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Bindungsentwicklung und Bindungsstörung
Bindungsentwicklung und Bindungsstörung




Klaus U. Ettrich

Thieme Verlag
EAN: 9783131367617 (ISBN: 3-13-136761-X)
180 Seiten, kartoniert, 17 x 24cm, 2004

EUR 39,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Entwicklung früher Bindungen an wesentliche Bezugspersonen ist entscheidend für das gesamte Leben eines Menschen. So lassen gelungene Bindungen die betreffenden Personen Krisen und Herausforderungen besser bewältigen, während misslungene Bindungeneine wesentliche Grundlage für psychische Störungen darstellen. Mit Hilfe spezifischer Methoden ist es inzwischen möglich, die Zusammenhänge von Bindung und Persönlichkeitsentwicklung vom Kleinkind bis ins Erwachsenenalter nachvollziehbar undbelegbar zu machen.

In dem vorliegenden Buch werden die verschiedenen Entwicklungswege auf dem Hintergrund gelung ener und misslungener früher Bindungsentwicklung nachvollzogen und andererseits Bindungsmuster in ihrer prognostischen Bedeutung für eine gelingende Persönlichkeitsentfaltung dargestellt.



Klaus Udo Ettrich: Prof. Dr. Klaus Udo Ettrich (geboren 1939) ist Inhaber des Lehrstuhles Entwicklungspsychologie an der Universität Leipzig. Seine Forschungenkonzentrieren sich auf die Entwicklungspsychologie der Lebensspanne mit den Schwerpunkten Übergang zur Elternschaft, frühkindliche Entwicklung, psychische und physische Veränderungen im Jugendalter sowie im mittleren und höheren Erwachsenenalter. Die Bindungsthematik spielt dabei in allen Altersabschnitten eine besondere Rolle, wodurch sich naturgemäß eine enge Verbindung zu klinisch-psychologischen Fragestellungen ergibt.
Rezension
Unser Leben entwickelt sich vor allem in Bindungen. Geglückte und nicht geglückte Bindungen prägen unsere Erfahrungen und Lebenseinstellungen. Die Qualität der Bindung kann zu einem geglückten und ausgeglichenen Leben führen oder aber zu schwerwiegenden psychischen Störungen. Die Bindungsforschung beschäftigt sich mit Hilfe spezieller Methoden mit dem Zusammenhang von Bindung und Persönlichkeitsentwicklung. Im vorliegenden Fachbuch erhält der Leser einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung.

Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Teil I: Bindungsentwicklung
1 Erkenntnisse und Methoden der Bindungsforschung

Klaus Udo Ettrich
1.1 Wichtige Erkenntnisse
1.1.1 Bedeutung für die Entwicklungspsychologie
1.1.2 Bedeutung für die Psychopathologie
1.1.3 Bedeutung für die Psychotherapie
1.2 Methoden der Bindungsforschung
1.2.1 Erfassung der Bindungsqualitäten im Kleinstkindalter
1.2.2 Beurteilung des Bindungsverhaltens bei Sechsjährigen
1.2.3 Methoden im Jugend- und Erwachsenenalter
1.3 Weiterführende Überlegungen

2 Organisationsebenen des Bindungssystems
Oskar Frischenschlager
2.1 Einbindung in den Kanon wissenschaftlicher Disziplinen
2.2 Psychotherapierelevante Konzepte der Bindungsforschung
2.3 Relevanz der Bindung für die Psychopathologie
2.4 Das „Schicksal“ des Bindungssystems, Bindung beim
Erwachsenen, methodische Probleme
2.5 Organisationsebenen der Kommunikation

3 Einfluss von präpartalem Bindungsverhalten auf die Mutter-Kind-Bindung
im Alter von 0,6 bzw. 6,0 Jahren und seine Objektivierung anhand
intrauteriner Fetalbewegungen

Helmut Niederhofer und Alfons Reiter
3.1 Notwendigkeit des Einbezugs der vorgeburtlichen Zeit in die Bindungsforschung
3.2 Probanden und Methoden
3.3 Ergebnisse zur Vorhersage der Bindungsmuster im Alter von Jahren
3.4 Diskussion und Folgerungen

