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Kleines Lexikon historischer Personen der römischen Antike
Kleines Lexikon historischer Personen der römischen Antike




Kai Brodersen, Bernhard Zimmermann (Hrsg.)

Verlag J. B. Metzler
EAN: 9783476027085 (ISBN: 3-476-02708-2)
160 Seiten, hardcover, 13 x 20cm, März, 2016

EUR 16,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Caesar und Augustus, Pompeius und Agrippa, Hannibal und Arminius - die wichtigen historischen Personen der Geschichte Roms, die legendären Könige und die großen Familien, die Senatoren und Feldherrn, Konsuln und Kaiser, auch die Kirchenführer der Spätantike und nicht zuletzt die großen römischen Historiker werden in diesem kleinen Lexikon in knappen und zuverlässigen Artikeln beschrieben, dazu die wichtigsten Persönlichkeiten der Karthager, der Goten, Kelten und Germanen.
Rezension
In der neuen Reihe "Metzler Basisbibliothek Antike" findet sich mit diesem "Kleinen Lexikon historischer Personen der römischen Antike" ein Pendant zum "Kleinen Lexikon historischer Personen der griechischen Antike". Wie die Leseprobe (vgl. Inhaltsverzeichnis) verdeutlicht, sind die Artikel ausgesprochen kompakt, komprimiert und gehaltvoll verfasst als schnelles Nachschlagewerk für Nichtfachleute ohne Anspruch auf Vollständigkeit der Information; es wird keine Kenntnis der antiken Sprachen vorausgesetzt. Entsprechend fehlen angesichts des kleinen Formats auch weiterführende Literaturhinweise. Dabei nutzt das Lexikon den Artikelbestand des "Metzler Lexikons Antike", hg. von K. Brodersen und B. Zimmermann, 2. Aufl. 2006. Für das schnelle Nachschlagen im gymnasialen Unterricht oder in einschlägigen Studiengänge an der Universität bietet sich das kompakte Lexikon an.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
Nicole Albrecht – Ulrike Auhagen – Andrea Bagordo – Thomas nBaier – Kai Brodersen – Stelios Chronopoulos – Giacomo Gazzaniga – Korbinian Golla – Beate Greif – Markus Greif – Sarah Henze – Titus Maria Horstschäfer – Doris Meyer – Claudia Michel – Christian Orth – Dimitrios Papadis – Norbert Prack – Michael Reichel – Carlo Scardino – Andrea Schludi – Giadda Sorrentino – Antonis Tsakmakis – Sabine Walentowski – Hartmut Westermann – Bernhard Zimmermann – Sylvia Zimmermann – Reto Zingg
Inhaltsverzeichnis
A - Z
Leseprobe:

Acilius, röm. Gentilname; das plebeische Geschlecht der Acilii ist
seit dem 3. Jh. v. Chr. nachweisbar. Die bekanntesten Vertreter waren:
Acilius (1), Marcus A. Glabrio, röm. Staatsmann und Feldherr, Anhänger
des Scipio Africanus; 201 v. Chr. Volkstribun, 197 Ädil, 196
Prätor. Als Konsul (191) besiegte A. den Seleukidenkönig Antiochos
III. bei den Thermopylen und kämpfte gegen die Ätoler.

Acilius (2), Marcus A. Glabrio, röm. Staatsmann und Feldherr, 70
v. Chr. Prätor im Repetundenprozess gegen Verres, 67 v. Chr. Konsul
mit C. Calpurnius Piso. 66 war A. Prokonsul in Bithynien und
Pontus, wo er den Oberbefehl gegen Mithradates übernehmen
sollte; da er erfolglos blieb, wurde A. von Pompeius abgelöst. 63
stimmte er gegen die Catilinarier.

Aelius, Quintus Ae. Tubero, röm. Historiker, Rhetor und Jurist des
1. Jh. v. Chr. Ae. trat nach einem Misserfolg gegen Cicero nicht
mehr als Redner auf, machte sich aber als Jurist einen Namen; er
ist Verf. von fragmentarisch erhaltenen Historiae, die in mindestens
14 Büchern die Geschichte Roms von den Anfängen bis wenigstens
zu den Pun. Kriegen schilderten.

