Eulenfisch

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Impressum

2017

Eulenfisch 1/17
Begegnungen mit Wirklichkeit

 

2016

Eulenfisch 17/16
Bischof und Bistum

 
Eulenfisch 16/16
Flucht in die Fremde

 

2015

Eulenfisch 15/15
Tier und Wir

 
Eulenfisch 14/15
Rückkehr der Helden?

 

2014

Eulenfisch 2/14
Sein Zepter ist Barmherzigkeit

 
Eulenfisch 1/14
Der Antichrist - Mehr als die üblichen Bösewichter

 

2013

Eulenfisch 2/13
Eder Tag noch Stunde - Horizont Zeit

 
Eulenfisch 1/13
Hildegard von Bingen - Heilige mit Visionen

 

2012

Eulenfisch 2/12
Jenseits der Schrift - Bildtheologie

 
Eulenfisch 1/12
Klöster - Kolonien des Himmels

 

2011

Eulenfisch 2/11
Pontifex – Brücke und Fels

 
Eulenfisch 1/11
Lufthoheit - die Faszination der Engel

 

2010

Eulenfisch 2/10
Gierige Zeiten - heillos verstrickt

 
Eulenfisch 1/10
Religionsfreiheit - Freiheit schöner Gottesfunke!

 

2009

Eulenfisch 1/09
Torheit – Weisheit – Heil? Blicke auf das Kreuz

 

2008

Eulenfisch 2/08
Wie viel Wunder braucht der Glaube?

 
Eulenfisch 1/08
NEOATHEISMUS - COMEBACK DER GOTTESBESTREITER?

 

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Eulenfisch /
Eulenfisch war früher "INFO" - die alten Ausgaben finden Sie hier!

 
Eulenfisch 1/2008 - NEOATHEISMUS - COMEBACK DER GOTTESBESTREITER?

Eulenfisch 1/2008
Limburger Magazin für Religion und Bildung

NEOATHEISMUS - COMEBACK DER GOTTESBESTREITER?


www.eulenfisch.de
 
Verlag des Bischöflichen Ordinariates, Limburg - Verlagswebsite besuchen
ISSN 1866-0851

