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ALDI einfach billig Ein ehemaliger Manager packt aus Mit einem Vorwort von Günter Wallraff
ALDI einfach billig
Ein ehemaliger Manager packt aus


Mit einem Vorwort von Günter Wallraff

Andreas Straub

Reihe: rororo Taschenbuch


RoRoRo
EAN: 9783499629594 (ISBN: 3-499-62959-3)
336 Seiten, paperback, 13 x 19cm, April, 2012, auch als Digitalbuch erhältlich

EUR 8,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Aldi - das ist das Vorbild aller Discounter und für viele Kunden inzwischen Kult. Aldi setzt Maßstäbe. auch im Negativen, wie der ehemalige Aldi-Süd-Manager Andreas Straub in diesem Buch enthüllt. Extrem hoher Arbeitsdruck, Einschüchterung und Willkür, Entlassungen als Personalpolitik, perfide Überwachungsmethoden und Spitzeleien, Kostendruck und umfassende Kontrolle: Straub liefert einen schockierenden Alltagsbericht aus der Innenwelt der Billigpreise.
Rezension
„Wen kostet billig?“ oder „Wem schaden Niedrigstpreise?“ unter diesen Fragestellungen ließe sich ein ganzes Fass aufmachen. Der ehemalige Aldi-Süd-Manager Andreas Straub betrachtet in seinem dokumentarischen Wirtschaftsroman die Auswirkungen der „Geiz-ist-geil“-Mentalität auf die Personalpolitik von Discountern.

Der junge Autor, der von 2007 bis 2011 bei Aldi Süd als Trainee und später als Bereichsleiter gearbeitet hat, beschreibt in seinem detailreichen Erfahrungsbericht – nach ein paar einführenden Worten – seinen Aufstieg und Fall innerhalb des Unternehmens fast durchgängig chronologisch.

Er erläutert dabei also sowohl seine Hoffnungen und Vorstellungen bei Arbeitsantritt als auch den konkreten Ablauf seiner Karriere und seine jeweiligen Aufgaben und ergänzt das Ganze um zahlreiche konkrete Gesprächsprotokolle und Situationsbeschreibungen, die Erfahrungen von ihm und anderen Kolleginnen und Kollegen während dieser Zeit wiedergeben. Durch Die Verwendung wörtlicher Rede in den Gesprächsbeispielen liest sich das Buch flüssig und spannend wie ein Wirtschaftskrimi.

Als Bewerber lockten Straub neben teurem Dienstwagen und vergleichsweise hohem Gehalt die klaren Strukturen, das gute Preis-Leistungs-Verhältnis und die breite Kundenschicht (von arm bis wohlhabend) beim erfolgreichen Unternehmen Aldi anzuheuern. Der despektierliche Unterton im Titel des Buches „Aldi – einfach billig“ bezieht sich also weniger auf die asketische Gestaltung des Discounters und die Billigpreise an sich, sondern vielmehr auf den durch den Billigwahn geförderten Kostendruck auf die Personalpolitik. Straubs Kritik am Unternehmen fließt daher in erste Linie in die Verhaltensbeschreibungen zahlreicher Aldi-Führungskräfte ein. Abgesehen von wenigen Ausnahmen beschreibt Straub insbesondere die Filial- und Bereichsleiter als willkürlich und oftmals geradezu unverschämt im Umgang mit ihren Untergebenen. Anhand zahlreicher Beispiele belegt Straub dabei die Tendenz, langfristige Arbeitsverhältnisse und eine positives Betriebsklima zu unterbinden und die Mitarbeiter unter Druck zu setzen.

Wird ein Mitarbeiter durch langjährige Betriebszugehörigkeit teurer oder unterstellt er sich nicht mehr flexibel und klaglos wie ein leicht-biegsames Puzzleteil der willkürlich agierenden Führungsmaschinerie, macht man kurzen Prozess mit ihm. Straub beschreibt eindrücklich, wie die Arbeit jeder Filiale und jedes Mitarbeiters durch die Führungskräfte (über-)kritisch beäugt und „Fehler“ in fast stasihafter Weise schriftlich festgehalten werden. Indem man einem Wackel-kandidaten dann die oftmals pingeligen Kleinigkeiten völlig aufgebauscht vor den Kopf stößt und – so belegt es Straub an zahlreichen Beispielen – mit Lügen und Unterstellungen würzt, lässt er sich in der Regel relativ schnell einschüchtern und akzeptiert eine Kündigung mit unzureichender Abfindung, um der zermürbenden Situation zu entfliehen. Manch „harter Hund“ wird zuvor zusätzlich mit übelstem Mobbing weichgekocht, in das die Führungskräfte gerne auch Kollegen und Kolleginnen miteinbinden. In großer Runde werden so z. B. die Wackelkandidaten verspottet und mit „niederen“ Aufgaben versehen. In einer solchen Atmosphäre mangelnder Kollegialität und willkürlicher Führung werden Mitarbeiter nicht selten krank und bangen beständig um ihren Arbeitsplatz. Damit sie nicht selbst auf die Abschussliste geraten, mucken sie nicht auf und schultern (oftmals sogar regelmäßig) unbezahlte Überstunden.