Aemilianus, Marcus Aemilius Ae., 207–253 n. Chr., röm. Kaiser Juli/
August – September/Oktober 253 n. Chr. Als Statthalter der Provinz
Moesia Superior im Juli/August 253 von den Soldaten zum
Kaiser ausgerufen und nach dem Tode des Trebonianus Gallus
vom Senat anerkannt, wurde Ae. nach nur 88tägiger Herrschaft
bei Spoletium (heute Spoleto) von den Soldaten ermordet.
Aemilius, röm. Gentilname. Die Aemilii waren ein sehr altes patriz.
Geschlecht – bereits im 5. Jh. v. Chr. war ein Ae. Konsul – und bis
in die frühe Kaiserzeit eines der angesehensten Geschlechter in
Rom; im 1. Jh. n. Chr. starben die führenden Familien der Aemilii
aus. Die bekanntesten Vertreter waren:
Aemilius (1), Lucius Ae. Paullus, röm. Staatsmann und Feldherr, ca.
228–160 v. Chr., Vater des Publius Cornelius Scipio Africanus Minor.
Ae. erhielt 168 den Oberbefehl im 3. Makedon. Krieg (171–168)
und besiegte 168 den König Perseus bei Pydna. In Delphi wurde
ein von Perseus gestifteter Pfeiler in ein Reiterdenkmal des Ae.
umgewandelt. In Rom feierte Ae. einen dreitägigen Triumph und
brachte reiche Kriegsbeute und zahlreiche Kunstschätze in die
Stadt. 160 starb er nach schwerer Krankheit.
Aemilius (2), Marcus Ae. Scaurus, röm. Staatsmann und Feldherr,
ca. 163/62–89/88 v. Chr.; ca. 122 Ädil, 119 Prätor. Als Konsul (115) triumphierte
Ae. über die Ligurer und Gantisker. 112 ging er nach
Afri ca, ließ sich von Jugurtha bestechen, konnte sich einer Bestrafung
jedoch entziehen. Als Zensor (109) baute er die Via Aemilia
aus (ab Genua). A. war einer der einflussreichsten röm. Politiker
seiner Zeit.
Aemilius (3), Marcus Ae. ↗Lepidus
Aemilius (4), Marcus Ae. ↗Aemilianus

Afranius, röm. Gentilname. Angehörige des plebeischen Geschlechts
der Afranii gelangten bereits im 2. Jh. v. Chr. in den Senat.
Die bekanntesten Vertreter waren:
Afranius (1), Lucius A., röm. Staatsmann und Feldherr im 1. Jh. v. Chr.,
Anhänger des Pompeius. Als dessen Legat kämpfte A. gegen Sertorius
und Mithradates; 60 v. Chr. wurde er mit Unterstützung
des Pompeius Konsul. Seit 55 verwaltete A. in dessen Auftrag Spanien.
Nach der Schlacht von Ilerda (49) musste er sich Caesar ergeben.
48 kämpfte A. bei Pharsalos. In der Schlacht von Thapsos
(46) wurde er gefangengenommen und getötet.
Afranius (2), Sextus A. Burrus, Prokurator der Livia, des Tiberius
und Claudius. A. wurde 51 n. Chr. mit Hilfe der Agrippina (maior)
Prätorianerpräfekt und gehörte nach dem Tode des Claudius (54)
zu den engsten Beratern Neros.

Agricola, Gnaeus Iulius A., röm. Staatsmann und Feldherr, ca. 40–
93 n. Chr. Ursprünglich ritterl. Herkunft wurde A. 73 in den Patriziat
adlegiert; 77–84 war er Statthalter von Britannien. Bekannt ist
Agrippina (2) 7
A. bes. durch die Biographie des Tacitus, der 77 die Tochter des A.
geheiratet hatte. In dem 98 entstandenen Werk lobt Tacitus die
vorbildl. Amtsführung und den untadeligen Charakter seines
Schwiegervaters.

