
1.6.2 Gottesbilder, menschliche Sprache und die Mehrwertigkeit der Heiligen Texte 108
1.6.3 Selbstständigkeit, Kenosis und die Allmacht der Liebe Gottes 117
1.6.4 Das Verschwinden der Religion und die Vergötzung des Menschen: Stehen vor dem Nichts 128

II. Die mimetische Theorie oder woher die Gewalt kommt 143

2.1 Mimesis und Gewalt 143
2.1.1 Natur und Schemades Begehrens 144
2.1.2 Verlust der Differenzen und Gewalt 150
2.1.3 Archaische Religionen und Gewalt 154
2.1.4 Gewalt und Verfolgungstexte 160
2.2 Die ersten Schritte zu dem entzifferten Sündenbock-Mechanismus 165
2.2.1 Ödipus, Joseph und Abraham 167
2.2.2 Ijob, ein verfolgter Mensch 176
2.2.3 Islam und der Sündenbock-Mechanismus 181
2.3 Die totale Enthüllung des Sündenbock-Mechanismus 186
2.3.1 Jesus als Sündenbock 187
2.3.2 Sieg des Kreuzes über den Sündenbock-Mechanismus 191
2.4 Die Gewalt überwinden 195
2.4.1 Gewaltlosigkeit, Verzicht und Hingabe 195
2.4.2 Die gewaltfreie Nachahmung 200
2.5 Sacrificium und Victima 204

III. Logos und Liebe 211

3.1 Menschenrechte und Dialog der Kulturen und der Religionen: Dem Logos und der Wahrheit zuhören 212
3.2 Hört der Islam dem Logos zu? Lehnt der Islam die Demokratie ab? Mekka versus Athen? Ein echter arabischer Frühling? 233
3.3 Hört das Christentum dem Logos zu? Das Christentum: Symbiose von Vernunft und Glaube oder die wahre Philosophie und Religion 254
3.4 Aufklärungsfeindlich oder aufklärungsskeptisch bzw. aufklärungskritisch? 271
3.5 Was versteht man unter „Gott ist Logos"? 288
3.6 Logos als Liebe oder die Nachahmung der Liebe 295
3.7 Hoffnung und der fähig-fehlbare Mensch 308
3.8 Versöhnung (Vergebung) als Tat der Liebe und soziale Wirkung 317

Nachwort 325
Bibliographie 329