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Die Pornographie der Gesellschaft
Die Pornographie der Gesellschaft




Sven Lewandowski

Transcript
EAN: 9783837621341 (ISBN: 3-8376-2134-0)
316 Seiten, paperback, 15 x 23cm, 2012

EUR 29,80
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Über Pornographie wird gerade vor dem Hintergrund ihrer popkulturellen Normalisierung heftig gestritten. Zugleich mangelt es aber bislang an einer gesellschaftstheoretischen Durchdringung des Phänomens der zeitgenössischen Hardcore-Pornographie.

Anstatt fruchtlose moralische Debatten fortzuspinnen, stellt Sven Lewandowski die Frage nach dem Verhältnis der modernen Gesellschaft zu >ihrer< Pornographie auf neue Weise. Aus soziologischen, psychoanalytischen und systemtheoretischen Perspektiven zeigt er, dass Pornographie von latenten Bedeutungsgehalten lebt und den Wandel des Sexuellen sowohl reflektiert als auch vorantreibt.
Rezension
Der Titel des Buches ist Programm - und das ist gut so! Denn der Autor titelt bewußt "Die Pornographie der Gesellschaft" und eben nicht: "Die Pornographisierung der Gesellschaft"; denn letzteres würde schon einem populistischen Trend in Teilen des Gegenwarts-Feuilletons aufsitzen ... Der Autor geht seriöser, weniger Vorurteils-behaftet, objektiver, wissenschaftlicher an den in weiten Teilen der Gesellschaft noch immer tabuisierten Sachverhalt heran und lotet ihn differenziert und umfassend aus in sozialwissenschaftlicher Perspektive: psychoanalytisch, soziologisch und systemtheoretisch. Fazit: Nach Einschätzung des Autors reflektiert Pornographie den Wandel des Sexuellen in der Gesellschaft und treibt ihn gleichzeitig voran. Pornographie spielt beim Wandel des Sexuellen in der Gesellschaft eine wesentliche Rolle. Damit ist keine moralische Bewertung vollzogen, sondern eine gesellschaftliche Analyse.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagworte
Sexualität, Pornographie, Soziologie, Gesellschaftstheorie, Massenmedien, Kultur, Körper, Systemtheorie, Psychoanalyse, Popkultur
Adressaten
Soziologie, Medienwissenschaft, Psychologie, Sexualwissenschaft, Gender Studies sowie die interessierte Öffentlichkeit

Interview
... mit Sven Lewandowski

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Wer glaubt, Pornographie wäre nur Schweinkram, mit dem sich ernsthafte Wissenschaft nicht beschäftigen solle, braucht mein Buch wirklich nicht. Jenen jedoch, die dem Verhältnis von Pornographie, Sexualität und moderner Gesellschaft auf den Grund gehen und die Rolle der Pornographie beim Wandel des Sexuellen verstehen wollen, bietet mein Buch wertvolle Einsichten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Mein Buch nimmt Pornographie gesellschaftstheoretisch ernst und aus mannigfaltigen Perspektiven in den Blick. Ein zentraler Gewinn liegt u.a. darin, dass mein Buch Pornographie genauso behandelt wie jedes anderes gesellschaftliche Phänomen, d.h. mit sozialwissenschaftlichen Analysenmethoden anstatt mit moralischen Vorurteilen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mein Buch trägt dazu bei, wissenschaftliche wie öffentliche Debatten und Diskurse über Pornographie zu versachlichen und auf eine neue, gesellschaftstheoretisch fundierte Basis zu stellen. Gezeigt wird nicht zuletzt, dass Pornographie wesentlich vielschichtiger ist, als allgemein angenommen wird, und sich in ihr die Sexualität der modernen Gesellschaft ebenso reflektiert, wie Pornographie den Wandel des Sexuellen formt und vorantreibt. Mein Buch ermöglicht es, das Verhältnis von Pornographie, Sexualität und moderner Gesellschaft anders, fundierter und nüchterner zu analysieren, als es der massenmediale Moraldiskurs einer angeblichen ›Pornographisierung der Gesellschaft‹ vermag.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Sigmund Freud und Volkmar Sigusch (am liebsten mit beiden zugleich).

5. Ihr Buch in einem Satz:
Mein Buch untersucht die Pornographie der Gesellschaft aus psychoanalytischer, soziologischer und systemtheoretischer Perspektive, um die Analyse des Pornographischen auf neue gesellschaftstheoretisch fundierte Grundlagen zu stellen.