2008
96 Seiten, geheftet, 21 x 30 cm

Online-Ausgabe (pdf) hier downloaden
 

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Was ist das für eine Evolution, die einen Eulenfisch
hervorgebracht hat? Anders gefragt: Was ist das
für eine Evolution, die das hervor gebracht hat, was
den Eulenfisch hervor gebracht hat, also unser Hirn!
Nur Menschen sind es schließlich, in deren Kopf solche
Lebewesen wie der Bockhirsch Tragelaphos (vgl. Plato
Kratylos), Zentauren, Einhörner, Sphingen und dergleichen
entstehen.
Symbole sprechen ihre eigene Sprache. In religiösen
Zusammenhängen hängt sehr viel davon ab, dass wir
alphabetisiert sind. Dabei ist nicht nur das Alphabet
der Buchstaben gemeint, sondern auch das Alphabet
der Bilder und Symbole. Wir hielten es daher für keine
schlechte Idee, ein Wappentier zu erfinden, das für unser
Programm stehen könnte.
„Eulenfisch“ – was soll das bedeuten? Der Fisch ist
wohlbekannt. „Ichthys“. Die griechischen Initialen stehen
für Jesous, Christos, Theou, Hyios, Soter. Die Kurzformel
ist ein veritables Glaubensbekenntnis: Jesus
Christus, Gottes Sohn, Retter.
Aber auch die Eule ist nicht ganz unbekannt. Neu ist
allerdings die Kreuzung der beiden Viecher, die biologisch
so gar nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.
(Obwohl mir zur stammesgeschichtlichen Verwandtschaft
von Vögeln und Fischen durchaus etwas
einfiele.) Die Pointe besteht in der Tat in der Kreuzung
der beiden Wappentiere. Der Fisch des Glaubens verbindet
sich mit dem Vogel der Weisheit. Fides et ratio,
Denken und Glauben in einem Blutkreislauf verbunden
… In der Tat gibt es eine erstaunliche Verwandtschaft
von Eule und Fisch.
Wer an den Vogel der Weisheit denkt, der in der
Dämmerung seine Schwingen ausbreitet, erinnert sich
an den „weisesten aller Menschen“, den Athener Sokrates.
Auf ihn geht der Begriff „Philosophie“ zurück.
Im Unterschied zu den Sophisten, die die Weisheit für
lehrbar hielten, war er kein Weisheitsbesitzer, sondern
einer, der sich nach der Weisheit ausstreckte. Er war
ein Philosoph, d. h. ein „Liebhaber der Weisheit“. Das
ist der sokratische Unterschied, auf den es ankommt.
Es ist derselbe Unterschied, auf den es den kritischen
Propheten im Alten Testament ankommt. Der
Gott des alten Israel ist nicht ohne ihre Religionskritik
zu denken. Die selbstgemachten Götter des Polytheismus
werden entlarvt, so wie Sokrates den vorgetäuschten
Weisheitsbesitz der Sophisten entlarvt. Die
Weisheit ist ebenso wenig in Besitz zu nehmen, wie der
Gott des alten Israel. Nach beidem strecken wir uns
aus. So wie der Philosoph nach der Weisheit greift, so
sehnt sich der Prophet nach dem, der zugleich da ist
und sich entzieht.
Die Phase, in der man die biblische Religion gegen
die griechische Philosophie ausspielte, ist bei den Kennern
der Ideen- und Theologiegeschichte vorbei. Wer
die Bemühungen unseres Verstandes und unserer Vernunft
um die letzten großen Fragen als größenwahnsinnigen
Versuch des Menschen zur Selbsterlösung
darstellt, verkennt die sokratische Differenz zwischen
Sophismus und Philosophie. Die jüngeren Bücher des
Alten Testaments und das ganze Neue Testament sind
zutiefst imprägniert von der Kultur des Hellenismus.
Die Übersetzung der hebräischen Bibel ins Griechische,
die legendäre Septuaginta, die Gestalt des Philo von
Alexandrien, aber auch das Johannesevangelium belegen
den griechischen Einfluss. Noch tiefer geht die Verwandtschaft
zwischen der biblischen und der vorsokratischen
Aufklärung. Beide entlarven die psychischen
Mechanismen der Gottesproduktion. Das berühmte
Fragment des Xenophanes, nach dem die Löwen und
Stiere, wenn sie nur Hände und Werkzeuge hätten, sich
Götterbilder machten ihrer eigenen Gestalt entsprechend,
zeigt den selben Denkstil wie (Deutero)Jesaja,
der sich über die Gottesproduktion der Polytheisten
lustig macht. Auch bei Sokrates selber, dessen Schicksal
frappierend an das Schicksal Jesu erinnert, gibt es
deutliche Hinweise auf einen Monotheismus, der sich
freilich nicht wie im alten Israel kämpferisch gegen
die Götter der Volksreligionen positioniert.
Die intensivste Phase einer Durchdringung von fides
et ratio, Philosophie und Theologie finden wir in
der jungen Kirche. In der Theologie unserer Tage erlebt
die Zeit der Kirchenväter derzeit eine erstaunliche Renaissance.
Beste Beispiele bieten die Katechesen Papst
Benedikts XVI., die er bei seinen Mittwochsaudienzen
auf dem Petersplatz zu halten pflegt.
Als Religionslehrer hat mich immer begeistert, dass
wir Christen aufgrund dieser tiefen Verwandtschaft
von fides et ratio, von Glaube und Vernunft zur echten
intellektuellen Zeitgenossenschaft fähig sind. Die
Vernunft, das edelste Geschenk des Schöpfers an uns
Menschen, macht uns modernitätskompatibel. Für einen
Religionslehrer, der seine Hausaufgaben gemacht
hat, stehen die Einsichten der Naturwissenschaften,
auch die der Evolutionstheorie, in keinem Gegensatz
zum Evangelium. Wir sind überzeugt, dass Wissenschaft
und Glaube zwar eine durchaus verschiedene
Perspektive auf unsere eine und einzige Wirklichkeit
bieten, dass sich aber niemand für das eine und gegen
das andere entscheiden muss. Nicht erst seit Anselm
von Canterbury ist von der fides quaerens intellectum,
vom Glauben, der nach der Vernunft strebt, die Rede.
Das erste Vatikanische Konzil und natürlich die Enzyklika
„Fides et Ratio“ Papst Johannes Pauls II. bekräftigen
diese Linie des christlichen Denkens und Handelns.
Für unsere Schülerinnen und Schüler sind die unterschiedlichen
Perspektiven der Naturwissenschaften
und der Geisteswissenschaften, insbesondere der Religionswissenschaften,
ein Pensum, das unbedingt bearbeitet
werden muss, wenn sie nicht in eine falsche
und unnötige Entscheidungsfalle tappen sollen. Die
unterschiedlichen Diskurse und „Sprachspiele“ von Biologie,
Physik, Chemie, von Mathematik, Literatur und
Theologie stürmen auf die Kinder und Jugendlichen
ein. Passt das alles in einen einzigen Kopf? Wir meinen:
Im Prinzip ja!
Viele von uns schüttelten den Kopf wie plötzlich
die Evolutionsdebatte des 19. Jahrhunderts für Aufregung
sorgte. Die Giordano Bruno-Stiftung, der neue
Kampfverband gegen alle Religionen, vertreten durch
Aktivisten wie Schmidt-Salomon, haben in den fundamentalistischen
Christen den Feind des Fortschritts
und Weltfriedens ausgemacht. Auch die Polemiken von
Richard Dawkins haben hohe Auflagen erzielt. Gibt es
tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland nennenswerte
geistige Kräfte, die, auf wissenschaftliche
Exegese verzichtend, zu einem naiv-empiristischen
Verständnis der Bibel anleiten? Es mag sie wohl hier
und da durchaus geben, man muss sie aber suchen.
Die großen Kirchen haben jedenfalls damit kaum etwas
zu tun. Das mag in Amerika anders sein, rechtfertigt
aber nicht den Import eines Kulturkampfs, dessen
Feindbild hier zuerst einmal künstlich erzeugt werden
muss. Nichts gegen eine faire und argumentative Auseinandersetzung
mit Kritikern des Glaubens. Sie zwingen
uns dazu, unsere Argumente zu schärfen und zu
differenzieren.
Das Thema dieses ersten Heftes von „Eulenfisch“
liegt also genau auf der Spur von fides et ratio, einem
Thema, das uns immer wieder in neuer Form begegnen
wird. Die beigefügte CD-ROM „’Streit um Gott’
- oder: Die Wiederkehr des Religiösen?“ ist Frucht einer
Kooperation mit dem Hessischen Rundfunk. Sämtliche
Audio-Beiträge des Themenwochenendes am
15./16.03.2008 von hr2-kultur sind hier nachzuhören.
Vor allem die dokumentierten Streitgespräche vermitteln
die Spannkraft und Emotionalität des Themas
– der Streit um Gott lässt nicht kalt.
Schreiben Sie uns, wie Ihnen „Eulenfisch“ gefällt!
Viel Freude bei der Lektüre wünscht

