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Gesundheitsförderung Entwicklungsgeschichte einer neuen Public Health-Perspektive Mit Zeitzeugeninterviews
Gesundheitsförderung
Entwicklungsgeschichte einer neuen Public Health-Perspektive


Mit Zeitzeugeninterviews

Brigitte Ruckstuhl

Reihe: Grundlagentexte Gesundheitswissenschaften


Juventa Verlag
EAN: 9783779915706 (ISBN: 3-7799-1570-7)
240 Seiten, paperback, 15 x 23cm, 2011

EUR 27,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Ottawa-Charta wurde 1986 an der ersten internationalen Konferenz zu Gesundheitsförderung in Ottawa verabschiedet. Die Charta ist bis heute Leitbild der Gesundheitsförderung und steht für eine neue Denk- und Handlungsweise in Public Health.

Die Gesundheitsförderung hat sich in einer spezifischen historischen Situation und in einem längeren Prozess herausgebildet. Dieser Band macht Gesundheitsförderung aus ihrer geschichtlichen Entwicklung heraus verstehbar. Neben einer zeitgeschichtlichen Betrachtung der Gesundheitsförderung auf der Basis von Literatur und Quellenmaterial stehen Interviews mit Fachpersonen, die direkt oder indirekt an der Entwicklung des Konzepts beteiligt waren. Die Betrachtung beginnt mit der Sozialhygiene, die sich in der Zwischenkriegszeit des 19. Jahrhunderts mit der Fokussierung auf die sozialen Faktoren in der Entstehung von Krankheit akademisieren konnte, dann aber durch den Nationalsozialismus ein abruptes Ende fand. Die dominante Stellung der Medizin und des biomedizinischen Denkens während des Wirtschaftswachstums bis in die 1970er-Jahre ist ebenso Gegenstand des Bandes wie die Ende der 1960er-Jahre entstehende medizinkritische Bewegung. Im Zentrum steht der gesellschaftliche Wandel der 1970er-Jahre, der durch seine vielschichtige Dynamik Grundlagen für die Gesundheitsförderung legte. Zu Beginn der 1980er-Jahre begann unter Federführung der WHO Europa ein systematischer Prozess, der die verschiedenen Strömungen in der Ottawa-Charta bündelte.
Rezension
Seit den 1980er Jahren hat Gesundheitsförderung als gesundheitspolitische Strategie und Konzeption das Denken und Handeln über "Öffentliche Gesundheit" (Public Health) stark verändert. Die hier anzuzeigende Darstellung bietet eine Entstehungsgeschichte der Gesundheitsförderung, die die historischen Zusammenhänge der vergangenen 25 Jahre seit der Verabschiedung der Ottawa-Charta von 1986 umreißt. Aus dem geschichtlichen Rückblick lassen sich auch Schlussfolgerungen für künftige Aufgabenstellungen ziehen. Bedacht wird dadurch auch, wie sich Denk- und Handlungsweisen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit in der Gegenwartsgesellschaft heute zeigen oder abermals verändern. Z.Zt. scheinen Gesundheitsförderung und Prävention eher die Aufbruchstimmung der frühen Jahre verloren zu haben.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Grundlagentexte Gesundheitswissenschaften, hrsg. von P. Kolip.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 11

1. Die kurze Episode des „Sozialen“ in der öffentlichen Gesundheit 20

1.1 Die Sozialhygiene als Leitwissenschaft der öffentlichen Gesundheit 20
1.2 Die Rassenhygiene im Nationalsozialismus 23

2. Gesundheit im Korsett der Medizin 27

2.1 Die Dominanz der kurativen Medizin und des biomedizinischen Paradigmas 28
2.2 Die Vorsorge als massenpräventive Individualmedizin 32
2.3 Strukturen für die Sozial- und Präventivmedizin und die Gesundheitserziehung 35
2.4 Die „Krise der Medizin“ 37

3. Prävention statt Kuration: bevölkerungsbezogene Risikofaktorenmedizin 40

3.1 Das Risikofaktorenmodell 41
3.2 Die gemeindeorientierten Herz-Kreislauf-Interventionsprogramme 42
3.3 Die Kritik am Risikofaktorenmodell: vom biomedizinischen zum biopsychosozialen Ansatz 45
3.4 Die Gesundheitserziehung: auf der Suche nach einem eigenständigen Berufsbild 48

4. Der gesellschaftliche Wandel bringt neue Impulse 59

4.1 Die neuen sozialen Bewegungen 60
4.2 Die Gesundheitsbewegung 63
4.3 Die Selbsthilfe 67

5. Neue Forschungs- und Handlungsansätze 74

5.1 Die Gemeinde als Lebenswelt 74
5.2 Medizinsoziologische und gesundheitssoziologische Ansätze 80

6. Die Entwicklung der Konzeption Gesundheitsförderung bis zur Ottawa-Charta 86

6.1 Der Aufbruch in der WHO: „Gesundheit für alle bis zum Jahr 2000“ und Alma Ata 87
6.2 „Gesundheitserziehung und Lebensweisen“: neue Strategien der WHO Europa 91
6.3 Die konzeptionellen und begrifflichen Grundlagen für die Neuorientierung 94
6.4 Die Vorbereitung auf die erste Internationale Konferenz zu Gesundheitsförderung 103

7. Die Ottawa-Charta: „A Move Towards a New Public Health“ 108

8. Die Interviews 112

8.1 Rosmarie Erben 113
8.2 Alf Trojan 120
8.3 Bernhard Badura 128
8.4 Rolf Rosenbrock 134
8.5 Eberhard Göpel 142
8.6 Peter Franzkowiak 149
8.7 Helmut Milz 158
8.8 Werner Schmidt 165
8.9 François van der Linde 174
8.10 Bertino Somaini 180
8.11 Horst Noack 186
8.12 Ralph Grossmann 193
8.13 Jürgen Pelikan 201
8.14 Ilona Kickbusch 208

9. Ein zusammenfassender Kommentar zu den Interviews 218

10. Schlusswort 223

Literatur 229