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Gedächtnis-Verlust? Geschichtsvermittlung und -didaktik in der Mediengesellschaft
Gedächtnis-Verlust?
Geschichtsvermittlung und -didaktik in der Mediengesellschaft




Linda Erker, Klaus Kienesberger , Erich Vogl, Fritz Hausjell (Hrsg.)

Reihe: Öffentlichkeit und Geschichte


Herbert von Halem Verlag
EAN: 9783869620664 (ISBN: 3-86962-066-8)
260 Seiten, paperback, 14 x 21cm, 2013, 9 Abb.

EUR 28,50
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Frage nach der Vermittlung von Geschichte ist zu einer zentralen Frage der Geschichtswissenschaft und -didaktik geworden. Darüber hinaus wenden sich auch verwandte Wissenschaften wie z.B. die Kommunikationsgeschichte verstärkt diesen Fragestellungen zu.

Im Band Gedächtnis-Verlust? werden einerseits die aktuellen Ansätze und Positionen von Geschichtsvermittlung und Geschichtsdidaktik diskutiert, andererseits wird konkret darauf eingegangen, wie Geschichtsvermittlung auf praktische Herausforderungen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse reagieren kann. Dies betrifft insbesondere Fragen nach den Möglichkeiten, Grenzen und Chancen der Vermittlung von Holocaust und Nationalsozialismus in der Jugend und Erwachsenenbildung.

Das Buch basiert auf den Ergebnissen der Tagung "Gedächtnis-Verlust? Geschichtsvermittlung und -didaktik in der Mediengesellschaft" 2011 in Wien und betont vor allem die interdisziplinären Herausforderungen aus theoretischer und praktischer Perspektive. Dabei geht es in erster Linie um Schnittstellenarbeit zwischen historischer Kommunikation und der Kommunikation des Historischen bis hin zu neuen Ansätzen historisch-politischen Lernens.

Die Publikation wendet sich an WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen, aber selbstverständlich auch an PraktikerInnen aus Vereinen, Schulen und Institutionen der historisch-politischen Bildung. Erinnerungsinitiativen, Studierende, politische VertreterInnen und andere MultiplikatorInnen sollen sich angesprochen fühlen. Sowohl die Tagung als auch der Band entstanden in einer Kooperation zwischen dem Verein GEDENKDIENST und dem Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung.
Rezension
Im schulischen Geschichtsunterricht geht es neben den Inhalten der Geschichte wesentlich auch um deren Vermittlung. Im Hinblick auf die Geschichte von Holocaust und Nationalsozialismus ist die Vermittlungsfrage besonders virulent, weil der Nationalsozialismus an der Schwelle zur Historisierung steht; unmittelbare Zeitzeugen sind mittlerweile hoch betragt. Mit welchen Strategien und Möglichkeiten kann hier Geschichte an kommende Generationen vermittelt werden, so dass Adornos Forderung von 1966 erfüllt werden kann: "Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung." Dieser Band dokumentiert Inhalte der gleichnamigen Tagung aus dem Jahr 2011 des Vereins "Gedenkdienst" in Verbindung mit dem Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung (AHK).

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Linda Erker, Mag.a, Studium der Geschichte in Wien und Berlin, derzeit Assistentin in Ausbildung am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien, stv. Obfrau des Vereins GEDENKDIENST, Konzept und Mitorganisation der Tagung »Gedächtnis-Verlust?«, Dissertationsprojekt im Bereich der Zeitgeschichte: »Gesäuberte« Hochschulen. Die Universitäten Wien und Madrid im Faschismus, Forschungsschwerpunkte: Vergleichende Faschismusforschung, Wissenschaftsgeschichte, Historisch-Politische Bildung, Geschichte Spaniens im 20. Jahrhundert.

