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Französische Literatur Aus neun Jahrhunderten
Französische Literatur
Aus neun Jahrhunderten




Gerhard Wild (Hrsg.)

Verlag J. B. Metzler , Springer Nature
EAN: 9783476040343 (ISBN: 3-476-04034-8)
700 Seiten, hardcover, 18 x 24cm, März, 2016

EUR 49,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Alle wichtigen Werke der französischen Literatur aus KINDLERS LITERATUR LEXIKON - in einem Band.

Ein kompaktes Werkzeug für Literaturwissenschaftler und ein großer Fundus für alle Literaturinteressierten.

www.metzlerverlag.de
Rezension
Alle wichtigen Werke der französischen Literatur aus KINDLERS LITERATUR LEXIKON - in einem Band: kurze biografische Skizzen der Autoren und kundige Darstellung der Werke (vgl. Leseprobe). Die Kindler Klassiker präsentieren in einem Band die wichigen Autoren und Werke einer Nationalliteratur und bilden damit ein kompaktes Werkzeug für Literaturwissenschaftler und ein großer Fundus für alle Literaturinteressierten. "Kindler Klassiker: Französische Literatur" präsentiert die wichtigsten Autoren und Werke aus 900 Jahren, alphabetisch geordnet und mit Autorenregister und Titelregister versehen. "Kindler Klassiker: Französische Literatur" greift dabei auf KINDLERS LITERATUR LEXIKON in handlicher Form zurück: Das legendäre "Kindlers Literatur Lexikon" (KLL), hg. von Heinz Ludwig Arnold, in 18 Bänden und fast 15.000 Seiten inkl. Registerband, mit den wichtigsten literarischen Werke aller Zeiten, aller Regionen, aller Kulturen in rund 8300 Einträgen mit ca. 21.200 Einzelartikeln, ebenfalls im Metzler Verlag erschienen, ist zwar in 3., völlig neu bearbeiteter Auflage 2009 für 999,- € (statt 2400,- €) zu haben (978-3-476-04000-8), aber der Privatmann wird es kaum erwerben. Der Herausgeber dieses Frankreich-Bands Prof. Dr. Gerhard Wild war Fachbereater bei der 3. Aufl. von "Kindlers Literatur Lexikon" (KLL).

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Kindler Klassiker präsentieren in einem Band die wichigen Autoren und Werke einer Nationalliteratur. Auf 600 - 800 Seiten werden sie vorgestellt: kurze biografische Skizzen der Autoren und kundige Darstellung der Werke. Alles wie im KLL, nur: eine ganze literarische
Welt in einem Band.
Inhaltsverzeichnis
Artikel von A bis Z 7

Hinweise für die Benutzung 671
Abkürzungsverzeichnis 672
Autorenregister 673
Titelregister 682


Leseprobe:

Albert Camus
geb. 7.11.1913 Mondovi (Algerien)
« gest. 4.1.1960 Villeblevin (Frankreich)
Philosophiestudium, Promotion; Schauspieler und Bühnenautor; während der deutschen Okkupation Mitarbeit in der Resistance, Mitbegründer der linken Zeitung Combat; 1957 Literaturnobelpreis; Verlagsleiter bei Gallimard; Tod bei einem Autounfall; Autor wichtiger Romane, Essays und Theaterstücke, die um die Frage der Conditio humana in einer als absurd erkannten Wirklichkeit kreisen; Hauptautor des französischen Existenzialismus.
Ausg.: OEuvres complätes, 9 Bde, Hg. R. Grenier, 1983-1985. Lit.: B. Sändig: A. C. Autonomie und Solidarität, 2004. M. Meyer: A. C. Die Freiheit leben, 2013.