4 Bindung, motorische Entwicklung und das Erleben der familiären Situation
durch die Eltern im 12. Monat des Kindes

Rüdiger Kißgen
4.1 Bindungsforschung bei Kindern mit Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen
4.2 Zielsetzung der Studie/Fragestellungen
4.3 Stichprobe und Methodik
4.3.1 Stichprobe
4.3.2 Verwendete Inventare
4.4 Ergebnisse
4.4.1 Mutter-Kind-Bindungsqualität
4.4.2 Subjektives Erleben der familiären Situation durch die Eltern
4.5 Diskussion
4.5.1 Mutter-Kind-Bindung im 12. Monat
4.5.2 Das Erleben der familiären Situation durch die Eltern und die motorische
Entwicklung des Kindes im 12. Monat
4.5.3 Das Erleben der familiären Situation durch die Eltern unter
Berücksichtigung der motorischen Entwicklung und der Mutter-Kind-
Bindung im 12. Monat
4.5.4 Schlussfolgerungen

5 Bindungstheoretische Betrachtung des „Lust-und-Laune“-Phänomens (LLP)
Mechthild Saupp,M ichael Müller und Wolf-Rüdiger Minsel
5.1 Beziehungen zwischen Bindungsqualitäten und dem LLP
5.2 Methodisches Vorgehen
5.2.1 Merkmale der Bindungstypen und des „Lust-und-Laune“-Phänomens
im Vergleich
5.2.2 Qualitative Datenanalyse unter Einbezug des AAI
5.3 Ergebnisse der Datenbewertung und ihre Absicherung
5.4 Diskussion der Ergebnisse
5.5 Ausblick

6 Bindungsentwicklung und Bindungsstörung unter besonderer
Berücksichtigung des „Parental-Alienation-Syndroms“ (PAS)

Werner Leitner
6.1 Bindung und Lebensereignis
6.2 Grundsätzliche Vorüberlegungen im Blickfeld einer in der bisherigen
Praxis üblichen Diagnostik
6.2.1 Begriffliche Vorüberlegungen
6.2.2 Implikationen einer Bestandsaufnahme
6.2.3 Weiterführende Aspekte
6.3 Zur Ätiologie des PAS-Syndroms
6.3.1 Entstehung und Aufrechterhaltung von PAS
6.3.2 Stabilisierung und Manifestierung
6.4 Interventionsmöglichkeiten
6.4.1 Grundsätzliches zur Intervention
6.4.2 Spezifische Interventionen
6.4.3 Verfahrenspflegschaft als flankierende Maßnahme
6.5 Ausblick

7 Bindungsmuster bei psychisch auffälligen Jugendlichen
Kristin Hartwig,Kl aus Udo Ettrich und Christine Ettrich
7.1 Zunehmendes Interesse an der Bindungsforschung
7.2 Historischer und theoretischer Hintergrund der Bindungstheorie
7.2.1 Erfassung von Bindungscharakteristika im Jugendalter
7.2.2 Einsatz von Bindungsinterviews
7.2.3 Bindung im Jugendalter
7.3 Darstellung ausgewählter Forschungsergebnisse des Projektes „BiJu“
7.3.1 Methodisches Vorgehen
7.3.2 Stichprobenbeschreibung
7.3.3 Ergebnisdarstellung
7.4 Welche therapeutischen Implikationen lassen sich aus bindungstheoretischer
Sicht aufzeigen?
7.5 Diskussion und Ausblick

8 Bindung und Anpassung im Erwachsenenalter:
Zusammenhänge zwischen sexuellem Missbrauch,
Bindungsrepräsentation und psychischer Gesundheit

Vera Brachmann,Juli a Hildebrand und Katja Mackowiak
8.1 Standortbestimmung und Definitionen
8.2 Stichprobe und Methode
8.2.1 Stichprobe
8.2.2 Methode
8.3 Hypothesen
8.4 Ergebnisse
8.5 Diskussion

9 Bindungsstrategien bei jugendlichen Straftätern
Michaela Jünemann und Klaus Udo Ettrich
9.1 Zielsetzung – Analyse von Bindungen bei Straffälligen
9.2 Die Grundannahmen der Bindungstheorie
9.2.1 Charakteristik internaler Arbeitsmodelle
9.3 Bindung und Delinquenz
9.3.1 Forty-four juvenile thieves
9.3.2 Die Rolle der Mentalisierungsfähigkeit für das
Verständnis delinquenten Verhaltens
9.4 Das Projekt Bindungsentwicklung im Jugendalter (BiJu)
9.4.1 Stichprobe
9.4.2 Methode zur Erhebung der Bindungsstrategie
9.5 Ergebnisse
9.5.1 Ergebnisse zur biographischen Analyse
9.5.2 Analyse der Bindungsstrategien
9.6 Diskussion und Ausblick

