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Gottesglaube und Religionskritik
Gottesglaube und Religionskritik




Ulrich H. J. Körtner

Evangelische Verlagsanstalt
EAN: 9783374037537 (ISBN: 3-374-03753-4)
168 Seiten, paperback, 12 x 19cm, 2014

EUR 18,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Parallel zum Wiedererstarken von Religion im öffentlichen Raum formiert sich auch ein neuer Atheismus. Beide Entwicklungen führen zu einer Renaissance der Religionskritik.

In Auseinandersetzung mit heutigen Formen des Atheismus soll das komplexe Verhältnis von christlichem Glauben und Religionskritik untersucht werden. Komplex ist dieses Verhältnis zum einen, weil der Begriff der Religionskritik eine mehrfache Bedeutung hat, zum anderen, weil der biblische Gottesglaube selbst ein religionskritisches Potential hat.

Gottesglaube und Religionskritik stehen sich also nicht einfach als zwei verschiedene Größen gegenüber – hier der Glaube, dort die Kritik –, sondern sie durchdringen sich auf unterschiedliche Weise. Darum kann auch die Auseinandersetzung mit heutigen Formen von Religionskritik oder den neuen Spielarten von Atheismus nicht nach einem einfachen Schema von Frage und Antwort geführt werden, sondern nur in einem Wechselspiel von unterschiedlichen Formen der Kritik von Religion.
Rezension
(Neue) Fundamentalismen und (angebliche) Wiederkehr der Religion auf der einen Seite, (angeblich) neuer Atheismus und Religionskritik auf der anderen Seite - das scheint der religiöse Befund der Gegenwart zu sein. Und das ist keineswegs abwegig; denn es wäre typisch für das "Anything Goes" der Postmoderne, Gegensätzliches kann pluralistisch nebeneinander bestehen. Freilich meinen die meisten Christen sich hier eindeutig (gegen den "neuen" Atheismus) positionieren zu müssen - und nehmen dafür einmal mehr absurde Fundamentalismen in Kauf ... Dieses Buch des Wiener Systematikers spielt in diesem Entweder-Oder-Denken erfreulicher Weise nicht mit: Weil der biblische Gottesglaube selbst ein religionskritisches Potential hat, stehen sich Gottesglaube und Religionskritik nicht einfach als zwei verschiedene Größen gegenüber – hier der Glaube, dort die Kritik, sondern das Verhältnis ist weitaus differenzierter.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Zum Autor:
Ulrich H. J. Körtner, Dr. theol., Dr. h.c. mult., Jahrgang 1957, ist seit 1992 Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und seit 2001 auch Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien. Körtner ist u. a. geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift für Evangelische Ethik und Mitherausgeber der Theologischen Rundschau sowie der Schriftenreihen »Arbeiten zur Systematischen Theologie« (Leipzig), »Ethik und Recht in der Medizin« (Wien) und der »Edition Ethik« (Göttingen).
In der Jahren 2010 und 2013 erhielt er die Ehrendoktorwürden der Faculté libre de Théologie Protestante de Paris und der Reformierten Theologischen Universität Debrecen.

zur Reihe:
Forum Theologische Literaturzeitung
Herausgegeben von Ingolf U. Dalferth in Verbindung mit Albrecht Beutel, Beate Ego,
Andreas Feldtkeller, Christian Grethlein, Friedhelm Hartenstein, Christoph Markschies,
Karl-Wilhelm Niebuhr, Friederike Nüssel und Martin Petzoldt

Das „Forum Theologische Literaturzeitung“ wird unter Leitung des Hauptherausgebers Ingolf U. Dalferth vom Herausgeberkollegium der ThLZ verantwortet. Die Reihe will mit ihren rund 100 Seiten umfassenden Wissenschaftsessays dazu beitragen, mit unserer Lebenswelt theologisch sachgemäß umzugehen. Auch der Fachfremde kann sich mit Hilfe der hier erscheinenden Texte auf schnellem Wege über die wichtigsten aktuellen Fragestellungen und Streitpunkte der theologischen Hauptfächer informieren. Damit unterstützt die Reihe das Hauptanliegen der „Theologischen Literaturzeitung“: die Einheit der Theologie zu wahren und die einzelnen Fachbereiche in ihrem Zusammenhang vorzustellen.
Die Reihe [ThLZ.F] kann zur Fortsetzung bestellt werden. Jährlich erscheinen ein bis zwei Bände. Der Fortsetzungsbezug ist jederzeit kündbar.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 11

1 Neuer Atheismus 17

1.1 Die Kirche der Atheisten 17
1.2 Infragestellung der Religionsfreiheit 24
1.3 Naturalistische Erklärungsmuster 27
1.4 Naturalistische Ethik und Religionskritik 33
1.5 Atheismus mit Trauerflor 37

2 Über den Fehl Gottes im Gespräch mit Martin Walser 43

2.1 Walsers unzeitgemäße Betrachtungen zur Rechtfertigung 43
2.2 Zur Barth-Lektüre Walsers 51
2.3 Barth, Nietzsche und Overbeck 57
2.4 Sprachverlust und Gotteskrise 59

3 Religiöse Religionskritik 65

3.1 Religion, Theologie und Kritik 65
3.2 Theologischer Religionsbegriff und Religionskritik 75
3.3 Revitalisierung und Repolitisierung von Religion 87
3.4 Das Wagnis, von Gott zu reden 90

4 Gott und Gehirn 95

4.1 Interdisziplinäre Zugänge zur Religionsforschung 95
4.2 Hirnforschung und Transzendenz 106
4.3 Gehirn, Geist und Gott 120

5 Gottesglaube und Toleranz 133

5.1 Reformation und Toleranz 133
5.2 Was ist Toleranz? 145
5.3 Die Toleranz Gottes 151
5.4 Toleranter Glaube 156
5.5 Weite und Grenzen der Toleranz 162

Veröffentlichungsnachweise 166