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Aus der Tabuzone ins Leben Hospizarbeit als Beitrag einer modernen Ars moriendi Theologie im Gespräch; Band 9
Aus der Tabuzone ins Leben
Hospizarbeit als Beitrag einer modernen Ars moriendi


Theologie im Gespräch; Band 9

Verena Begemann

Verlag die blaue Eule
EAN: 9783892060802 (ISBN: 3-89206-080-0)
107 Seiten, kartoniert, 15 x 21cm, 2001

EUR 12,50
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Themenstellung: Ars moriendi - die Kunst des Sterbens - ist in einer fortschrittlichen und konsumorientierten Leistungsgesellschaft zu einem wahrhaftigen Fremdwort geworden. Eine reflektierte Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit darf weder Raum noch Zeit einnehmen, um gegenwärtige Systemimperative nicht zu gefährden. Die Tabuisierung von Sterben und Tod ist zu einem konstituierenden Element geworden. Der Sterbeprozess vollzieht sich heute hinter den Kulissen der Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime. Daraus resultiert eine enorme Sprach- und Hilflosigkeit im Umgang mit sterbenden und trauernden Menschen.

Der Hospizbewegung ist es gelungen, die Kunst des Sterbens für eine pluralisierte und individualisierte Gesellschaft neu zu definieren. Sie zeigt, wie eine sinnvolle Integration des Todes durch die ethischen Grundhaltungen der Solidarität, Verantwortung und Nächstenliebe gelingen kann.

Dieses Buch gibt einen Einblick in die Rahmenbedingungen von sterblichen und sterbenden Menschen. Es wird aufgezeigt, wie eine distanzierte Haltung gegenüber herrschenden Strukturen dazu beitragen kann, die eigene Lebensgrenze wieder neu zu akzeptieren.



Die Autorin: Verena Begemann, geb. 1971 in Bad Oeynhausen, studierte von 1997 bis 2000 Sozialarbeit und Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Hannover. Freiwillige Mitarbeit im Hospizkreis Minden. Im Rahmen des Studiums Produktion einer Radiosendung zur regionalen Hospizbewegung in Kooperation mit dem Hospizkreis Minden. Zur Zeit als Dipl.-Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr im Sozialpsychiatrischen Dienst des Kreises Herford tätig.
Rezension
Dieses schmale Bändchen, eine Diplomarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Sozialwesen an der Evangelischen Fachhochschule Hannover, kann sehr nützlich sein im Rahmen einer Unterrichtseinheit über Leid und Tod in der modernen Gesellschaft. Die Tabuisierung von Leid und Tod wird ebenso thematisiert wie das anonyme Sterben hinter den Kulissen und die weitgehende gesellschaftliche Sprachlosigkeit angesichts des Todes. Es bleibt aber nicht bei der Negativ-Analyse, sondern mit Hilfe eigener Erfahrung aus der Hospizarbeit gelingt der Verfasserin der Entwurf einer Alternative „aus der Tabuzone ins Leben“: sie begreift die heutige Hospizbewegung als Neuformulierung der mittelalterlichen „Ars Moriendi“, der Kunst des Sterbens und ihres „Memento Mori“, ihres Eingedenkens an Tod und Sterben.

Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
VORWORT 7

1 DER UNSINN DES TODES IN DER MODERNE 11

1.1 Tabuisierung als Strukturmerkmal der modernen Gesellschaft 11
1 2 Die Kolonialisierung der Lebenswelt 16
1.3 Funktionsfähigkeit durch individuelle Verdrängung der Endlichkeit 18
1.4 Arbeit und Konsum als Sinnersatz 21
1.5 Ökonomisierung der Lebenszeit 24

2 STERBLICHE UND STERBENDE IN DER KOLONIALISIERTEN LEBENSWELT 29

2.1 Sterben hinter den Kulissen 29
2.2 Sterben im "System Krankenhaus" 32
2.3 Die Sprachlosigkeit des Todes 36
2.4 Der Markt der Religiosität 40
2.5 Das Leben als letzte Gelegenheit 44

3 STERBEN UND TOD IN ABENDLÄNDISCH CHRISTLICHER TRADITION 47

3.1 Lebenssattes Sterben 47
3.2 Ewiges Leben durch Glauben 50
3.3 Eros als Motor zur Unsterblichkeit der Seele 52
3.4 Die göttliche Idee der unsterblichen Seele 55

4 DIE HOSPIZBEWEGUNG ALS MODERNE "ARS MORIENDI" 59

4.1 Geschichte der Hospizbewegung 59
4.2 Grundsätze der Hospizarbeit 62
4.3 Hospizialisierung von Sterben und Tod 65
4.4 Sterbebegleitung im Krankenhaus 68
4.5 Lebensweltliches Sterben zu Hause 70

5 DURCH EIN MODERNES "MEMENTO MORI" DAS LEBEN GESTALTEN LERNEN 75

6 SOZIALE ARBEIT ALS WEGBEGLEITUNG ZU EINEM SINNVOLLENDETEN LEBEN 77

6.1 Lebensweltorientierung als Handlungsansatz Sozialer Arbeit 77
6.2 Ethische Grundhaltungen Sozialer Arbeit 82
6.3 Personenzentrierte Beratung im Umgang mit Sterbenden und Trauernden86
6.4 Vernetzung statt funktionaler Zergliederung 94
6.5 Carpediem 96

LITERATURVERZEICHNIS 101