» Zur gesamten Fächerübersicht auf lehrerbibliothek.de
Eulenfisch

Übersicht

Impressum

2017

Eulenfisch 1/17
Begegnungen mit Wirklichkeit

 

2016

Eulenfisch 17/16
Bischof und Bistum

 
Eulenfisch 16/16
Flucht in die Fremde

 

2015

Eulenfisch 15/15
Tier und Wir

 
Eulenfisch 14/15
Rückkehr der Helden?

 

2014

Eulenfisch 2/14
Sein Zepter ist Barmherzigkeit

 
Eulenfisch 1/14
Der Antichrist - Mehr als die üblichen Bösewichter

 

2013

Eulenfisch 2/13
Eder Tag noch Stunde - Horizont Zeit

 
Eulenfisch 1/13
Hildegard von Bingen - Heilige mit Visionen

 

2012

Eulenfisch 2/12
Jenseits der Schrift - Bildtheologie

 
Eulenfisch 1/12
Klöster - Kolonien des Himmels

 

2011

Eulenfisch 2/11
Pontifex – Brücke und Fels

 
Eulenfisch 1/11
Lufthoheit - die Faszination der Engel

 

2010

Eulenfisch 2/10
Gierige Zeiten - heillos verstrickt

 
Eulenfisch 1/10
Religionsfreiheit - Freiheit schöner Gottesfunke!

 

2009

Eulenfisch 1/09
Torheit – Weisheit – Heil? Blicke auf das Kreuz

 

2008

Eulenfisch 2/08
Wie viel Wunder braucht der Glaube?

 
Eulenfisch 1/08
NEOATHEISMUS - COMEBACK DER GOTTESBESTREITER?

 

0

Eulenfisch /
Eulenfisch war früher "INFO" - die alten Ausgaben finden Sie hier!

 
Eulenfisch 1/2009 - Torheit – Weisheit – Heil? Blicke auf das Kreuz

Eulenfisch 1/2009
Limburger Magazin für Religion und Bildung

Torheit – Weisheit – Heil? Blicke auf das Kreuz



 
Verlag des Bischöflichen Ordinariates, Limburg - Verlagswebsite besuchen
ISSN 1866-0851

2009
86 Seiten, geheftet, 21 x 30 cm

Online-Ausgabe (pdf) hier downloaden
 
4.50 Euro
 

Bestellen per eMail
Hat der Medienwissenschaftler Norbert Bolz etwa
mit seiner provokanten Zeitdiagnose Recht, dass die
Kirchen das Kreuz inflationiert und so das Ärgernis
und den Skandal des paulinischen Wortes vom Kreuz
kleingeredet und sogar verraten hätten? So nachzulesen
in seinem jüngst erschienenen Buch „Das Wissen
der Religion“.
Gibt es wirklich die unterstellte Krise des Kreuzes,
die durch theologische Rhetorik kleingeredet und nicht
wahrgenommen wird? Sicher, Kreuze begegnen uns
nicht nur in Kirchen – überall finden sich Kreuze: an
Wegen, auf Friedhöfen und auch noch vereinzelt in Gerichtssälen
und Klassenzimmern. Wir haben uns an das
Kreuz gewöhnt, auch der an den Pfahl Gekreuzigte begegnet
uns wie selbstverständlich allerorts im öffentlichen
Raum. Ist da die Rede von der Krise des Kreuzes
wirklich gerechtfertigt? Der Umgang mit dem sogenannten
Kruzifixurteil des Bundesverfassungsgerichts,
das vor Jahren das Land bewegte, hat im Ergebnis eine
höchst ambivalente Botschaft: Kreuze dürfen hängen
bleiben, weil sie ein deutsches Kulturgut sind – das
klingt in der Tat verdächtig nach „Inflation“. Aber auch
innerkirchlich gibt es immer wieder Versuche, die sperrige
Botschaft vom Kreuz horizontal zu entschärfen.
Die von Norbert Bolz aufgeworfene Frage ist im
Grunde nicht neu. Der Völkerapostel Paulus selbst
gibt das Thema vor: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen,
die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet
werden, ist es Gottes Kraft (…) und Weisheit“ (1
Kor 1,18-31). Mit dem Blick auf das Kreuz scheiden
sich die Geister. Es ist das Vorzeichen, das den Unterschied
ausmacht. Es zwingt zur Standortbestimmung.
Es durchkreuzt alle Versuche, die theologische Wahrheitsfrage
nach Jesus, dem Christus, zu relativieren.
„Torheit – Weisheit – Heil? Blicke auf das Kreuz“ haben
wir die jüngste Ausgabe des EULENFISCH daher
aus gutem Grund genannt. Und auf den rechten Blick
kommt es dabei entscheidend an. Denn das Kreuz als
Schandzeichen erklärt sich nicht von selbst, es ist semiotisch
höchst unbestimmt und wird erst durch die
Auferstehungsbotschaft von Ostern theologisch „umcodiert“
und so gleichsam zum „Ausrufezeichen“ im alteritären
Alphabet des Christentums: wahrer Gott und
wahrer Mensch, gekreuzigt und auferstanden – ohnmächtig
mächtig.
Die Rede vom Kreuz ist also auf Deutung angewiesen
und die Blickweisen auf das Kreuz der Christen
können höchst disparat ausfallen – der Fall des
Deutsch-Iraners Navid Kermani steht beispielhaft für
diesen aktuellen Deutungsstreit. Die Ansichten des
Islamwissenschaftlers und Schriftstellers zur Kreuzigungsdarstellung
von Guido Reni in der römischen
Basilika San Lorenzo in Lucina führten im Frühjahr
zur Aberkennung des Hessischen Kulturpreises und
erwiesen sich als Brandbeschleuniger im interreligiösen
Dialog. Kermani sah in der Darstellung des Gekreuzigten
eine „Hypostasierung des Schmerzes“, die
er als „barbarisch“ und „körperfeindlich“ und als einen
„Undank gegenüber der Schöpfung“ bezeichnete. Hieran
nahmen Karl Kardinal Lehmann und der ehemalige
hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker
Anstoß und es kam zu einem öffentlichen Eklat – Ausgang
noch offen.
Christi Kreuz mutet uns viel zu. Die Zumutung wird
im Spiegel der Kermani-Debatte handgreiflich. Robert
Spaemann ermutigt uns in seinem bemerkenswerten
Beitrag, als Christ das Paradox zu denken und anzunehmen,
um nicht im Paradox verstrickt zu bleiben.
Das Christentum „denkt, was sich kein Mensch hätte
ausdenken können“: dass die Liebe stärker ist als der
Tod.
Wir feiern in Limburg im September 50 Jahre Kreuzfest.
Unsere Kreuzwoche steht unter dem Wort „Christi
Kreuz – der Christen Kraft“. Im Mittelpunkt steht
unsere kostbare Kreuzreliquie, die Staurothek – sie
bildet auch das Cover unseres Magazins. Das perlengeschmückte
Kreuz stellt das Kreuz von Golgatha in
das Licht von Ostern. Das Holz des Kreuzes erscheint
verklärt und wird uns als Heilszeichen gereicht, das
nicht kostbar genug aufbewahrt und gezeigt werden
kann: Christi Kreuz – unsere Kraft!

