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Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline- Störung Ein Praxisbuch für Therapie, Betreuung und Beratung
Bindungsgestörte Kinder und Jugendliche mit einer Borderline- Störung
Ein Praxisbuch für Therapie, Betreuung und Beratung




Ronald Hofmann

Klett-Cotta
EAN: 9783608943146 (ISBN: 3-608-94314-5)
269 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2002

EUR 22,50
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Der Autor beschreibt die Tragweite solcher Erfahrungen für die menschliche Entwicklung und zeigt ihre Bedeutung für die Entstehung von Borderline-Störungen. Diese stellt er vor dem Hintergrund der Entwicklungsdefizite der Bindungsbeziehungen dar und berücksichtigt dabei das gesamte Spektrum von der frühen primären Bindung bis hin zur Störung der Beziehungs- und Identitätsentwicklung im Kindes- und Jugendalter. Die Besonderheiten dieser Fälle stellen die therapeutischen und betreuenden Bezugspersonen oftmals vor extreme Schwierigkeiten, die in einem Gefühl von Hilflosigkeit enden; Bindungsabbrüche durch die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind nicht selten die Folge. Der bindungstheoretische Ansatz nach John Bowlby stellt diejenigen Strategien bereit, mit deren Hilfe es möglich wird, die beschriebenen Entwicklungsverläufe durch therapeutisch und prognostisch wirksame Maßnahmen in ihrem chronifizierenden Verlauf positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus vermittelt das Buch aus bindungstheoretischer Sicht eigene Erfahrungen des Autors, die ein feinfühliges, haltgebendes bzw. aushaltendes und damit sicheres therapeutisches Bindungsverhalten ermöglichen sollen.
Rezension
»... Es wäre zu wünschen, dass viele Kostenträger dieses Buch lesen, um eine zum Teil restriktive Kostenbewilligung für diese Klientel in Kinder- und Jugendpsychiatrien und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe zu verändern. ...
Die Eingangsüberlegung, ob bei Kindern und Jugendlichen eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden sollte, möchte ich mit Ronald Hofmann beantworten, der sagt, dass vor allem die Darstellung der borderlinetypischen Phänomene angestrebt ist. Dies sind in ihrer Qualität der Zusammengehörigkeit von Erscheinungsbildern beobachtbar und im Betreuungs- und Therapieprozess mit diesen Kindern für jede Bezugsperson spürbar. Somit bedürfen sie der adäquaten Behandlung, damit nicht im Erwachsenenalter tatsächlich eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden muss.«
Hartwig Beilfuß (Zeitschrift für Transaktionsanalyse, 2/2003)
Verlagsinfo
Das Konzept der Bindung, das man als übergreifenden Wirkfaktor aller Therapiemethoden betrachten kann, stellt die Grundvoraussetzung für psychotherapeutisches Arbeiten schlechthin dar.
Man bezeichnet sie fast abfällig als »Pendeltürkinder« und meint damit Kinder und Jugendliche, die Demütigungen, Erniedrigung, fehlende Liebe, Gewalt und damit verbundenene tiefe emotionale Verletzungen erfahren haben. Die Betroffenen reagieren meist mit aggressiven, selbstdestruktiven und delinquenten Verhaltensweisen und werden oft schon frühzeitig zu »Wanderern« zwischen Elternhaus, Jugendhilfe, Psychiatrie und Strafsystem.

Der Autor beschreibt die Tragweite solcher Erfahrungen für die menschliche Entwicklung und zeigt ihre Bedeutung für die Entstehung von Borderline-Störungen. Diese stellt er vor dem Hintergrund der Entwicklungsdefizite der Bindungsbeziehungen dar und berücksichtigt dabei das gesamte Spektrum von der frühen primären Bindung bis hin zur Störung der Beziehungs- und Identitätsentwicklung im Kindes- und Jugendalter. Die Besonderheiten dieser Fälle stellen die therapeutischen und betreuenden Bezugspersonen oftmals vor extreme Schwierigkeiten, die in einem Gefühl von Hilflosigkeit enden; Bindungsabbrüche durch die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind nicht selten die Folge. Der bindungstheoretische Ansatz nach John Bowlby stellt diejenigen Strategien bereit, mit deren Hilfe es möglich wird, die beschriebenen Entwicklungsverläufe durch therapeutisch und prognostisch wirksame Maßnahmen in ihrem chronifizierenden Verlauf positiv zu beeinflussen. Darüber hinaus vermittelt das Buch aus bindungstheoretischer Sicht eigene Erfahrungen des Autors, die ein feinfühliges, haltgebendes bzw. aushaltendes und damit sicheres therapeutisches Bindungsverhalten ermöglichen sollen.
Inhaltsverzeichnis
Danksagung 11
Zielsetzung des Buches 13

