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"Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst?" Martin Luther in Selbstzeugnissen
"Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst?"
Martin Luther in Selbstzeugnissen




Günter Scholz

Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406698118 (ISBN: 3-406-69811-5)
240 Seiten, paperback, 13 x 20cm, 2016, mit 4 Abbildungen

EUR 11,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
"Ich habe die Welt satt, sie hat mich wiederum satt … sie meint, wenn sie mich los wäre, so wäre es gut … Es ist doch, wie ich oft gesagt hab: ich bin der reife Dreck, so ist die Welt das weite Arschloch; darum sind wir zu Recht zu trennen.“ Bücher über Luther füllen ganze Bibliotheken, aber was sagt Luther selbst über sich? Seine Tischreden, Briefe und Traktate stecken voller spontaner Selbstaussagen.

Günter Scholz hat sie erstmals systematisch ausgewertet, um Luther sein Leben selbst erzählen zu lassen. Der Reformator teilt uns mit, wie er erzogen wurde, warum er ins Kloster ging und wann er den Kampf gegen das Papsttum aufnahm. Er spricht ganz ungeschminkt über Frauen und Liebe, Musik und Essen, Türken und Juden und lässt uns teilhaben an seiner Angst vor dem Teufel und an seinen Leidenschaften. Gerade in seinen Äußerungen über sich selbst und die Welt erweist sich Luther als Meister der deutschen Sprache, der seine Meinung knapp, anschaulich, gerne drastisch und immer unvergesslich auf den Punkt bringt.

Günter Scholz, Dr. phil., Kulturhistoriker, hat das Deutsche Bauernkriegsmuseum in Böblingen aufgebaut und war lange dessen Leiter. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Reformation, Bauernkrieg und Konfessionsbildung im 16. Jahrhundert.
Rezension
Über Martin Luther wurde unendlich viel geschrieben. Theologen haben akribisch jeden noch so kleinen Stein und Balken seines Lehrgebäudes hin und her gewendet und kontrovers diskutiert. Dieses Buch rückt dagegen den Menschen Luther ins Zentrum. Mit einem neuen Zugang: Nicht andere sollen über ihn urteilen, sondern er kommt selbst zu Wort in seinen Tischreden. Einige bekannte Redensarten werden Luther zugeschrieben: Auch wenn ichwüsste, dass morgen die Welt zu Grunde geht, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen. Und an das deftige Ihr rülpset ja nicht, ihr furzet ja nicht, es hat euch wohl nicht geschmecket? So die Frau nicht will, komme die Magd ... Bücher über Luther füllen ganze Bibliotheken, aber was sagt Luther selbst über sich? Das zeigt dieses Buch auf: Die Zitate aus den Tischreden und anderen Selbstzeugnissen Martin Luthers sind im Text fett gesetzt.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Pressestimmen:

"ein kompakter und vielschichtiger Blick auf den Reformator"
Matthias Staber, Sindelfinger Zeitung, 24. September 2016

"[vermittelt] ein Bild von der rhetorischen Kraft des Reformators und von seiner riesigen Themenvielfalt, vom Alltag und Weltgeschehen der Zeit"
Johan Schloemann, Süddeutsche Zeitung, 7. September 2016
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Luther der Große 9 – Die Tischreden 11 – Ein Blick auf das Zeitalter 14

1. «Ich bin eines Bauern Sohn»
Herkunft und Eltern 23 – Schule und Studium 26

2. «Der Welt abgestorben»
Ein Gewitter macht Weltgeschichte 29 – Luther im Kloster 30 – Die Romreise 33 – Ablass und Reliquien in der Ewigen Stadt 36

3. «Durch den Glauben neu geboren»
Der Mann mit dem stechenden Blick 39 – Luthers neues
Glaubensverständnis 40 – Kampf gegen den Ablass 42 – Der
Thesenanschlag fand nicht statt 46 – Wittenberg – Rom der
Protestanten 49 – Der Beschützer: Friedrich der Weise 51 – Der
Gegner: Albrecht von Mainz 54