Sven Lewandowski (Dr. phil.) ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Politikwissenschaft und Sozialforschung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Lehrbeauftragter am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover und Mitglied des Beirats der Zeitschrift für Sexualforschung. Seine Forschungsschwerpunkte sind Sexualsoziologie, Soziologische Theorie und Systemtheorie. Bei transcript erschien von ihm »Sexualität in den Zeiten funktionaler Differenzierung« (2004).
WWW: www.SvenLewandowski.de

Editorial zur Reihe "Sozialtheorie":
Der "State of the Art" der Soziologie ist in Bewegung: zum einem durch einen tiefgreifenden Strukturwandel der (Welt-)Gesellschaft, zum anderen durch einen Wandel ihres eigenen kognitiven Repertoires, der alte theoretische Frontstellungen durch neuere Sichtweisen auf Gesellschaft und Sozialität ergänzt. Die Reihe Sozialtheorie präsentiert eine Soziologie auf der Höhe der Zeit: Beiträge zu innovativen Theoriediskussionen stehen neben theoriegeleiteten empirischen Studien zu wichtigen Fragen der Gesellschaft der Gegenwart.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung | 7

Der Traum der Pornographie | 13

Pornographie, Traum und Perversion | 14
Psychoanalytische Konzepte | 21
Exkurs: Latente Bedeutungsgehalte und die >Cultural Studies< | 33
Pornographische Auflösungen von Ambivalenzkonflikten -
Pornographie, Traum, Perversion und Neurose | 41
Latente Bedeutungsgehalte und >Pornographiegedanken< | 43
Fazit | 90

Internetpornographie | 93

Einleitung | 94
Technische Aspekte | 95
Das Angebot | 98
Randbereiche und abweichende Sexualitäten: Pädophilie, Zoophilie und Gewalt | 103
Porno 2.0 und die neue >Amateurpornographie< | 117
Unterkomplexität, Mannigfaltigkeit, konstruktivistische Lüste und virtuelles >cruising< | 141 Fazit | 146

Pornographie und die Semantik des Sexuellen | 151

Pornographie, Sexualität und romantische Liebe | 151
Niklas Luhmanns Konzept >Gesellschaftsstruktur und Semantik< | 153
Don Quijote, Emma Bovary und das Problem der Medienkompetenz - ein Exkurs | 156
Cleland, de Sade und die Entstehung der Pornographie | 160
Die Ausdifferenzierung der Pornographie als literarische Form und >soziales Problem< | 163
Diskurse über Sexualität: Pornographie und Psychopathologie | 164
Semantik und Genrebildung | 168
Fazit | 172

Selbstbeschreibungen - Pornographie und die Sexualität der Gesellschaft | 175

Pornographie und Sexualität - klassische Positionen | 176
Systemische Selbstbeschreibungen | 181
Selbst-und Fremdbeschreibungen - fremde Selbstbeschreibungen? | 183
Pornographische Selbstbeschreibungen | 192
Pornographie und die Sexualität der Gesellschaft | 202
Differenzen zu den Selbstbeschreibungen anderer Systeme | 206
Visuelle Selbstbeschreibungen jenseits von Texten und Theorien | 209
Die Entfesselung des Sexuellen und die Selbstbeschreibung des Sexualitätssystems | 220
Alternative (Selbst-)Beschreibungen des Sexuellen und die Dominanz der Pornographie | 222

Don't stop? - Über den Verlust von Stoppregeln | 227

Markt, Vergleichbarkeit und Rekursivität | 227
Sinnsysteme und Genres | 235
Entgrenzung und Abbau von Stoppregeln | 238
Die massenmediale Inszenierung von Authentizität | 240
Vom Ende der pornographischen Utopie 245
Expansion und >Grenzkonflikte< der Pornographie und des Sexuellen | 248
Brutalisierungstendenzen | 253
Strukturelle Kopplungen von Pornographie und Ökonomie | 267
Re-Etablierung von Stoppregeln und Kontextsteuerung | 271
Die Bedeutung außerökonomischer Motive - Amateurpornographie | 275

La femme machine und die >Wahrheit< körperlicher Lust | 279

Disziplinierung | 280
Pornographische Körperdisziplinierung und die Vermeidung sexueller Erregung | 281
Dressur | 283
Kontrollverluste und die Suche nach der Wahrheit des Körpers | 284
La femme machine funktioniert (nicht) | 298

Literatur | 301