Agrippa, Marcus Vipsanius A., röm. Staatsmann und Feldherr,
64/63–12 v. Chr., Schwiegersohn des Augustus. Bereits in der Rhetorenschule
lernte A. den späteren Kaiser Augustus kennen und
begleitete ihn nach der Ermordung Caesars 44 nach Rom; 40
schützte er als praetor urbanus die Stadt vor Einfällen des Mark
Anton und Pompeius. 39/38 war A. Prokonsul der Provinz Gallia
Transalpina, 37 Konsul; 36 errang er bei Naulochos einen Seesieg
über Pompeius und wurde mit der corona rostrata ausgezeichnet;
32/31 befehligte er die Flotte des Octavian in der Schlacht von Actium
und nahm 29 an dessen Triumph teil; 28 war A. zum zweiten
Mal, 27 zum dritten Mal Konsul; 25 wurde der Tempel des Agrippa,
das Pantheon, eingeweiht; 23 erhielt A. das imperium proconsulare
auf fünf Jahre; 21 musste er sich auf Anordnung des Augustus
von seiner Gattin Marcella scheiden lassen und Julia, die Tochter
des Augustus heiraten. 20–18 hielt sich A. in Gallien und Spanien
auf und beendete die Kriege mit den Kantabrern; 18 erhielt A. das
imperium proconsulare für weitere fünf Jahre sowie die tribunicia potestas
für die gleiche Zeit. Nach Abhaltung der Saecularfeiern des
Jahres 17 begab sich A. in den Osten (17–13); 13 wurde seine Stellung
für weitere fünf Jahre verlängert; Anfang 12 trat A. eine Reise
nach Illyrien an, erkrankte und starb im März desselben Jahres in
Campanien.

Agrippina (1), Vipsania A. (A. maior), 14 v. Chr. – 33 n. Chr.; Tochter
des M. Vipsanius Agrippa und der Julia; heiratete 5 n. Chr. den
Germanicus; 14–16 begleitete A. ihren Mann nach Germanien, 17–
19 in den Orient; nach dem Tode des Germanicus (19) brachte A.
seine Asche nach Rom. 29 ließ Kaiser Tiberius A. im Senat anklagen
und nach Pandateria verbannen, wo sie 33 durch Selbstmord
starb; 37 wurde die Urne mit ihrer Asche im Mausoleum Augusti
beigesetzt.
Agrippina (2), Iulia A. (A. minor), ca. 15/16–59 n. Chr., Tochter des
Germanicus und der Vipsania Agrippina (1), Mutter des Kaisers
Nero. 28 heiratete A. den Cn. Domitius Ahenobarbus, dem sie am
15. Dezember 37 Nero gebar. 39 wurde A. auf die Pont. Inseln verbannt,
41 von Kaiser Claudius zurückgeholt; im gleichen Jahr heiratete
sie C. Passienus Crispus, vermählte sich aber 49 mit Kaiser
Claudius; 54 vergiftete A. ihren Gatten, um ihren Sohn Nero an
die Macht zu bringen; 59 wurde A. auf Befehl Neros getötet.
Ahenobarbus ↗Domitius

Alarich I., Alaricus I., König der Westgoten 391–410 n. Chr.; geb.
ca. 370. A. kämpfte zunächst als Verbündeter des oström. Kaisers
Theodosius I. und dessen Feldherrn Stilicho gegen den Usurpator
Eugenius, erlitt aber in der Schlacht am Frigidus 394 eine schwere
Niederlage. Nachdem Stilicho nach dem Tod des Theodosius
395 die Regierung im weström. Reich übernommen hatte, führte
A. 395 und 397 ergebnislose Kämpfe gegen ihn. 397 schlossen
A. und Stilicho ein Bündnis, A. wurde Heermeister in Illyrien für
das Ostreich. 401 belagerte A. den weström. Kaiser Honorius in
Mailand, wurde aber von Stilicho abgedrängt und zog sich nach
einer Niederlage bei Verona (402) in das Gebiet der Save zurück.
405 schloss Stilicho mit A. erneut ein Bündnis und ernannte ihn
zum Heermeister von Illyrien für das Westreich. Für Honorius
besetzte A. Epirus, erhielt aber wider Erwarten keine Unterstützung.
Deshalb zog er Anfang 408 nach Noricum und verlangte die
bereits geplante Neuregelung des Bündnisses, was durch die Hinrichtung
Stilichos verhindert wurde. A. marschierte daraufhin erneut
gegen Italien und belagerte Rom, das er 410 erobern konnte.
Noch im selben Jahr wollte A. nach Nordafrika übersetzen, starb
aber vor Verwirklichung seiner Pläne bei Cosenza. – Die Eroberung
Roms durch A. wirkte prägend auf die christl. Historiographie.
Sie veranlasste u. a. Augustinus zur Abfassung seines Werkes
De civitate dei.

