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Gemeinwohl und Seelenheil Die Legitimität der Trennung von Religion und Politik in der Demokratie
Gemeinwohl und Seelenheil
Die Legitimität der Trennung von Religion und Politik in der Demokratie




Ahmet Cavuldak

Transcript
EAN: 9783837629651 (ISBN: 3-8376-2965-1)
632 Seiten, paperback, 15 x 23cm, Januar, 2015

EUR 49,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Das Prinzip der Trennung von Religion und Politik, das längst als Standardantwort auf die Frage nach der Legitimität der religionspolitischen Ordnung im demokratischen Verfassungsstaat gilt, wird in dieser Studie einer kritischen Überprüfung unterzogen.

Ahmet Cavuldak rekonstruiert die Entstehungsgeschichte der religionspolitischen Ordnungen Frankreichs, der USA und Deutschlands entlang der wichtigsten Schwellenepochen und Aushandlungsprozesse. Anhand der Werke von Jean-Jacques Rousseau, Alexis de Tocqueville und Jürgen Habermas stellt er drei »exemplarische« Antworten auf die Frage nach dem rechten Verhältnis von Religion und Politik in der Demokratie vor. Diese ideengeschichtliche Auseinandersetzung mündet in eine systematische Diskussion der zur Rechtfertigung der Trennung von Religion und Politik genannten Gründe.

Schließlich wird die Frage aufgeworfen, ob – und wenn ja, inwiefern – die religionspolitischen Lernprozesse des europäischen, lateinchristlich geprägten Erfahrungsraumes auf andere Regionen und Religionen der Welt übertragen werden können.

Ahmet Cavuldak (Dr. phil.), Politikwissenschaftler und Philosoph, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Rezension
Es gilt als ausgemacht, dass in einer Demokratie Staat und Religion getrennt sein müssen; das unterscheidet eine Demokratie von einer Theokratie, in der die Religion alle Lebensbereiche durchdringt und die Politik bestimmt. Da die Trennung heute als gewissermaßen universelles Lösungsmodell des religionspolitischen Problems in der Demokratie gilt, müssen die wichtigsten Rechtfertigungsgründe auf ihre Plausibilität hin abgeklopft werden. Dieser voluminöse Band bietet aktuell durchdachte Antworten auf die Frage nach dem rechten Verhältnis von Religion und Politik in der Demokratie. Unter Rückgriff auf die geschichtlichen Entwicklungen zur Trenneung von Politik und Religion in Frankreich, den USA und Deutschland und in exemplarischer Aufarbeitung der Positionen von Jean-Jacques Rousseau, Alexis de Tocqueville und Jürgen Habermas stellt der Autor drei »exemplarische« Antworten zur "Legitimität der Trennung von Religion und Politik in der Demokratie" (Untertitel) dar und entwickelt daraus unter Einbeziehung aktueller Fragestellungen eine neue Antwort auf das Verhältnis von Religion und Politik.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Band unterzieht das Prinzip der Trennung von Religion und Politik in modernen Demokratien einer Überprüfung auf der Höhe der Zeit. Er zeigt, dass es gute Gründe dafür gibt, die aber durch die rein metaphorische Redeweise von der »Trennung« vernebelt werden.

Schlagworte:
Demokratie, Religion, Politik, Säkularismus, Trennung Von Staat und Kirche, Rousseau, Tocqueville, Habermas, Politische Theorie, Staat, Politische Philosophie, Politikwissenschaft

Adressaten:
Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichte, Soziologie, Theologie
Inhaltsverzeichnis
Vorwort | 7

A. EINLEITUNG | 11

Thema und Fragestellung | 11
Zum Gang der Untersuchung | 15

B. DIE GESCHICHTE DER TRENNUNG VON RELIGION UND POLITIK | 29

I. Frankreich | 29
1. Staat und Kirche in der absoluten Monarchie | 33
2. Die Französische Revolution im Konflikt mit der katholischen Kirche | 49
3. Das napoleonische Konkordatsregime | 78
4. Die Laizisierungsgesetze der Dritten Republik | 84
5. Das Trennungsgesetz von 1905 | 90
6. Neue Herausforderungen | 107
7. Schlussbetrachtung | 120

II. Die Vereinigten Staaten von Amerika | 129
1. Staat und Kirche in den neuenglischen Kolonien | 132
2. Das Ringen um die Trennung von Staat und Kirche in Virginia | 148
3. Die revolutionäre Gründung der Vereinigten Staaten und die Entstehung des ersten Zusatzartikels der Verfassung | 160
4. Die Rechtsprechung des Supreme Court | 170
5. Schlussbetrachtung | 186

III. Deutschland | 196
1. Augsburger Religionsfrieden und Westfälischer Friede | 197
2. Staat und Kirche im 19. Jahrhundert: Paulskirchenverfassung und Kulturkampf | 202
3. Die „hinkende“ Trennung von Staat und Kirche
in der Weimarer Republik | 211
4. Staat und Religion in der Bundesrepublik Deutschland | 216
5. Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts | 227
6. Neue Herausforderungen | 243
7. Schlussbetrachtung | 254

IV. Zwischenergebnis: Säkularisierung und Sakralisierung in den westlichen Demokratien | 261

C. DIE LEGITIMITÄT DER TRENNUNG VON RELIGION UND POLITIK | 275

I. Jean-Jacques Rousseau | 282
1. Die politische Ordnung des Contrat social | 284
2. Ein bürgerliches Glaubensbekenntnis | 294
3. Gemeinwohl und Seelenheil | 310
4. Kritik und Würdigung | 324

II. Alexis de Tocqueville | 330
1. Die Entstehung der modernen Demokratie aus dem Christentum | 335
2. Funktionen der Religion in der Demokratie | 354
3. Die Trennung von Staat und Kirche | 366
4. Kritik und Würdigung | 379

III. Jürgen Habermas | 396
1. Die Bedeutung der Religion in der „postsäkularen“ Gesellschaft | 403
2. Religion als vorpolitische Grundlage der Demokratie | 413
3. Die Trennung von Staat und Religion | 423
4. Kritik und Würdigung | 432

IV. Kritik der Rechtfertigungsgründe der Trennung von Religion und Politik | 442
1. Das philosophisch-epistemische Argument | 445
2. Das pragmatische Friedensargument | 462
3. Das normativ-menschenrechtliche Argument | 482
4. Das religiöse Argument | 500
a. Christentum | 505
b. Judentum | 530
c. Islam | 543

D. SCHLUSS | 569

E. LITERATURVERZEICHNIS | 597