Wie borderlinegestörte Kinder und Jugendliche sind
und was sie selber erleben 23

1 »Borderline-Angst« und ihre Folgen für die Beziehungsgestaltung und Identitätsentwicklung 25
Die gestörte Beziehungsgestaltung als Ausdruck einer gestörten Bindungsentwicklung 26
»Verlaß mich nicht!« Die imperative Angst und ihre Auswirkung 28
Wie sich die »Borderline-Angst« äußern kann - die Studie 34

2 Das subjektive Erleben bei Regulationsstörungen der affektiven Entwicklung 39
Die subjektive Erlebenswelt der Borderline-Störung 39
Die Unfähigkeit, Wut zu kontrollieren 44
Impulsives Verhalten und seine Folgen für die individuellen Entwicklungswege 46
Affektive Instabilität 105

3 Das subjektive Erleben bei reflexiv-emotionalen Regulationsstörungen 110
Die Entwicklung der Borderline-Persönlichkeitsorganisation 110
Regulationsstörungen als Anpassungsentwicklungen 113
Die reflexiv-emotionalen Regulationsstörungen aus empirisch-entwicklungspsychologischer Perspektive 121
Spaltung 132
Primitive Idealisierung 136
Entwertung 139
Omnipotenz 141
Projektive Identifizierung und Identifizierung mit dem Angreifer 143

4 Das subjektive Erleben bei Regulationsdefiziten in der Realitätsorientierung 147
Das Selbstwerterleben 149
Die Beziehungsgestaltung 150
»Münchhausen-Syndrorn« und andere realitätsinadäquate Phantasien 157
Realitätsverlust und präpsychotische Episoden 163
Realitätsinadäquate Phantasien und Substanzenmißbrauch 168

5 Das subjektive Erleben bei der borderlinetypischen Selbstwertstörung 177

6 Borderline-Störung und Bezugssysteme 179
Übertragung von traumatischen Bindungserfahrungen auf verantwortliche Bezugspersonen 179
Gesteigerte selektive Sensibilität in der Wahrnehmung von Bezugspersonen 182
Theoretische Grundlagen 189

7 Die Bindungstheorie 191
Bindung als Entwicklungsaufgabe 191
Historischer Hintergrund der Bindungsforschung 192
Grundannahmen der Bindungstheorie 194
Bindungsstörungen 202

8 Zur Theorie der Identitätsentwicklung 207
Vorläufer der Identitätsentwicklung in der frühen Kindheit 208
Identitätsentwicklung bis in das Jugendalter 211

9 Klinisch-entwicklungspsychopathologische Perspektive der
Borderline-Persönlichkeitsorganisation 215
Die Borderline-Persönlichkeitsorganisation als entwicklungsdynamisches Modell 215
Die Herausbildung der Borderline-Persönlichkeitsorganisation 221
Die Implikation der Bindungsforschung für Betreuung und Behandlung 223

10 Entscheidende Weichenstellungen in der Therapie der Borderline-Störung 225
Notwendigkeit und Chancen der multimodalen Betreuung 225
Therapeuten und verantwortliche Betreuungspersonen als »sichere Basis« 228
Die »sichere Basis« und die Entwicklung selbstreflexiver Fähigkeiten 234
»10 Gebote zur Bindungsentwicklung« 240

Literatur 242
Übersicht zu Arbeiten über die Borderline-Störung im Kindes- und Jugendalter 242
Allgemeines Literaturverzeichnis 245
Glossar 258

Anhang: Therapieverlaufsfragebogen zur Bindungsstörung vom Borderline-Typ (VBBT) 264
Register 268