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Antike philosophische ARS MORIENDI und ihre Gegenwart in der Hospizpraxis   Zugl.: Münster (Westf.), Univ., Diss., 2009
Antike philosophische ARS MORIENDI und ihre Gegenwart in der Hospizpraxis


Zugl.: Münster (Westf.), Univ., Diss., 2009

Andreas Stähli

Reihe: Münsteraner Philosophische Schriften


LIT
EAN: 9783643104922 (ISBN: 3-643-10492-8)
264 Seiten, paperback, 17 x 24cm, 2010

EUR 24,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Antike abendländische und östliche "ars moriendi" bildet Antworten auf die Herausforderung menschlicher Existenz: den Tod. Dabei entfaltet sie sich als eine spezifische Typologie der "Einübung in das Sterben", die in der Frage nach der "Einübung auf den Tod" den Kern moderner hospizlicher Praxis trifft. Dies geschieht noch vor den Toren einer christlich geprägten "ars moriendi", die die geschichtliche wie inhaltliche Grenze der vorliegenden Untersuchung bildet. Gewinnend ist es - in Anlehnung an ein Wort des daoistischen Meisters Lao-tse - sich der Wege des Altertums zu erinnern, um so das Sein der Gegenwart zu meistern.
Rezension
Die demographische Entwicklung ist eindeutig: Die Menschen (in der sog. 1.Welt) werden immer älter, zugleich gibt es immer weniger junge Menschen, die Versorgung und Pflege der Alten übernehmen können. Hinzu kommen neue medizintechnische Möglichkeiten, die das Leben verlängern können, aber auch verstärkte Pflegenotwendigkeit mit sich bringen. Durch die zunehmende Erosion traditioneller Familienverhältnisse und die steigende Vereinzelung in der Gesellschaft wird der Sterbeprozess selbst zunehmend problematisch. Das gilt besonders für sog. austherapierte Patienten, die das Krankenhaus verlassen müssen. Hier setzt die Hospizarbeit ein. Diese Dissertation prüft, inwiefern die antik-philosophische, mittelalterlich-christliche und fernöstlich-religiöse Ars Moriendi (Kunst des Sterbens) heute in der Hospizarbeit gegenwärtig ist.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
ABKÜRZUNGEN 10

EINLEITUNG 12

ERSTER TEIL:
ANTIKE PHILOSOPHISCHE „ARS MORIENDI" 17


KAPITEL I:
ANTIKE ABENDLÄNDISCHE „ARS MORIENDI" 17

1. Platon: Philosophie als „Sterben lernen" (μελετη θανατου) 17

Einleitung 17
A. Elemente von „Sterben lernen" 18
a. Selbsterkenntnis 20
b. Einkehr und Prüfung 21
c. Reinigung 22
d. Wertschätzung innerer Güter 23
e. Geringschätzung der Affekte 24
f. Aufschwung zu den Ideen 30
g. „Sterben lernen" - Übung des Lebens und des Sterbens 31
B. Die rationale Substanz von „Sterben lernen" 34
C. „Sterben lernen" und seine Stellung im Werk Platons 36
D. Im Rigorismus von Stärke und Nutzen 39
E. „Sterben lernen" und das Unverfügbare 42

2. Aristoteles: Philosophie als „Sterben lernen"? 45

Einleitung 45
A. „Das Furchtbarste aber ist der Tod" - aristotelische Spuren 45
a. Hylemorphismus 45
b. Affekte - Todesfurcht und Mitleid 47
c. Philosophie als „Sterben lernen" 53
B. „Sterben lernen", Todesfurcht und Verletzbarkeit - eine Platonkritik auf aristotelischem Feld 57 a. Wider die Unverletzbarkeit: M. C. Nussbaums Platonbild und Aristotelesverständnis 57
b. „Sterben lernen", Todesfurcht und Verletzbarkeit 67

3. Epikur: Philosophie und „Sterben lernen" 69

Einleitung 69
A. Elemente von „Sterben lernen" 71
a. Bedürfnisreduktion: Selbstgenügsamkeit und Einfachheit in den Gütern 78
b. Katastematische Lust: Angstfreiheit, Geringschätzung des Schmerzes - gelöste Gelassenheit 79
c. Einkehr und Aufstieg: Homoiosis 82
B. Die therapeutische Funktion der Vernunft 85
a. Der instrumentelle Charakter der Vernunft 85
b. Kritische Einordnungen 89

4. Seneca: Philosophie als „ars moriendi" 100

Einleitung 100
A. Elemente einer „ars moriendi" 104
a. Selbstprüfung und Selbsterkenntnis auf dem Weg zu sittlicher Vollkommenheit 107
b. Gegen Äußerlichkeit in den Gütern - „Alles ist geborgt" 108
c. Umgang den Affekten 109
d. Umgang mit der Zeit 119
e. Amor fati 121
B. „Ars moriendi" und Rationalität in therapeutisch-pädagogischem Kontext 125
a. Philosophie als Therapie und Pädagogik 125
b. Kritik des Vernunftprimates 128
c. „Aufbruch": M. Nussbaums Seneca - Perspektive 131

KAPITEL II:
ANTIKE ÖSTLICHE „ARS MORIENDI" 137

1. Upanisadphilosophie: „Vom Tod führe mich zur Todlosigkeit" 139

Einleitung 139
Elemente zu einer „Befreiung im Leben" (jivan-mukti) 145
a. Askese 147
b. Einkehr und Aufstieg 148
c. Einheit (SELBST-Erkenntnis) 154

2. Der Yoga Patanjalis: „Stillstehen in der eigenen (wahren) Natur" 158

Einleitung 158
Elemente der Befreiung 160
a. Der Atem 160
b. „Stilllegung der Bewegungen des Denkens" 162

3. Früher Buddhismus: „Geöffnet sind die Türen zur Todlosigkeit" 164

Einleitung 164
Elemente der Befreiung „in diesem gegenwärtigen Leben" 166
a. Die Dekonstruktion der Ich-heit 166
b. Die Achtsamkeit: strenge Selbstbeobachtung und Ekelmeditation 169
c. Die Herzensbefreiung 172

4. Der Daoismus: „Im Dào des Nicht-Sterbens" 174

Einleitung 174
Elemente der Emanzipation 177
a. „Zur leeren Mitte" 177
b. „Entlang der Bewegung" 180
c. „Im Zentrum des Strudels und Gefährte der Strömung" 181

KAPITEL III:
PHILOSOPHISCHE ÜBUNGEN ANTIKER „ARS MORIENDI" UND IHRE TYPOLOGIE 185

ZWEITER TEIL:
ANTIKE „ARS MORIENDI" UND MODERNE HOSPIZPRAXIS 194


Einleitung 194
1. Das Hospizkonzept 196
2. Die Tragfähigkeit philosophischer Übungen antiker „ars
moriendi" in der Hospizpraxis 202
a. Antike „ars moriendi" in der letzten Lebenszeit 202
b. Antike „ars moriendi" für die Begleitenden 219
c. Kritik des Tragfähigkeit 227
3. Antike „ars moriendi" im Zeichen von Pluralismus und Multikulturalismus 232

ZUSAMMENFASSUNG UND ERTRAG 234

EPILOG 237
LITERATURVERZEICHNIS 245