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Islam in christlicher Perspektive Den muslimischen Glauben verstehen
Islam in christlicher Perspektive
Den muslimischen Glauben verstehen




Gerhard Gäde

Schöningh Wissenschaft
EAN: 9783506767400 (ISBN: 3-506-76740-2)
300 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2009

EUR 29,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wie läßt sich der Wahrheitsanspruch des Islam aus der Perspektive christlicher Theologie verstehen, ohne den christlichen Wahrheitsanspruch zu relativieren?



Dieser Band setzt ein bei einer radikalen Problematisierung des Offenbarungsbegriffs und zeigt auf, wie allein die christliche Botschaft imstande ist, auf dieses Problem eine Antwort zu geben. Die christliche Verkündigung gesteht auch der zunächst offenbarungstheologisch problematischen Schrift Israels als Altes Testament wirkliche Offenbarungsqualität zu. Das kanonische Verhältnis der beiden biblischen Testamente dient als theologisches Paradigma, um auch den Wort-Gottes-Charakter des Korans anzuerkennen. Die christliche Botschaft erfüllt somit eine Dienstfunktion für die Entbergung der Wahrheit anderer Religionen. Das Buch setzt sich von den herkömmlichen Klassifikationsmodellen (Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus) ab, nimmt aber jeweils deren Wahrheitskern auf und entwickelt eine eigene religionstheologische Hermeneutik (Interiorismus). Es möchte zeigen, dass Christen die Wahrheit und Anwesenheit Christi auch jenseits der Grenzen der Christenheit entdecken können, und es arbeitet entscheidende theologische Voraussetzungen für einen christlich-islamischen Dialog heraus.

Der Autor:

Gerhard Gäde, geb. 1950, Prof. Dr. theol., Studium der Philosophie und Theologie in Frankfurt und Innsbruck, langjährige Tätigkeit als Pfarrer und Hochschulpfarrer im Bistum Osnabrück, lehrt seit 1998 Systematische Theologie in Rom und Palermo. Sein besonderer Schwerpunkt ist die Theologie der Religionen.
Rezension
Das Verhältnis von Christentum und Islam ist von Beginn an von Mißverständnisen, Polemik, Angst und Gewalt geprägt, - das zieht sich bis hin zur Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. im September 2006. Wie ist ein friedliches Zusammenleben dieser beiden Weltreligionen auch in Westeuropa möglich? Wie kann der von Huntington prophezeite Kampf der Kulturen vermieden werden? Das vorliegende Buch möchte einen Beitrag leisten zum theologischen Verstehen des Islam aus christlicher Sicht. Es geht darum, das Wort Gottes auch aus den heiligen Schriften anderer Religionen zu hören und die Wirklichkeit Christi auch jenseits der Christenheit zu entdecken, - so der Ansatz des Autors.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Auch der Islam beruft sich auf göttliche Offenbarung, und tatsächlich verkündet der Koran eine Wahrheit, die als Gottes Wort verstehbar ist. Erst die Akzeptanz dieser These macht einen theologischen Dialog auf Augenhöhe möglich – einen Dialog, der nicht von vornherein die eigene vermeintliche Überlegenheit als gegeben statuiert.

Wie lässt sich der Wahrheitsanspruch des Islam aus der Perspektive christlicher Theologie einschätzen und verstehen? Kann er aus christlicher Sicht anerkannt werden, ohne den christlichen Wahrheitsanspruch zu relativieren?

Der Band entwickelt eine religionstheologische Hermeneutik (Interiorismus), die dies ermöglichen will und am Beispiel des Islam demonstriert. Er setzt ein bei einer radikalen Problematisierung des Offenbarungsbegriffs und zeigt auf, wie allein die christliche Botschaft imstande ist, auf dieses Problem eine Antwort zu geben, die es möglich macht, den Begriff »Wort Gottes« vor der kritischen Vernunft zu verantworten. Daraus folgt aber keineswegs ein exklusiver christlicher Wahrheitsanspruch. Denn wie sich an der zweigeteilten christlichen Bibel zeigt, erkennt die christliche Botschaft auch der zunächst offenbarungstheologisch problematischen Schrift Israels als Altes Testament wirkliche Offenbarungsqualität zu. Dieses kanonische Verhältnis der beiden Testamente dient als theologisches Paradigma, um auch den Wort-Gottes-Charakter des Korans anzuerkennen. Die christliche Botschaft erfüllt so eine Dienstfunktion auch für die Entbergung der Wahrheit anderer Religionen. Das Buch setzt sich von den herkömmlichen Klassifikationsmodellen (Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus) ab, nimmt aber jeweils deren Wahrheitskern auf. Es möchte zeigen, dass Christen die Wahrheit und Anwesenheit Christi auch jenseits der Grenzen der Christenheit entdecken können und arbeitet entscheidende theologische Voraussetzungen für einen christlich-islamischen Dialog heraus.
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 11
EINLEITUNG 15