Eckhard Nordhofen

Inhaltsverzeichnis

THEMA

LINUS HAUSER
8 Gott schenke uns wieder niveauvolle Atheisten

GÜNTER KRUCK
14 Der Fall Dawkins oder die Umkehrung der Verhältnisse

ANDREAS KISSLER
20 Die Wut auf die Differenz

PRAXIS

THOMAS MENGES
23 Comeback des Atheismus
Drei atheistische Postitionen für den Unterricht in der Oberstufe

LENA BIRKENBEIL
32 Gott als der gute Hirte
Im Anfangsunterricht der Grundschule nach Gott fragen

JULIA KNOP
38 Kann man beweisen, dass es Gott gibt?

CHRISTIAN DUBB / FRANK WENZEL
39 Neue Medien im Religionsunterricht
Podcasts zum Thema Taufe und Firmung
45 Religion in der Schule erfahrbarer machen
Interview mit Stefan Herok


KUNST & KULTUR

8 Nachdem alle Deutschen Papst sein wollten,proben einige Gottesbestreiter nun den Kulturkampf.

ANDREAS FELGER / ECKHARD NORDHOFEN
48 Aus dem Dunkel ins Licht Betrachtung zur Jahreslosung 2008


FORUM

BISCHOF FRANZ-PETER TEBARTZ-VAN ELST
52 Nicht Zensuren, sondern Werte zählen
Predigt zum Don Bosco Tag

PETER HOFMANN
54 „Auf Hoffnung hin gerettet“
Zur neuen Enzyklika Papst Benedikts XVI.


MEDIEN

HELMUT MÜLLER
60 Neoatheismus
„eine faustgrobe Antwort“ für einen denkenden Menschen?

MARTIN W. RAMB
64 Neoatheismus - Medien zum Thema

SANKT MICHAELSBUND
66 Gott (Manfred Lütz)

MARTIN W. RAMB
67 Die Ironie Gottes
(Thomas Meyer)

DEWI MARIA SUHARJANTO
68 Das unsterbliche Gerücht
(Robert Spaemann)

JULIA KNOP
69 Gibt´s Gott? (Albert Biesinger)

UTE LONNY-PLATZBECKER
70 Wo bitte geht´s zu Gott?
(Michael Schmidt-Salomon)

MATTHIAS WERNER
72 Neues in Atheististan
Zwei Podcasts zur neuen Attraktivität des Atheismus


AKTUELLES

74 Zur Person
76 „Für einen Religionsunterricht mit einem heißen Kern“
Interview mit Martin W. Ramb

WALTER FISCHEDICK
78 Schulgottesdienste - Religionsunterricht am Altar?

OTTO KALLSCHEUER
80 Gefühlte Religiösität
82 Fünfjähriges Vollstudium bleibt erhalten
84 Das Katholische Deutschland seit 1800
85 Globalisierung - Mythos und Wirklichkeit
86 Was Sankt Georgen seinen Studenten bietet
87 Marie und Lucas führen durch St. Marien