Fritz (Friedrich) Hausjell, Univ.-Prof. Dr., Professor für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft am gleichnamigen Institut der Universität Wien, ab 2008 wissenschaftlicher Leiter von »NachRichten. Österreich in der Presse: Sammeledition vom Anschluss zur Befreiung 1938 - 45«, seit 2008 Präsident der »Österreichischen Gesellschaft für Exilforschung«, seit 2009/10 regelmäßiger Mitarbeiter bei »Zeitungszeugen. Sammeledition: Die Presse in der Zeit des Nationalsozialismus«, Mitherausgeber der Zeitschriften medien & zeit sowie Rundfunk und Geschichte, Forschungsschwerpunkte: Medien- und Kommunikationsgeschichte (v. a. NS-Herrschaft, Zweite Republik), Journalismusforschung, Medien- und Kommunikationspolitik.

Erich Vogl, Dr., Studium der Kommunikationswissenschaft und Geschichte in Wien, Dissertation über Literarischer Journalismus und die Zeitung, Journalist bei der Tageszeitung KURIER, zur Zeit tätig im Ressort für Investigative Recherche, zudem externer Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Mitarbeiter der Zeitschrift medien & zeit.

Klaus Kienesberger, Mag., Studium der Publizistik und Kommunikationswissenschaften sowie Politikwissenschaft in Wien mit historischem Schwerpunkt, wissenschaftlicher Leiter der Ausstellung unSICHTBAR – widerständiges im salzkammergut im Rahmen der oberösterreichischen Landesausstellung 2008, Mitarbeiter der Zeitschrift medien & zeit, Konzept und Mitorganisation der Tagung »Gedächtnis-Verlust?«, Forschungsschwerpunkte: Widerstand und Widerstandsrezeption, Beziehungen Österreich-DDR.
Inhaltsverzeichnis
Linda Erker / Klaus Kienesberger / Erich Vogl 9
Vorwort

Oliver Rathkolb 17
Gedächtnisverlust?

Moshe Zuckermann 26
Erinnerung und Gedenken als kollektive Strategie

Verena Haug / Wolfgang Meseth 41
Schulklassen in Gedenkstätten.
Routinen des Unterrichts als Herausforderung der Gedenkstättenpädagogik – Empirische Erkundungen

Till Hilmar 61
Ausgehend vom historischen Ort, wohin?
›Diskursive‹ Orte der Vermittlungsarbeit zum Nationalsozialismus auf Studienfahrten

Angelika Meyer 77
Mit anderem Blick.
Zur Relevanz der Kategorie Gender in der pädagogischen Praxis der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Bert Pampel 92
Zur Bedeutung von Gedenkstätten für ihre Besucher

Klaus Kienesberger / Lukas Meissel 107
Widerständiges Bilden. Überlegungen und Thesen zu Chancen und Herausforderungen der Vermittlungsarbeit zu antifaschistischem Widerstand

Ines Garnitschnig 122
»Und was haben deine Großeltern gemacht?« Vom ›groß Reden‹, Schweigen und situierten Sprechen
Jugendlicher über Nazismus, Holocaust und Zweiten Weltkrieg in der geteilten Gegenwart der postnazistischen Migrationsgesellschaft

Erich Vogl / Wolfgang Duchkowitsch 139
Reden über den ›Anschluss‹ – ZeitzeugInnen berichten von ihren Erinnerungen sowie von der Bedeutung medialer Vermittlung während Austrofaschismus und Nationalsozialismus

Barbara von der Lühe 157
Medienwissenschaftler interviewen Zeitzeugen der NS-Zeit im Fernsehen. Ein Oral-History-Projekt
der Technischen Universität Berlin

Horst Pöttker 178
Verstehen durch Vergangenheit.
Warum Journalismus in der Mediengesellschaft Geschichte als Themenfeld braucht

Eva Maria Gajek 200
Neue Wege?
Fernsehdokumentationen über den Holocaust nach der Jahrtausendwende

Gaby Falböck 219
Populäre Formen der Vermittlung von Erinnerungskultur in Praxis und Theorie

Fritz Hausjell 234
Kann mit NS-Propagandamaterial Zeitgeschichte angemessen vermittelt werden?
Einige Überlegungen zu den populären Publikationsreihen NachRichten und Zeitungszeugen

Herausgeberin und Herausgeber 250
Autorinnen und Autoren 252
Kurzdarstellung der Vereine 255