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Einführung in die philosophische Anthropologie  3., durchges. Aufl. 2013
Einführung in die philosophische Anthropologie


3., durchges. Aufl. 2013

Christian Thies

Wissenschaftliche Buchgesellschaft
EAN: 9783534256792 (ISBN: 3-534-25679-4)
168 Seiten, paperback, 17 x 24cm, 2013

EUR 17,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
- Hervorragende didaktische Aufbereitung

- Klar und übersichtlich gegliedert

- Zusammenfassungen, Fragen zur Vertiefung und Literaturhinweise in jedem Kapitel

- Ideal zur Seminar- und Prüfungsvorbereitung

Was ist der Mensch? Sind wir eher Naturwesen oder gesellschaftlich geprägt? Ist der Mensch gut oder böse? Welche Stellung hat der Mensch im Kosmos? - Das sind Leitfragen einer philosophischen Anthropologie, deren Ziel es ist, die wesentlichen Dimensionen des menschlichen Daseins im Überblick zu beschreiben. In dieser allgemein verständlichen Einführung entwickelt Christian Thies den Grundriss einer solchen Anthropologie. Dabei werden neue Forschungsergebnisse der empirischen Humanwissenschaften durchgehend einbezogen.



„Alle Kapitel der Einführung sind mit einer Zusammenfassung, Literaturhinweisen, Fragen und Übungen versehen, so dass sich das Buch ausgezeichnet für einen ersten Einblick in die philosophische Anthropologie eignet." Theologisch-praktische Quartalsschrift

„Christian Thies hat eine didaktisch und konzeptionell höchst empfehlenswerte Einführung verfasst." Anthropologischer Anzeiger

Christian Thies, geb. 1959, ist Professor am Institut für Philosophie an der Universität Passau.

Die Herausgeber:

Dieter Schönecker, Dr. phil., Professor für Praktische Philosophie an der Universität Siegen.

Niko Strobach, Dr. phil., Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Logik und Sprachphilosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er ist zusammen mit Prof. Dr. Dieter Schönecker (Siegen) auch Herausgeber der Reihe "Einführungen Philosophie" bei der WBG.
Rezension
Nach der 2., überarb. Aufl. 2009 liegt diese Einführung nun bereits in 3. Aufl. 2014 vor. Der Autor ist mittlerweile Professor an der Universität Passau. Das Buch bietet einen umfassenden Überblick über die (aus philosophischer Sicht) wichtigsten Dimensionen des menschlichen Daseins. Er deutet die neuen Forschungsergebnisse der empirischen Humanwissenschaften und beleuchtet die philosophische Frage nach unserer Identität als Mensch. In einem ersten Teil klärt der Autor, was überhaupt unter philosophischer Anthropologie verstanden werden sollte. Der zweite Teil entfaltet die wichtigsten Kategorien, die für die Klärung unseres Selbstverständnisses erforderlich sind. Im dritten Teil geht es um einige der Fragen, die Menschen seit langer Zeit bewegen: Sind wir eher Naturwesen oder gesellschaftlich geprägt? Ist der Mensch gut oder böse? Schließlich wird die Stellung des Menschen im Kosmos erörtert.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
WBG-Preis EUR 12,95
Buchhandelspreis EUR 17,95

Klar und übersichtlich gegliedert bietet Christian Thies einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Dimensionen des menschlichen Daseins aus philosophischer Sicht. Viele Zusammenfassungen, Fragen zur Vertiefung und Literaturhinweise in jedem Kapitel machen diese Einführung zu einem idealen Begleiter für das Studium.

Christian Thies bietet einen umfassenden Überblick über die (aus philosophischer Sicht) wichtigsten Dimensionen des menschlichen Daseins. Er deutet die neuen Forschungsergebnisse der empirischen Humanwissenschaften und beleuchtet die philosophische Frage nach unserer Identität als Mensch. In einem ersten Teil klärt der Autor, was überhaupt unter philosophischer Anthropologie verstanden werden sollte. Der zweite Teil entfaltet die wichtigsten Kategorien, die für die Klärung unseres Selbstverständnisses erforderlich sind. Im dritten Teil geht es um einige der Fragen, die Menschen seit langer Zeit bewegen: Sind wir eher Naturwesen oder gesellschaftlich geprägt? Ist der Mensch gut oder böse? Schließlich wird die Stellung des Menschen im Kosmos erörtert.

