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Jenseits von Religion? Zur sozio-rhetorischen »Wende« in der Religionswissenschaft
Jenseits von Religion?
Zur sozio-rhetorischen »Wende« in der Religionswissenschaft




Steffen Führding

Transcript
EAN: 9783837631388 (ISBN: 3-8376-3138-9)
268 Seiten, paperback, 15 x 23cm, Mai, 2015

EUR 34,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Seit mehr als 40 Jahren drehen sich viele Diskussionen in der Religionswissenschaft um eine genaue Ortsbestimmung der Disziplin in Abgrenzung zu anderen religionsbezogenen Fächern. Mit einem in Anlehnung an den nordamerikanischen Religionswissenschaftler Russell T. McCutcheon »sozio-rhetorisch« genannten Ansatz stellt Steffen Führding eine aktuell kontrovers diskutierte Position in dieser internationalen Debatte vor. Er verortet den Ansatz kontrastierend in der nordamerikanischen und europäischen Disziplingeschichte, wendet ihn exemplarisch an und zeigt Perspektiven auf, wie damit theorie- und methodikbezogene Herausforderungen in der Religionswissenschaft produktiv angegangen werden können.

Steffen Führding, geb. 1981, lehrt und forscht als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Abteilung Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Religionswissenschaft sowie die Rolle »religiöser« Rhetorik bei der Identitätskonstruktion.

Homepage:

www.ithrw.uni-hannover.de
Rezension
Was sind eigentlich Gegenstand und Methodik der Religionswissenschaft - im Vergleich zu anderen religions-affinen Disziplinen wie z.B. den Theologien oder Religionssoziologie oder -psychologie? Das ist die zentrale Fragestellung dieses Buchs, das damit zugleich auch für den schulischen Religionsunterricht relevant ist; denn der hat als "konfessioneller" RU gemäß GG in Bezug zu den Theologien zu stehen (Ausnahmen: Bremen und Hamburg und LER in Brandenburg, wo die Bezugs-Wissenschaft eher die Religionswissenschaften oder Ethik sind). Seit der Entstehung der Religionswissenschaft als akademische Disziplin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird die Frage diskutiert, was Religionswissenschaft eigentlich ist, wie ihr Gegenstand zu fassen ist und welche (methodologische und methodische) Ausrichtung sie hat. In der vorliegenden Arbeit wird eine Antwortmöglichkeit vorgestellt und diskutiert, die konsequent zu Ende gedacht darauf zielt, Religion als konstitutiven Gegenstand der Religionswissenschaft aufzugeben und die Disziplin ‚Jenseits von Religion‘ weiterzuführen in Anlehnung an den nordamerikanischen Religionswissenschaftler Russell T. McCutcheon. Das entspricht einem konstruktivistischen Perspektivwechsel, durch den nicht mehr die Phänomene als solche im Fokus des Interesses stehen (vgl. die "alte" Religionsphänomenologie), sondern die Prozesse, durch die Phänomene überhaupt erst
als solche konstruiert werden.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagworte:
Religion, Religionswissenschaft, Theorie, Soziorhetorik, Religionssoziologie, Russell McCutcheon
Adressaten:
Religionswissenschaft, Kulturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften, Theologie, Soziologie
Inhaltsverzeichnis
Vorwort | 7

Anmerkungen | 9

1 Einleitung | 11

1.1 ‚Sozio-rhetorisch‘: Eine Begriffsklärung | 15
1.2 Aufbau und Vorgehen | 21

TEIL I: THEORETISCH-EXPLIKATIVE ÜBERLEGUNGEN

2 Der ‚sozio-rhetorische Ansatz‘: Vertreter, Positionen und Kritik | 29

2.1 Erdachte Religion und Kumulative Tradition: Vorläufer soziorhetorischer Kritik an Religion | 30
2.2 Aufkommende Kritik am Religionsbegriff | 31
2.3 Unterschiedliche Formen der Kritik am Konzept Religion | 37
2.4 Russell T. McCutcheon | 38
2.4.1 Die Fabrikation von ‚Religion‘ | 38
2.4.2 Religion und Religionswissenschaft im Rahmen einer Theorie der ‚Sozialen Formation‘ | 44
2.4.3 ‚Religion‘ und ‚Nichtreligion‘ | 49
2.4.4 Kritische Anmerkungen zu McCutcheon | 52
2.5 Timothy Fitzgerald | 55
2.5.1 Religionsphänomenologie und Vergleichende Religionswissenschaft:
Liberale Theologie hinter dem Schleier objektiver Wissenschaft | 58
2.5.2 ‚Religion‘, ‚Nichtreligion‘ und Kapitalismus | 60
2.5.3 ‚Cultural Studies‘ anstelle von Religionswissenschaft | 63
2.5.4 Kritische Anmerkungen | 65
2.6 Talal Asad, Daniel Dubuission und Tomoko Masuzawa | 68
2.6.1 Talal Asad | 68
2.6.2 Daniel Dubuission | 73
2.6.3 Tomoko Masuzawa | 75
2.7 Kritische Anmerkungen zum ‚sozio-rhetorischen Ansatz‘ | 79
2.7.1 Generelle Einwände | 80
2.7.2 ‚Theologie-/Ideologie-Vorwurf‘ | 87
2.7.3 ‚Postmodernismus-Vorwurf‘ | 91
2.7.4 ‚Vorwurf des Verrats am eigenen Fach‘ | 94

3 Verortung des sozio-rhetorischen Ansatzes im disziplingeschichtlichen und regionalen Kontext | 99

3.1 Periodisierung der Geschichte der Religionswissenschaft | 100
3.1.1 Generelle Entwicklungen: Vorgeschichte und Entstehung als akademische Disziplin | 103
3.1.2 Aufstieg und Vorherrschaft der Religionsphänomenologie | 109
3.1.3 Exkurs: Religionsphänomenologie | 110
3.1.4 Kritik und Abstieg der Religionsphänomenologie | 114
3.1.5 „Marburg und die Folgen“ | 116
3.1.6 Neue Perspektiven: Methodische und theoretische Pluralisierung | 120
3.2 Zwischenfazit | 124
3.3 Geschichte der Religionswissenschaft in den USA | 125
3.3.1 Weltparlament der Religionen und religiöser Liberalismus | 128
3.3.2 Religionswissenschaft in den USA ab den 1960er Jahren | 131
3.3.3 Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels und des Kalten Krieges
auf die Religionswissenschaft in den USA | 134
3.3.4 Aktuelle Entwicklungen | 137
3.4 Fazit | 141

4 Zwischenfazit | 145

TEIL II: EMPIRISCH-EXEMPLARISCHE ÜBERLEGUNGEN

5 Diskursgemeinschaft Religionswissenschaft | 153

6 ‚Religion‘ und ‚Säkularität‘ in sozio-rhetorischer Perspektive | 167

6.1 Religion, der private Raum und der moderne Staat | 167
6.2 Die Erfindung von Religion im Entstehungskontext des modernen Staates | 184
6.3 Der schmale Pfad: Überlegungen zu einer diskurstheoretischen Konzeptionalisierung von Säkularität | 198

7 Religionswissenschaftliche Perspektiven auf den europäischen Identitätsdiskurs | 215

8 Abschließende Überlegungen | 235

Literaturverzeichnis | 245