Erster Teil: Der Interiorismus - eine theologische Hermeneutik der Religionen

1. Kapitel:
ZUR ERKENNTNISTHEORETISCHEN UND METHODOLOGISCHEN GRUNDLEGUNG EINER INTERIORISTISCHEN THEOLOGIE DER RELIGIONEN 35

1. Worum geht es in den Religionen? 41
2. Die Problematik des Offenbarungsbegriffs - Grundproblem der Religionen 48
3. Der trinitarische Gottesbegriff als christliche Antwort auf die Problematik des Offenbarungsbegriffs 58
4. Die Aufgabe der Theologie der Religionen 61

2. Kapitel:
ECKDATEN EINER INTERIORISTISCHEN THEOLOGIE DER RELIGIONEN 65

1. Die Wahrung der Transzendenz Gottes 65
2. Die Anerkennung der religiösen Pluralität 67
3. Die christliche Perspektive 70

3. Kapitel:
DER CHRISTLICHE GLAUBE UND DIE NICHTCHRISTLICHEN RELIGIONEN - EINE INTERIORISTISCHE VERHÄLTNISBESTIMMUNG 73

1. Das Verhältnis der christlichen Botschaft zur heiligen Schrift Israels als Paradigma für die Verhältnisbestimmung auch zu anderen Religionen 73
2. Die hermeneutische Neuheit der christlichen Botschaft 88
3. Die Christologie als Hermeneutik der Religionen 93
4. Der Heilige Geist als Hermeneut des Wortes Gottes 98
5. Sind nichtchristliche Religionen Heilswege? 102

Zweiter Teil: Grundlegung einer christlich-theologischen Islamhermeneutik

1. Kapitel:
DER ISLAM IN DER LEHRE DES ZWEITEN VATIKANISCHEN KONZILS UND IM NACHKONZILIAREN LEHRAMT 115

1. Der Islam in den Konzilsdokumenten 115
2. Das nachkonziliare Lehramt 125

2. Kapitel:
WELCHE THEOLOGISCHE HERMENEUTIK DES ISLAM? 133

1. Verstehen aufgrund von inhaltlichen Konvergenzen 134
2. Formale Klassifikationen 140
3. Option für ein interioristisches Verstehen des Islam 147

3. Kapitel:
DER KORAN - GOTTES WORT? 161

1. Der Koran als Ursprungsdokument des islamischen Glaubens 161
2. Anerkennung des koranischen Anspruchs in der Gegenwartstheologie 165
3. Zu einer christlichen Koranhermeneutik 177

4. Kapitel:
CHRISTOLOGIE UND TRINITÄTSLEHRE - STREITPUNKTE
ZWISCHEN CHRISTENTUM UND ISLAM 201

1. Zur koranischen Deutung Jesu Christi 201
2. Der logozentrische Charakter von Christentum und Islam 206
3. Die Funktion des trinitarischen Gottesverständnisses für die Logozentrik und den Monotheismus 215
4. Trinitätslehre und Christologie im christlich-islamischen Dialog 228

5. Kapitel:
DER ISLAM-EIN HEILSWEG? 237

1. Der Islam- eine Heilsverheißung 237
2. Die Heilsrolle des Islam 243


SCHLUSSBETRACHTUNG 253

ANHANG
Zusammenfassende Thesen 259
Zur Diskussion dieser Religionshermeneutik 263

Literaturverzeichnis 281
Bibelstellen 296
Koranstellen 298
Namenregister 299