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Die Provokation des Guten Arendts philosophische Untersuchung zur Frage nach Schuld und Verantwortung unter der totalitären Herrschaft
Die Provokation des Guten
Arendts philosophische Untersuchung zur Frage nach Schuld und Verantwortung unter der totalitären Herrschaft




Fidelis Regi Waton

LIT
EAN: 9783643131287 (ISBN: 3-643-13128-3)
280 Seiten, paperback, 16 x 24cm, 2016

EUR 34,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die totalitäre Herrschaftsform des vergangenen Jahrhunderts war ein Alptraum für die Menschheit im Sinne des Wortes. Für sie ist der Mensch überflüssig. Auschwitz steht als Symbol und Chiffre der von ihr produzierten katastrophalen Tragödie. Wie konnte das geschehen? Wie war eine solche irrtümliche Blindheit möglich? Warum waren Menschen in der Lage, das radikal Böse in einer zivilisierten Gesellschaft zu tun? Mit ihrem Schlagwort der Banalität des Bösen entdeckte Hannah Arendt einen Schlüssel zur Erklärung dazu.

Fidelis Regi Waton, geb. 1970 in Wailolong (Flores), Indonesien. Studium der Philosophie und katholischen Theologie in Ledalero, Indonesien. Master- und Promotionsstudium an der philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin.
Rezension
Wie konnte der Holocaust geschehen? Wie war eine solche irrtümliche Blindheit möglich? Warum waren Menschen in der Lage, das radikal Böse in einer zivilisierten Gesellschaft zu tun? Mit ihrem Schlagwort der Banalität des Bösen entdeckte Hannah Arendt einen Schlüssel zur Erklärung dazu. Die jüdische, deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin und Heidegger-Schülerin Hannah Arendt (1906-1975) war eine überaus einflussreiche Denkerin des 20. Jahrhunderts insbesondere zu Themenfeldern wie Antisemitismus, Das Böse, Macht, Revolution, Republik/Nation, Totalitarismus etc. Die große Hannah-Arendt-Verfilmung des Jahres 2013 durch Margarethe von Trotta mit Barbara Sukowa als Darstellerin der Hannah Arendt hat das Denken, die Biographie und das Engagement Hannah Arendts auch einer breiteren deutschen Öffentlichkeit vor Augen geführt. Arendt wollte herausfinden, wie totalitäre Regime funktionieren und woher sie ihre Macht über das Gewissen der Täter gewannen. Arendt wollte Adolf Eichmann entdämonisieren und prägte dazu die Formel von der "Bnalität des Bösen". Brennpunkt des Versuchs des Totalitarismus, die Autonomie des Einzelnen zu zerstören, die menschliche Natur umzuformen, ja den Störfaktor Mensch überflüssig zu machen, ist für Hannah Arendt das System der Lager, einem System des radikal Bösen (Kant). Hannah Arendt war davon überzeugt, dass der sowjetische und der deutsche Totalitarismus stärker von ihrer allgemeinen Organisationsform als von ihren jeweiligen weltanschaulichen Inhalten bestimmt waren. Adolf Eichmann war kein Dämon, kein Teufel, kein satanischer Übermensch sondern ein bieder-bürokratischer Hanswurst. Dass ein solcher Bürokrat zu solchen Verbrechen fähig ist, erklärt Arend mit der moralischen Entlastung des Tätergewissens durch den totalitären Staat; indem die Vernichtung vom Schreibtisch aus organisiert und in viele kleine Schritte aufgeteilt wird, wo sich kein Schritt der eigenen Verantwortung bewußt werden muss. Arendt verwarf die alte Vorstellung aus ihrem Totalitarismusbuch, das Böse sei "radikal" und habe eine metaphysische Tiefendimension. Tatsächlich sei das Böse nur ein Oberflächenphänomen. Die hier anzuzeigende Berliner Dissertation von 2014 (Humboldt-Universität) analysiert Arendts Studie über die totalitäre Herrschaft.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Religion - Staat - Kultur Interdisziplinäre Studien aus der Humboldt-Universität zu Berlin
herausgegeben von
Christina von Braun, Volker Gerhardt, Wilhelm Gräb, Herfried Münkler, Richard Schröder

Die Reihe "Religion - Staat - Kultur. Interdisziplinäre Studien aus der Humboldt-Universität zu Berlin" veröffentlicht Texte, die Themen der Gegenwartskultur im Grenzbereich der traditionellen Disziplinen Philosophie, Theologie und Politikwissenschaft bearbeiten.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 8
Einleitung 9
Hintergrund und Relevanz der Untersuchung 9
Methode, Struktur und Quellen der Arbeit 18

1 Hannah Arendt über die totalitäre Herrschaft 22

1.1 Leben und Werk Hannah Arendts 25
1.2 Zu Begriff und Merkmal des Totalitarismus 37
1.3 Arendts Analyse der totalitären Herrschaft 50
1.3.1 Vorbemerkungen zum Buch Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft 51
1.3.2 Elemente und wesentliche Merkmale der totalitären Herrschaft nach Hannah Arendt 56
1.3.2.1 Totalitäre Bewegungen und Massenphänomen 57
1.3.2.2 Die Inszenierung der Führergestalt 62
1.3.2.3 Totalitäre Propaganda und Terror 64
1.3.2.4 Die Rolle der Ideologie 67
1.4 Resümee 71

2 Das Phänomen des Bösen unter der totalitären Herrschaft 74

2.1 Konzentrations- und Vernichtungslager 77
2.1.1 Zum Konzept des Konzentrationslagers 77
2.1.2 Arendts Analyse der Konzentrations- und Vernichtungslager 81
2.2 Das Phänomen des Bösen 92
2.2.1 Das »radikal Böse« 93
2.2.1 Die »Banalität des Bösen« 103
2.3 Resümee 129

3 Die Frage nach Schuld und Verantwortung 133

3.1 Die Schuldfrage 136
3.1.1 Kontroverse Debatten über die Kollektivschuld 137
3.1.2 Die Schuldfrage bei Karl Jaspers und der Briefwechsel Arendt—Jaspers 149
3.1.3 Die Schuldfrage bei Hannah Arendt 160
3.1.3.1 Organisierte Schuld 160
3.1.3.2 Schuld und Eskapismus 166
3.2 Die Verantwortungsfrage 169
3.2.1 Genese und Arten von Verantwortung 169
3.2.2 Die Problematik der Verantwortung unter dem NS-Totalitarismus 183
3.2.2.1 Kollektive Verantwortung 184
3.2.2.2 Persönliche Verantwortung: Eichmanns Fall 190
3.3 Resümee 196

4 Die Provokation des Guten: Sorgen um Menschen und Welt 198

4.1 Die Provokation des Guten 203
4.1.1 Menschen im Käfig der totalitären Herrschaft und Natalität 213
4.1.2 Gehorsam und Widerstand 221
4.1.3 Urteilen in finsteren Zeiten 237
4.2 Die Frage nach der Möglichkeit zum Verzeihen im Fall Eichmann 246
4.3 Die Idee der Menschheit und der Menschenrechte 254
4.4 Resümee 261

Fazit 263

Literaturverzeichnis 269