L'envers et l'endroit
(frz.; Licht und Schatten, 1958, G.u.G. Meister) - Die erste Publikation des Autors, eine Sammlung von fünf 1937 erschienenen Essays, entstand während seiner Reisen durch Afrika, Italien, Spanien, Österreich und die Tschechoslowakei. In den jeder Dramatik entbehrenden, durchsichtigen >Situationen< wollte Camus jene »ganze absurde Einfachheit der Welt« veranschaulichen, die 1942 in Le mythe de Sisyphe (Der Mythos von Sisyphus) Ausgangspunkt einer eigenen philosophischen Vision werden sollte.
Der erste Essay, »Die Ironie«, beschreibt die Schicksale dreier Menschen, denen das Alter dieselbe komödiantische Pflicht auferlegt: Der Einsamkeit ausgeliefert, müssen sie um die Anteilnahme ihrer Umwelt betteln. Eine halbseitig gelähmte, zur Unbeweglichkeit verurteilte Frau, die sich in den Glauben an Gott flüchtet, findet in einem nicht zur Familie gehörenden, höflichen jungen Mann endlich einen Zuhörer, der sie jedoch bald verlässt, um einer Verabredung folgend mit den jüngeren Familienmitgliedern ins Kino zu gehen. Ein alter Mann versucht, mit nicht endenwollenden Erzählungen aus seiner Jugend im Cafe einige jüngere Gäste an sich zu fesseln, doch Billard- und Kartenspiel üben eine stärkere Anziehung aus. Eine Großmutter glaubt, sich durch geradezu tyrannische Pflichtanmaßung in ihrer Familie unentbehrlich zu machen. Als sie ernsthaft erkrankt, sind ihre Enkel keineswegs beunruhigt; und der Tod der Alten bestärkt sie nur in der Vermutung, die Großmutter habe ihnen »das letzte und ungeheuerlichste Theater« vorgespielt.
Der überwältigenden Verschlungenheit von Leben und Tod als »Vorderseite« und »Rückseite« des Lebens geht auch der letzte, titelgebende Essay nach. Eine eigenwillige ältere Frau verwendet eine ihr unvermutet zugefallene kleine Erbschaft dazu, sich eine prunkvolle Gruft zu kaufen, die sie fortan häufig besucht: »Auf diese Weise sich selbst gegenübergestellt, was sie war mit dem vergleichend, was sie sein sollte, die Glieder einer stets abbrechenden Kette wiederfindend, erkannte sie mühelos die geheimen Absichten der Vorsehung.« Eines Tages findet sie das noch leere Grab geschmückt vor. Und bald darauf wird die Sterbende von ihrer Tochter bereits ins Totenhemd gekleidet, obwohl sie noch bei Bewusstsein ist: »Es ist seltsam, wie wir von Menschen umgeben sind, die es eilig haben.«
Die Kehrseite (Renvers) der Todesbereitschaft beschreibt der Essay »Die Freude am Leben«. Schon der 22-jährige Camus ist von den schöpferischen Reizen des Reisens fasziniert, das alle bürgerliche »Staffage« außer Kraft setzt und den Menschen aus den Masken hervortreibt, hinter denen sich seine Angst verbirgt. Eine grenzenlose Offenheit seines Wesens erfährt der Autor bestürzt in einem Cafe auf Ibiza beim Anblick einer jungen Frau, die unförmig dick, lediglich mit einem durchsichtigen gelben Netz bekleidet, einen obszönen, sich zu rhythmischer Ekstase steigernden Tanz aufführt. »Klebrig von Schweiß stand sie in der Mitte [...] mit ihrer dummen, niedrigen Stirn und ihrem hohlen Blick glich sie einer aus dem Wasser steigenden widerlichen Göttin. Inmitten der sie umbrausenden Freude bot sie mit der Verzweiflung ihrer leeren Augen und dem zähen Schweiß ihres Leibes gleichsam das schändliche und begeisternde Bild des Lebens.«
Die frühen Essays durchzieht eine Emphase des Hingegebenseins an das vom Mittelmeer inspirierte Leben. L'envers et l'endroit umschließt eine Welt, »die über dem Menschen zusammenschlägt« und auch seine Verzweiflung einbezieht. Im Vorwort zur Neuausgabe von 1957 betont Camus, es sei der Ausgangspunkt für alle seine späteren Werke, und sogar jenes Buch, von dem er vorerst nur träume, werde »auf diese oder jene Art >L'envers et l'endroit< gleichen und von einer gewissen Art Liebe handeln«.
Lit.: M. P. Kuo: La dignik de l'homme dans Revolte dans les Asturies, l'envers et Fendroit et Noces. OEuvre de jeunesse d'A. C., 1998. Hans-Horst Henschen