Alarich II., Alaricus II., König der Westgoten 484–507 n. Chr. Die
Regierungszeit A.s war geprägt von inneren Spannungen und
von der Bedrohung durch die Franken unter Chlodwig. A.s Bemühungen
um Ausgleich scheiterten. 507 zwangen Franken und
Burgunder A. zum Kampf; A. fiel in der Schlacht bei Poitiers, das
ehemals westgot. Gallien fiel an die Franken. – Von Bedeutung für
die Rechtsgeschichte ist die lex Romana Visigotorum, eine Gesetzessammlung,
die A. 506 veröffentlichte. Damit schuf er ein einheitl.
Recht für alle röm. Untertanen des Westgotenreiches.
Ambiorix, kelt. Fürst der Eburonen, eines Stammes der Belger im
Gebiet zwischen Maas und Rhein. In den Jahren 54–51 v. Chr.
führte er einen letztlich erfolglosen Aufstand gegen Caesar und
die röm. Besetzung seines Landes an.

Ambrosius, Aulus A., aus Trier, lat. Theologe, Bischof von Mailand,
333/34 bzw. 339/40–397 n. Chr. Aus christl. Hause stammend, lebte
A. nach dem Tod des Vaters in Rom, wo er als Rhetor und Jurist
ausgebildet wurde, um später die Ämterlaufbahn einzuschlagen.
Als Statthalter (consularis) von Aemilia und Liguria in Mailand erwarb
er sich 374 bei der Vermittlung zwischen Arianern und Katholiken
so hohes Ansehen, dass er, obwohl noch nicht getauft, in
das Bischofsamt gedrängt wurde. Seine Amtsführung ist durch
die Überwindung der arian. Kirchenspaltung, den Kampf gegen
das Heidentum und die Behauptung der Unabhängigkeit der Kirche
gegen die weltl. Macht gekennzeichnet. Gegen Symmachus
verhinderte er die Wiederaufstellung eines Victoria-Altars in der
Kurie. Kaiser Theodosius I. zwang er als Sühne für das von ihm
angerichtete Blutbad von Thessalonike (390) zur Kirchenbuße.
A.’ vielfältiges literar. Werk greift auf heidn. Naturwissenschaft
und Philosophie (bes. Platon und den Neuplatonismus) zurück.
Die exeget. Schriften (z. B. Hexameron [Kommentar zum Sechstagewerk],
Expositio Evangelii secundum Lucam [Kommentar zum Lukas-
Evangelium]) stehen in der Tradition alexandrin. Allegorese.
Die eth. Schrift De officiis ministrorum (Vom pflichtgemäßen Handeln
der Priester) ist eine Verchristlichung des ciceron. Dialogs De officiis.
Die dogmat. Schriften (De fide; De spiritu sancto; De sacramentis; De
mysteriis; De paenitentia) verfechten das Bekenntnis von Nizäa. Die
literarisch bedeutsamen Trauerreden knüpfen an pagane Vorbilder
an. Die Briefe haben pastoralen Charakter. A. ist der Begründer
des Hymnengesangs in der Westkirche. Das ambros. Versmaß
(sog. Metrum Ambrosianum) besteht aus akatalekt. jamb. Dimetern
in vierzeiligen Strophen. Jeder Hymnus hat acht Strophen. Das
Adventslied Veni Redemptor gentium lebt in Luthers Übersetzung
»Nun komm der Heiden Heiland« in heutigen Gesangbüchern
weiter.

Ammianus Marcellinus aus Antiochia, röm. Geschichtsschreiber,
ca. 330 – nach 395 n. Chr. Zunächst Offizier unter Kaiser Julian,
dem er in Gallien vermutlich persönlich begegnete und für den
er große Verehrung empfand, zog sich A. später nach Rom zurück
und schrieb in Fortsetzung der Historien des Tacitus 31 Bücher
Res gestae, die in chronolog. Ordnung nach Art der Annalistik die
Zeit von Nerva bis Valens (96–378 n. Chr.) behandelten. Erhalten
sind nur die Bücher 14 bis 31. Packende Berichte eigener Erlebnisse,
brillante Charakterzeichnungen und große Unparteilichkeit
zeichnen das Werk aus. Umfassende Exkurse zeugen von der Bildung
des A. Stilistisch ist Tacitus Vorbild, die griech. Muttersprache
des A. klingt bisweilen durch.