4. «Ein neues Feuer angezündet»
Kampf mit Wort und Bild 59 – An den christlichen Adel deutscher Nation 63 – Hoffnungsträger der jungen Generation 65

5. «Hier stehe ich»
Ein Kniefall in Augsburg 67 – Der Bruch mit Rom 69 – Worms 1521 70 – Gesandter und Werkzeug Gottes 73

6. «Ich schlaf bei einer schönen Frau»
Erste Erfahrung mit Frauen 75 – Priesterehe statt Zölibat 77 – Raus aus dem Kloster, rein in die Ehe 79 – Martin Luther heiratet 83 – Luthers Eheglück 86 – Herr Käthe 89

7. «Seid fruchtbar und mehret euch»
Ehe und Sexualität 92 – Die Frau, das minderwertige Wesen 97 – Starke Frauen der Reformation 103 – Kinder sind die Zukunft 108 – Gute Schulen braucht das Land 110

8. «Du hast ein böses Maul»
Viele Feinde … 112 – … wenige Freunde 116 – Der Erzrivale Thomas Müntzer 118 – Keine Gnade für Täufer 122

9. «Den Fuggern einen Zaum ins Maul legen»
An Gelddingen nicht interessiert 125 – Zins und Wucher 126

10. «Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern»
Die Not der Bauern 129 – Der Bauernkrieg von 1525 132 – Thomas Müntzer und die soziale Revolution 134 – Luther gegen die Bauern 135 – Spott und Strafe 139

11. «Denn sie sind uns eine schwere Last»
Bettler an die Arbeit 142 – Kein Herz für Behinderte 144 – Luther und die Juden 145 – Pogrome im Mittelalter 146 – 1523: Mitgefühl für Juden 148 – 1532: Enttäuschung und Resignation 149 – 1543: Hass und Hetze 150 – Das schreckliche Erbe des Reformators 153

12. «Zu strafen die Bösen und zu schützen die Frommen»
Abneigung gegen Juristen 157 – Luther und die Obrigkeit 158

13. «Dem Volk aufs Maul schauen»
Vom Dolmetschen 161 – Sprache und Sprachschöpfer 163 – Von der rechten Predigt 165

14. «Ein feste Burg ist unser Gott»
Musik, eine Gottesgabe 168 – Bücher und Bilder 171

15. «Nicht mehr denn Berg und Tal»
Luther mobil 173 – Reisender in Sachen Reformation 175 – Ablehnung des Fremden 178 – Ein Herz für Schwaben 179 – Pflanzen und Tiere 180 – Unbekannte Welten 181

16. «Ich lobe mir eine gute Hausspeise»
Schweinefleisch und Torgauer Bier 184 – Gegen die Völlerei 185

17. «Und wenn die Welt voll Teufel wär»
Der Mensch – böse und verdorben 188 – Die Welt wird immer schlechter 189 – Teufelswerk und Hexenwahn 191

18. «Die Welt wird zerbrechen am Jüngsten Tag»
Die Türken, Geißel Gottes 194 – Kometen als Warnung 197 – Das Weltende steht bevor 198

19. «Ich habe die Welt satt, die Welt hat mich satt»
Mensch mit Ecken und Kanten 201 – Ein kranker Mann 204 – Depression und Melancholie 207 – Frustration im Alter 209 – Mitten im Leben … 211 – Von der Bereitung zum Sterben 212 – Die letzte Reise 216 – Worte an Luthers Grab 218

20. Sprichwörter und Redewendungen
Geflügelte Worte 220 – Lebensweisheiten in Reimen 223

Nachwort
«Ich habe nicht umsonst gelebt» 224 – Mythos Luther 227

Dank 232
Zeittafel 233
Quellen 236
Literaturhinweise 238