Teil II: Bindungsstörungen und ihre Behandlung unter besonderer Berücksichtigung von
Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typ
10 Bindungsstörungen und Möglichkeiten der therapeutischen Einflussnahme

Christine Ettrich
10.1 Einführung in die Problematik
10.2 Bindungsstörungen
10.3 Möglichkeiten der therapeutischen Einflussnahme auf gestörtes Bindungsverhalten
10.4 Ausblick

11 Borderline-Persönlichkeitsstörungen
Wolfgang Milch und Frank Leweke
11.1 Einleitung
11.2 Vorstellungen über die Kindheit späterer Borderline-Patienten
11.3 Hauptsymptome der Borderline-Störung
11.3 Schlussfolgerungen

12 Theory of Mind und die Fähigkeit zur Selbstreflexion: Der Beitrag
entwicklungspsychologischer und bindungstheoretischer Konzepte zum
Verständnis der Emotionsregulationsstörung bei Borderline-Patienten

Elke Daudert,Joc hen Eckert und Josef Aldenhoff
12.1 Einleitung
12.2 Die Borderline-Persönlichkeitsstörung
12.2.1 Symptomatik
12.2.2 Epidemiologie
12.2.3 Genese
12.3 Theory of Mind und Konzept der Selbstreflexivität
12.3.1 Definition
12.3.2 Der intergenerationale Aspekt der Fähigkeit zur Selbstreflexivität
12.3.3 Die Fähigkeit zur Selbstreflexivität und das Konzept des Affekt-Containments
12.4 Methoden zur Erfassung der Fähigkeit zur Selbstreflexivität
12.4.1 Die Skala des Reflexiven Selbst
12.5 Die Bedeutung von Traumatisierungserfahrungen für
die Entwicklung metakognitiver, reflexiver Fähigkeiten
12.6 Theory of Mind als entwicklungspsychologisches
Erklärungsmodell zum Verständnis der Borderline-Persönlichkeitsorganisation
12.6.1 Empirische Befunde
12.6.2 Borderline-Symptomatik als Folge einer Schädigung der reflexiven Funktion
12.7 Die psychotherapeutische Behandlung von Borderline-Patienten
12.7.1 Ergebnisse der Psychotherapieforschung:
Prognose und Verlauf der Borderline-Störung
12.7.2 Ergebnisse der Kieler Psychotherapiestudie
12.7.3 Traditionelle psychotherapeutische Behandlungsansätze

13 Bindungsentwicklung – Bindungsstörung – selbstverletzendes/suizidales
Verhalten: eine Fallvignette

Christine Ettrich
13.1 Zielstellung und Vorstellung der Patientin
13.2 Entwicklung der familiären Situation und Ausbildung der Symptomatik
13.3 Psychodiagnostik
13.4 Verlauf der Behandlung
13.5 Ausblick

14 Der Verlaufsbeobachtungsbogen – ein Instrument zur Abbildung von
Bindungsprozessen bei der Betreuung von borderlinegestörten Kindern und Jugendlichen

Matthias Huth,R onald Hofmann und Klaus Udo Ettrich
14.1 Einführung und Zielsetzung der Untersuchung
14.2 Entwicklung des Verlaufsfragebogens zur Diagnostik von
Bindungsbeziehungen und der Bindungsentwicklung bei
borderlinegestörten Jugendlichen (VFB)
14.3 Stichprobe
14.4 Ergebnisse
14.4.1 Ergebnisse der Strukturanalyse
14.4.2 Befunde aus dem pädagogisch-therapeutischen Betreuungsprozess

15 Die Entwicklung des Bindungsverhaltens bei erwachsenen Borderline-
Patienten und Schizophrenen im betreuten Wohnen

Martin Urban
15.1 Einstimmung
15.2 Grundgedanke: betreutesWohnen als Rahmen für eine nachholende Bindungsentwicklung
15.3 Empirische Ergebnisse
15.4 Schlussfolgerungen

Literatur

Sachverzeichnis