Rezensionen

»Das Buch ist von herausragender Klarheit, übersichtlich und argumentativ dicht. C. Thies ist es gelungen, eine Einführung zu schreiben, die zugleich in interessanter Weise in den gegenwärtigen Debatten Stellung bezieht.« Christian Illies, TU Eindhoven und WBG-Mitglied

»Alle Kapitel der Einführung sind mit einer Zusammenfassung, Literaturhinweisen, Fragen und Übungen versehen, so dass sich das Buch ausgezeichnet für einen ersten Einblick in die philosophische Anthropologie eignet. Zugleich regt es zu einem weitergehenden Studium der aufgeworfenen Fragen an.« Theologisch-praktische Quartalschrift

»Christian Thies, Philosoph in Rostock, hat eine didaktisch und konzeptionell höchst empfehlenswerte Einführung verfasst. Ich empfehle das Buch nicht nur als Pflichtlektüre für Hauptfachstudierende.« Anthropologischer Anzeiger
Inhaltsverzeichnis
Vorwort

1. Was ist philosophische Anthropologie?

1.1 Ziele und Grenzen
1.1.1 Prolog: Ein Rätsel und zwei Antworten
1.1.2 Die Fragen der philosophischen Anthropologie
1.1.3 Anthropologie außerhalb der Philosophie
1.1.4 Anthropologie innerhalb der Philosophie
1.1.5 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
1.2 Kritik an der Anthropologie-Kritik
1.2.1 Die szientistischen Einwände und der Metaphysik-Vorwurf
1.2.2 Die partikularistischen Einwände und der Normativismus-Vorwurf
1.2.3 Die gesellschaftskritischen Einwände und der Konservatismus-Vorwurf
1.2.4 Die existenzphilosophischen Einwände und der Objektivismus-Vorwurf
1.2.5 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
1.3 Konturen einer philosophischen Anthropologie
1.3.1 Kritische Anthropologie
1.3.2 Integrativ-interpretative Anthropologie
1.3.3 Dialektische Anthropologie
1.3.4 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen

2. Grundbegriffe der philosophischen Anthropologie

2.1 Die Grundstruktur der menschlichen Existenz
2.1.1 Ich und Selbst
2.1.2 Das Selbst und die Anderen
2.1.3 Lebenswelt und Weltbezüge
2.1.4 Ontogenese und Phylogenese
2.1.5 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.2 Das animal rationale und die Kategorie ›Denken‹
2.2.1 Begriffshistorische Vorklärungen
2.2.2 Hirne im Vergleich
2.2.3 Die sokratische Vernunft
2.2.4 Andere kognitive Fähigkeiten: Wahrnehmung und Intuition
2.2.5 Zur Entwicklung unserer kognitiven Kompetenzen
2.2.6 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.3 Der homo passionis und die Kategorie ›Fühlen‹
2.3.1 Einige Merkmale des Fühlens
2.3.2 Fühlen erster Ordnung: Spüren und Empathie
2.3.3 Fühlen zweiter Ordnung: Affekte, Leidenschaften, Stimmungen, Temperamente
2.3.4 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.4 Der homo faber und die Kategorie ›Arbeiten‹
2.4.1 Werkzeugverhalten
2.4.2 Arbeiten
2.4.3 Spielen
2.4.4 Grenzen des Handelns
2.4.5 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.5. Das zoon politikon und die Kategorie ›Soziales Handeln‹
2.5.1 Eine Typologie sozial-anthropologischer Positionen
2.5.2 Zwei Bemerkungen zur Gleichheit der Menschen
2.5.3 Die ursprüngliche Sozialität des Menschen
2.5.4 Die Entwicklung des sozial-kognitiven Horizonts
2.5.5 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.6 Das animal symbolicum und die Kategorie ›Sprechen‹
2.6.1 Leistungen der menschlichen Sprache
2.6.2 Denken und Sprechen
2.6.3 Sprache und Sprachen
2.6.4 Tierische und menschliche Kommunikation
2.6.5 Ein Stufenmodell der Kommunikation
2.6.6 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
2.7 Von der Natur zum Geist
2.7.1 Einige Ergebnisse
2.7.2 Eine dialektische Einheit
2.7.3 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen

3. Klassische anthropologische Grundfragen

3.1 Angeboren oder erworben? Die Naturalismus-Kulturalismus-Kontroverse
3.1.1 Zur Geschichte der Kontroverse
3.1.2 Einige metatheoretische Klärungen
3.1.3 Eine Hierarchie offener Systeme
3.1.4 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
3.2 Gut oder böse? Der Optimismus-Pessimismus-Streit
3.2.1 Eine Typologie des moralisch relevanten Sozialverhaltens
3.2.2 Das Böse
3.2.3 Der Egoismus
3.2.4 Der Altruismus
3.2.5 Die Grenzen der Anthropologie
3.2.6 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
3.3 Zentrum oder Peripherie? Die Stellung des Menschen im Kosmos
3.3.1 Kopernikanische Dezentrierungen
3.3.2 Ptolemäische Gegenrevolutionen
3.3.3 Die Zwiespältigkeit des Menschen
3.3.4 Zusammenfassung, Literaturhinweise, Fragen und Übungen
3.4 Epilog: Verschiedene Versionen

Literaturverzeichnis
Personenregister
Begriffsregister


Leseprobe:

Die Zwiespältigkeit des Menschen
»Alle ptolemäischen Gegenrevolutionen scheitern. Die Peripherie-These ist richtig – aus der Außenperspektive. Denn aus der Innenperspektive ist klar: Wir sind es, die den Kosmos beobachten und trotz unserer Randstellung schon so viel über ihn in Erfahrung gebracht haben. Wir sind es, die allein Maßstäbe konstruieren und begründen, mit denen man Fortschritte und Rückschritte in der Naturgeschichte feststellen kann. Wir sind es, die als Subjekte Projekte haben (wie auch immer diese, wiederum von uns selbst, einzuschätzen sein mögen). Aus der Innenperspektive können wir gar nicht anders, als uns selbst zum Mittelpunkt unserer Lebenswelt zu machen. Zudem sind allein wir es, die überhaupt nur Bedeutung (im doppelten Sinne als Sinn und als Relevanz) in die Welt bringen, auch wir allein, die Werte setzen. Aus der Außenperspektive fällt es schwer, im Geist des Menschen etwas prinzipiell Besseres zu sehen als im Sozialsystem der Ameisen oder im Rüssel des Elefanten oder gar in den chemischen Reaktionen in einem Stern. Aus der Innenperspektive sind jedoch allein wir es, die uns am Wahren, Guten und Authentischen orientieren.
Aus dem vertretenen Ansatz ergibt sich also eine dritte Position, aber keine, die sich in der ausgleichenden Mitte zwischen den beiden anderen befindet. Denn beide sind richtig; der Mensch besitzt eine ambivalente Stellung im Kosmos. Der erste bedeutende Vertreter einer solchen dialektischen Anthropologie ist Blaise Pascal. Immer wieder spricht er von ›Größe und Elend des Menschen‹. Für die eine Seite, die Nichtigkeit und Verlorenheit des Menschen, stehen die unermesslichen Weiten des leeren Universums. Für die andere Seite, die Größe und Würde des Menschen, greift Pascal auf die klassische Definition des ›animal rationale‹ zurück. Der Mensch gleicht einem zerbrechlichen Schilfrohr, die Natur kann ihn problemlos zermalmen; aber er weiß um seine Schwäche, seinen Tod, er allein kann das Gute denken. Dieselbe anthropologische Position vertritt auch Kant, in seinen berühmten Sätzen am Ende der ›Kritik der praktischen Vernunft‹: ›Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir. ... Der erstere Anblick einer zahllosen Weltenmenge vernichtet gleichsam meine Wichtigkeit als eines tierischen Geschöpfs ... Der zweite erhebt dagegen meinen Wert als einer Intelligenz unendlich durch meine Persönlichkeit ...‹ (47, KpV 288 u. 290). Wenn es um die Stellung des Menschen im Kosmos geht, können wir Innen- und Außenperspektive nicht zur Deckung bringen. Der Mensch ist beides (und vieles mehr); Substanz und Subjekt, Staubkorn und moralisches Wesen, Natur und Geist.«