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Elfriede Jelinek  Sprache, Geschlecht und Herrschaft
Elfriede Jelinek
Sprache, Geschlecht und Herrschaft




Francoise Rétif, Josef Sonnleitner (Hrsg.)

Königshausen & Neumann Verlag
EAN: 9783826034121 (ISBN: 3-8260-3412-0)
168 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2008

EUR 24,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Jelinek ist eine Sprachjongleurin. Im souveränen Umgang mit der Sprache entzieht sie sich allen etablierten Kunstnormen. Sie arbeitet mit Trivialitäten aus den Medien, Zitaten von historischen Personen, Übernahmen aus literarischen Texten, die von ihr verfremdend montiert werden. Die metapoetische und metasprachliche Reflexion ist für sie eine Konstante, die sich vor allem in einer dekonstruktiven Technik äußert, welche die Alltagssprache ebenso wie philosophische und literarische Diskurse in neue Zusammenhänge bringt und dadurch "zur Kenntlichkeit entstellt". Ihr Sprachlabor stellt ein performatives Dementi der Technik im üblichen modernen Sinne dar, das ähnlich wie z.B. der Kapruner Staudamm "auf Leichenbergen, auf Toten, die verleugnet wurden", auf Rassen-, Klassen-, Massenmord und Naturvernichtung aufgebaut war. Jenseits der Anklage ist es aber auch eine fundamental weibliche Totenklage, wie sie im Chor der Mütter oder Klageweiber in Werk zum Ausdruck kommt.

Die Beiträge dieses Bandes, die im Rahmen eines in Rouen (Frankreich) veranstalteten Jelinek-Kolloquiums entstanden sind, stellen anhand von detaillierten Einzelstudien die innere Kohärenz von Jelineks Werk dar, d.h. die Entlarvung der engen Verflechtung von Sprache, Geschlecht und Herrschaft.
Rezension
Dieser Sammelband dokumentiert ein Elfriede-Jelinek-Symposion im Jahre 2006 an der französischen Universität Rouen, das insbesondere auf Sprache, Geschlecht und Herrschaft im Werk Elfriede Jelineks focussiert und an konkreten Texten Jelineks erläutert, u.a. "Die Ausgesperrten", "Die Klavierspielerin" oder "Lust". Das feministische und politische Engagement der österreichischen Literatur-Nobelpreisträgerin von 2004 Elfriede Jelinek (*20.10.1946 in der Steiermark) sind (nicht nur in Österreich) ebenso provokativ und umstritten wie ihre ästhetischen Strategien und Schreibverfahren; ihre Kritik an patriarchalen Strukturen, Frauenbildern, Heimat, Natur oder Nationalsozialismus spalten - ähnlich wie durch den ebenfalls als "Nestbeschmutzer" diffamierten Thomas Bernhard - bis heute die österreichische Gesellschaft.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
FRANCOISE RETTE / JOHANN SONNLEITNER
Vorwort 7

WENDELIN SCHMIDT-DENGLER
Jelineks Rhetorik 11

KONSTANZE FLIEDL
Im Abseits. Elfriede Jelineks Nobelpreisrede 19

SUSANNE BÖHMISCH
Jelinek'sche Spiele mit dem Abjekten 33

ELISABETH KARGL
Das Theater Elfriede Jelineks in Frankreich oder wie Jelinek übersetzen? 47

ERIKA TUNNER
Dem Starken die Herrschaft, dem Schwachen das Sklaventum?
Eine Lesart des Stückes Clara S. 71

JOHANN SONNLEITNER
Existentialismus im Nachkriegsösterreich. Zu Jelineks Roman Die Ausgesperrten 79

ORTRUN NIETHAMMER / ANNETTE HÜLSENBECK
Literarische Kleidungsbeschreibungen in Elfriede Jelineks Klavierspielerin, mit einem Blick auf Goethes Wahlverwandtschaften 89

FRANCOISE RETIF
Die Lust am Obszönen bei Georges Bataille und Elfriede Jelinek 107

ANNETTE RUNTE
,Kinder der Un/Toten'.
Zu Elfriede Jelineks ‚Versprechen' zwischen Satire und Allegorie 119

NICOLE KANDIOLER
Radikales und mimetisches Ich des Kollektivs. Elfriede Jelinek und Christine Angot 141

FERNAND CAMBON
Die Anmessung des Schreibens 153

INGEBORG RABENSTEIN-MICHEL
Elfriede Jelinek — Protokoll einer Annäherung 161
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