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Christentum und Populismus Klare Fronten?
Christentum und Populismus
Klare Fronten?




Walter Lesch (Hrsg.)

Herder Verlag
EAN: 9783451379734 (ISBN: 3-451-37973-2)
232 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, 2017

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Das prekäre Verhältnis von Christentum und Populismus

Das Entsetzen ist groß, sobald Populisten nach religiösem Rückhalt suchen und sich dafür christliche Legitimationen zu Nutze machen. Aus guten Gründen werden extremistische politische Programme und die menschenfreundlichen Werte des Christentums als unversöhnliche Gegensätze gesehen. Um aber nicht auf einem Auge blind zu sein, sollten Christen ihre eigene komplizierte Geschichte mit dem Populismus anschauen. Denn ihr Denken ist nicht frei von Tendenzen, die in einer Außenperspektive als „populistisch“ oder fundamentalistisch bezeichnet werden können. Autoritätsfixiertheit, Pluralismusfeindlichkeit, Xenophobie, Kritik an Eliten, usw. sind ständige Begleiter von Volksreligion.

Dieses von Walter Lesch herausgegebene Buch verfolgt ein doppeltes Ziel: Die Beiträge haben die Absicht, die klare Positionierung gegenüber dem Populismus mit Argumenten zu untermauern und die Chance zu nutzen, einen selbstkritischen Blick auf „unheilige Allianzen“ zwischen Populismus und Religion zu werfen. Dies geschieht in der festen Überzeugung, dass nur der glaubwürdig gegen den Populismus auftreten kann, der vor der eigenen Haustür gekehrt und seine Altlasten entsorgt hat. Denn gerade Religionen sind nicht immun gegen populistische Muster der Sicht auf Politik und Gesellschaft. Wer sich dieser irritierenden Berührungspunkte bewusst ist, gewinnt an Glaubwürdigkeit und entdeckt neue Perspektiven der Weiterentwicklung seiner Überzeugungen. Unverzichtbar für alle politisch wachen Christen und aufmerksamen Beobachter der Religion.

Im Rahmen der aktuellen Kontroversen fällt auf, wie die christlichen Kirchen mit oft unmissverständlicher Schärfe gegen populistische Stimmungsmache und für ein Projekt aufgeklärter und toleranter Demokratie Partei ergriffen haben. Dieser Elan ist nachdrücklich zu begrüßen und soll auf keinen Fall gebremst werden. (Walter Lesch)

Mit Beiträgen von Regina Ammicht Quinn, Christoph Baumgartner, Michelle Becka, Daniel Bogner, Hille Haker, Marianne Heimbach-Steins, Michael Hölzl, Gerhard Kruip, Walter Lesch, Andreas Lob-Hüdepohl, Christof Mandry, Wolfgang Palaver, Hans Schelkshorn, Christian Staffa

Walter Lesch, geb. 1958, Dr. phil., Professor für Moralphilosophie und Sozialethik an der Université catholique de Louvain.
Rezension
Populismus und Fundamentalismus sind z.Zt. bedeutsame gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Themen. Der hier anzuzeigende Band wirft ein selbstkritisches Licht auf populismusaffine Tendenzen im Christentum, zumal Populisten nicht selten religiöse Legitimation suchen, zumal Autoritätsfixiertheit, Pluralismusfeindlichkeit, Xenophobie, Kritik an Eliten, usw. sind ständige Begleiter von Volksreligion sind. Erfreulich hingegen ist, wie die großen christlichen Kirchen in jüngster Zeit mit oft unmissverständlicher Schärfe gegen populistische Stimmungsmache und für ein Projekt aufgeklärter und toleranter Demokratie Partei ergriffen haben, sei es in der Asyldebatte und dem Familiennachzug, sei es gegenüber rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien wie der AfD. Die Beiträge des Buches haben die Absicht, diese klare Positionierung gegenüber dem Poulismus mit Argumenten zu untermauern.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9

Problemanzeigen

Religion und Populismus: Blinde Flecken der Wahrnehmung 12
Walter Lesch

Wider die Instrumentalisierung des Christentums.
Zur Unvereinbarkeit von neorechter Ideologie und christlicher Moral 26
Hans Schelkshorn

„Volk" als kritischer Topos der Theologie 38
Gerhard Kruip

Demokratie

Krise der Repräsentation - Ende der Demokratie? 50
Daniel Bogner

Neue Theorien radikaler Demokratie auf dem Prüfstand 62
Wolfgang Palaver

Europa als populistisches Feindbild - oder: was spricht für die Legitimität der Europäischen Union? 72
Christof Mandry

Gemeinschaft

Christliche Sozialkultur zwischen Kommunitarismus und Individualisierung 88
Marianne Heimbach-Steins

Prekäre Lebensverhältnisse und das Heilsversprechen kollektiver Identitäten 100
Walter Lesch

Wider den Populismus! Zur Verantwortung menschenrechtsbasierter Sozialer Arbeit 112
Andreas Lob-Hüdepohl

Exklusion und Gewalt

Islamophobie und die Kulturalisierung und quasi-religiöse Färbung von Bürgerschaft in den Niederlanden 126
Christoph Baumgartner

Kritik des Autoritarismus 136
Michelle Becka

„Make America Great Again" - Rechtspopulismus in den USA 147
Hille Haker

Differenzen kommunizieren

Das Aufbrechen von Stereotypen. Lernerfahrungen aus der Geschichte des jüdisch-christlichen Gesprächs 162
Christian Staffa

Populismus und Genderfragen. Die Angst vor der Unordnung der Geschlechter 174
Regina Ammicht-Quinn

Die normative Kraft des Kontrafaktischen. Populistische Positionen zwischen Ideal und Lüge 187
Michael Hoelzl

Ausblick

Perspektiven der Auseinandersetzung mit dem Populismus in Religion, Politik und Gesellschaft 200
Walter Lesch


Anmerkungen 209
Die Autorinnen und Autoren 227