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Erziehender Unterricht Eine Problemformel
Erziehender Unterricht
Eine Problemformel




Lutz Koch, Günther Schorch (Hrsg.)

Verlag Julius Klinkhardt
EAN: 9783781513181 (ISBN: 3-7815-1318-1)
133 Seiten, kartoniert, 15 x 21cm, 2004

EUR 14,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Idee des Erziehenden Unterrichts ist seit Herbart ein Standardthema der öffentlichen Bildungsdiskussion sowie einer internen erziehungswissenschaftlichen Erörterung.

In einer Zeit, die den öffentlichen Schulen eine Ausgleichsfunktion gesellschaftlicher Defizite als Aufgabe zuweist, ist die Forderung nach Erziehendem Unterricht wieder aktuell, vor allem im Hinblick auf die erwartete Kompensation häufig beklagter familiärer Erziehungsmängel und pädagogischer Unsicherheiten heutiger Eltern. Was also heißt durch Unterricht zu erziehen? Der vorliegende Band stellt sich dieser Frage. Die Verfasser begreifen Erziehenden Unterricht als eine „Problemformel“, die sie unter historischen, systematischen, empirischen und schulpraktischen Aspekten analysieren.
Rezension
„Erziehung ist die absichtliche planvolle Einwirkung auf einen jungen Menschen zum Zweck der Unterweisung des Willens, vielfach gleichgesetzt mit Charakter und Gesinnung“ (vgl. Dorsch: Psychologisches Wörterbuch).
Der Erziehungsbegriff wurde in der Vergangenheit oft missbräuchlich genutzt und hat sich auch so in der Schulgeschichte niedergeschlagen, man denke hier beispielsweise an den sog. Gesinnungsunterricht oder den überzogenen Erziehungsritualen und Ordnungsmaßnahmen des 19.Jh. Der Band „Erziehender Unterricht – Eine Problemformel“ versucht aufbauend aus den Fehlinterpretationen der Erziehungsideale von Johann Friedrich Herbart, einen Perspektivenwechsel zu bewirken. Erziehung und Unterricht sind zwei Begriffe, die wie das Buch zeigt, nicht nur Additiv zusammengesetzt werden, sondern vielmehr wechselseitig im Unterricht agieren.
„Der Unterricht will zunächst den Gedankenkreis, die Erziehung den Charakter bilden. Das Letzte ist nicht ohne das Erste; darin besteht die Hauptsumme meiner Pädagogik“ (Johann Friedrich Herbart). „Aufgabe des Erziehenden Unterricht ist es also, zu selbstorganisierendem Lernen zu führen, ..., um den Charakter bilden zu können“ (Keck). Also versteht sich Erziehender Unterricht heute vielmehr als eine Unterweisung des Verstandes, der auf Einsicht und Begreifen baut und damit den zu Erziehenden zu einem eigenverantwortlichen Handeln befähigt und soziales Handeln durch positive Beeinflussung stabilisiert oder verbessert. Erziehender Unterricht ist kein Tabu, er versteht sich nicht als indoktrinäres Verändern von Verhalten, sondern versucht vielmehr, dem Schüler einen Weg zum Verstehen zu ebnen.
Die Beiträge des Bandes „Erziehender Unterricht – Eine Problemformel“ zeigen auf vielfältige Weise, das es an der Zeit ist die sog. „Neue Lernkultur“ um eine „Neue Erziehungskultur“ zu erweitern und Lernen als Verstehen eine Hauptrolle zu geben.

Clemens Arndt
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Verlagsinfo
Die Verfasser begreifen Erziehenden Unterricht als eine "Problemformel", die sie unter historischen, systematischen, empirischen und schulpraktischen Aspekten analysieren.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort (7)*

1.J.F. Herbarts Theorem vom Erziehenden Unterricht – ein bildungsgeschichtlicher Klärungsversuch – Rudolf W. Keck (11)

2.Erziehender Unterricht im Kontext pädagogischer Kommunikation am Beispiel der Pädagogik
Jean-Jaques Rosseau – Otto Hansmann (23)

3.Erziehender Unterricht – eine Hybridbildung? – Lutz Koch (47)

4.Erziehender Unterricht angesichts „Neuer Lernkultur“ – Günther Schorch (63)

5.Erziehender Unterricht – grundsätzliche Reflektionen und das Beispiel des interkulturellen Lernens – Uwe Sandfuchs (81)

6.Das Erziehungspotenzial medienbasierter Lernarrangements – Werner Sacher (91)

7.Aufgabe und Verantwortung. Zu Möglichkeiten, Grenzen und Notwendigkeiten eines Erziehenden
Unterrichts – Hans Jürgen Apel (113)

Literatur (123)

Autorenspiegel (133)

(* Seitenzahlen in Klammern)