Martin W. Ramb
ist Chefredakteur von EULENFISCH.

Inhaltsverzeichnis

THEMA

JOACHIM VALENTIN
6 Durch Wunden geheilt

ECKHARD NORDHOFEN
11 Kreuzesopfer

MEDARD KEHL
14 „ … denn durch dein hl. Kreuz hast du die Welt erlöst“

FÜRSTIN GLORIA VON THURN UND TAXIS
16 Mit den Augen glauben

ECKHARD NORDHOFEN
17 Kreuzmaßstab

FULBERT STEFFENSKY
19 Das Kreuz und die Kreuze

BISCHOF FRANZ-PETER TEBARTZ-VAN ELST
20 Vom Kreuz künden

ECKHARD NORDHOFEN
23 In deine Hände

ROBERT SPAEMANN
25 O crux ave, spes unica

ANDREAS RENZ
28 Jesu Errettung vom Kreuz im Koran


PRAXIS

KATHARINA SAUER
31 Das Kreuz – Zeichen der Barmherzigkeit Gottes
Unterrichtsimpulse für die Grundschule

HARALD KERN
39 Von Bäumen, Lämmern und Nattern
Ordenskreuze als Zugang zu christologischer Reflexion und mystagogischer
Praxis in der Sekundarstufe I

ANDREAS THELEN
48 Gott ist nah – Im Zeichen des Kreuzes
Eine Schule feiert die Adventszeit

AUGUST HEUSER
50 Die Limburger Staurothek
Religionsunterricht im Kontext von Theologie, Geschichte und Kunst


KUNST & KULTUR

KARL HEINZ KÖNIG
54 Kirchenfenster als Tore zum Himmel
Das Kölner Domfenster von Gerhard Richter

THOMAS MENGES
59 Im Kreuz ist Leben
Hinweise auf Jörg Längers Passionszyklus in der Michaelskapelle zu Limburg

GOTTHARD FUCHS
62 Es muss mehr als alles geben
Arnold Stadlers Roman „Salvatore“


FORUM

VOLKER SCHLÖNDORFF
64 Unfehlbar

WALTER FISCHEDICK
65 Das Kreuz mit dem Kreuz
Zur Frage religiöser Symbole in der Schule


MEDIEN

GOTTHARD FUCHS
68 Gewaltanschauung. Das österliche Wort vom Kreuz

MATTHIAS WERNER
71 Trutwins Leser wissen mehr
Kreuz und Soteriologie im Neuen Forum Religion

UTE LONNY-PLATZBECKER
74 Arbeitsmappe Kreuz