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Der Schrei ist das einzig Ewige Die Romane Thomas Bernhards
Der Schrei ist das einzig Ewige
Die Romane Thomas Bernhards




Anette Horn, Peter Horn

Reihe: Beiträge zur Kulturwissenschaft


Athena Verlag
EAN: 9783898966177 (ISBN: 3-89896-617-8)
286 Seiten, paperback, 14 x 21cm, 2016

EUR 29,50
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Eine Interpretation der Werke von Thomas Bernhard ist fast unmöglich, da er – wie er selbst sagt – eine Sprache spricht, die nur er versteht. Das versetzt den Leser und Interpreten in eine fast unmögliche Situation. Anstelle der Wahrheit steht bei Thomas Bernhard die Authentizität der Stimme, des Körpers und der Geste. Die vorliegende Analyse der Romane von Thomas Bernhard geht von dem Satz aus: »Es kommt auf das Wie an, und das ist eben die Sprache.« In der Wiederholung der Geste werden die Texte zu einer Art musikalischer Komposition, die Sprache distanziert sich vom diskursiven Ausdruck und wird zur Musikalität. Die Romane stehen aber auch gegen die »unerträgliche und entsetzliche Existenz«. »Was die Schriftsteller ­schreiben / ist ja nichts gegen die Wirklichkeit«. Diesen Schrecken der Existenz zeigt die vorliegende Arbeit als den Kern des Werks von Thomas Bernhard. Gegen diesen Schrecken helfen weder die Kunst, noch die Philosophie oder die Musik. So besteht die Vorgehensweise der Autoren im Grunde aus nichts als Lesen; sie wollen Thomas Bernhard auf eine Art und Weise lesen, die vielleicht neue Einsichten ergibt.

Anette Horn ist Professorin der Germanistik an der University of the Witwatersrand. Publikationen zu Jean Paul, Heinrich von Kleist, Rilkes Lyrik, zu Franz Kafka, dem Weltbürgertum des 18. Jahrhunderts, dem deutschen Roman seit 2000, zu Nietzsches Begriff der décadence sowie Anna Seghers und der neueren deutschen Literatur. ­Heraus­geberin der Acta Germanica (2002–2009).

Peter Horn, 1974 bis 1999 Professor an der University of Cape Town, Honorary Fellowship auf Lebenszeit der University of Cape Town. Seit 2005 Honorary Professorial Research Associate an der University of the Witwatersrand. Zahlreiche Veröffentlichungen u. a. zu Heinrich von Kleist, Georg Büchner, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Max Frisch, Paul Celan, dem deutschen Roman seit 2000 und zu südafrikanischer Literatur. Vielfach ausgezeichneter südafrikanischer Lyriker.
Rezension
"Die Romane Thomas Bernhards" (Untertitel) (1931 - 1989) sind sehr stark autobiographisch geprägt un entziehen sich doch zugleich der einfachen Interpretation, weil sie eher Musikalität sind als Sprache (Thoas Bernhard hätte auch Musiker werden können bzw. wollen); sie sprechen ihre ganz eigene Sprache in ganz eigener Tonalität und Komposition. Das Autorenpaar sucht gleichwohl die Romane zu interpretieren, - im Nachsprechen und Nach-Musizieren ... Zunächst im Ruf des düsteren Nihilisten, dann des kompromisslosen Skandalschriftstellers, schließlich des grandiosen Übertreibungskünstlers: Thomas Bernhard hat mit seinem Werk, in dem sich persönliche Erfahrungen ebenso wie die jüngste Geschichte seiner Heimat Österreich spiegeln, internationalen Ruhm erlangt. Kein Autor hat nach dem Zweiten Weltkrieg die österreichische Öffentlichkeit so sehr polarisiert und Literatur so in den Focus der Öffentlichkeit gerückt wie Thomas Bernhard. Der in den Niederlanden als uneheliches Kind geborene österreichische Schriftsteller zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er beschäftigte sich zunächst wesentlich mit Lyrik, wechselte dann aber zu Prosa und Drama. Sein Grundgefühl, ungeborgen und ungeliebt zu sein, manifestierte sich auch in ungezügelter Kritik monologischer Tiraden gegen jedermann, insbesondere gegen den "katholisch-nationalsozialistischen" Staat Österreich: "Der Schrei ist das einzig Ewige" (Titel)

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 11

Die Sprache ist die Stimme des Menschen 11
Wiederholung 15
Sprache als Musik 16
Gegensätze 19
Übertreibungen 21
Ein gefährdeter Individualismus 22
Krankheit und Genie 26
Anarchismus 35
Kritik der Medizin 37
Natur 38
Selbstmord und Tod 39
Eine Schrift schreiben 42
Frost 47
Verstörung 85
Das Kalkwerk 105
Korrektur 133
Beton 151
Der Untergeher 169
Holzfällen: Eine Erregung 183
Alte Meister: Eine Komödie 207
Auslöschung 229
Kindheit 232
Nationalsozialismus 245
Katholizismus 247
Begräbnis als Schauspiel 249
Murau als Lehrer von Gambetti 255
Muraus Beziehung zu Maria 260
Die Vergangenheit ›auslöschen‹ 262
Die Authentizität der Stimme 265

Bibliografie 277
Thomas Bernhard Romane 277
Andere zitierte Werke Thomas Bernhards 277
Sekundärliteratur 278