Inzwischen hat es das vor wenigen Monaten erschienene Buch bereits in die Bestsellerlisten geschafft und Straub mit seinem Thema in so manche Talkshow. Günter Wallraff, einer der Größten unter den „Undercover-Ermittlern“, hat das dokumentarische Buch mit einem sehr aufschlussreichen Vorwort bereichert und damit Straubs wichtiges Anliegen, nämlich Missstände in der modernen Arbeitswelt und Auswüchse moderner Hire-und-Fire-Mentalität zu monieren, tatkräftig unterstützt.

Ein Buch, das auch Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse im Gesellschafts- und Arbeitskundeunterricht brennend interessieren wird, denn es bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für ihre eigene Zukunft als Arbeitnehmer oder –geber. Es geht um Arbeit und Moral, Vertrauen und Kontrolle, Vor- und Nachteile von Betriebsräten, Arbeitsrechte, gesellschaftliche Tendenzen, Mobbing – und vor allem , darum auch bei den eigenen Arbeitgebern den kritischen Blick zu bewahren und Missstände mutig zu monieren, genau so wie es Straub uns hier mutig vorgelebt hat.

Simone Wenderoth, lbib.de

Verlagsinfo
Aldi – das ist das Vorbild aller Discounter und für viele Kunden inzwischen Kult. Aldi setzt Maßstäbe. Seine Gründer wurden zu den reichsten Deutschen. Ganz im Stillen. Denn noch nie gelang ein tiefer Blick hinter die Kulissen. Der ehemalige Aldi-Süd-Manager Andreas Straub bricht jetzt die Mauer des Schweigens. Erstmals enthüllt ein Insider aus eigener Erfahrung, wie er den Arbeitsalltag bei Deutschlands Discounter Nummer eins erlebt hat. Extrem hoher Arbeitsdruck, Einschüchterung und Willkür, Entlassungen als Personalpolitik, perfide Überwachungsmethoden und Spitzeleien, Kostendruck und der rigide Umgang mit Lieferanten: Straubs Bericht aus der Innenwelt der Billigpreise ist ein schockierendes Beispiel für die Verrohung in der Arbeitswelt.

«Ein mutiges und aufrüttelndes Buch, das nach sofortigen Veränderungen ruft.» Günter Wallraff
Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit - 9

Billig kostet! Vorwort von Günter Wallraff - 11

1. Ende und Anfang - 23
Von Mercedes zu Aldi – spinnst du? - 26
Der Aldi-Geschäftsführer stellt mich ein - 34
Willkommen bei Aldi - 40
Ab an die Front - 42
Der Aldi-Begrüßungsdrink - 46
Achtung! Der Chef kommt «raus» - 49
Ein ernstes Gespräch mit dem Filialleiter - 54
Der Chef kommt schon wieder «raus» - 62
Erste Erfahrungen in der Filiale - 69

2. Lehrjahre sind keine Herrenjahre - 72
Sie können hier nur verlieren - 72
Einmal kurz durchatmen - 86
Ich werde zum Aldi-Filialleiter - 96
Welche Rampensau war das? - 100
Im Audi durch die Gegend fahren und rummeckern - 105
Die Wahrheit hat viele Facetten - 109
Die Stasi wäre neidisch - 123

3. Was bei Aldi wirklich zählt - 141
Den Umsatz maximieren - 142
Gute Inventuren - 148
Testkäufe an der Aldi-Kasse - 152
Verluste durch Langfinger und Kameraüberwachung - 157
Diebstahl durch Kunden - 161
Diebstahl durch Mitarbeiter - 164
Personalkosten minimieren - 166
Menge: Leistung, Leistung, Leistung - 168
Preise senken = Löhne drücken - 180
Teure Mitarbeiter durch billige ersetzen - 183
Die kreative Alternative - 192

4. «Die Herren sind gerade in der Pause» –
die Aldi-Zentrale - 194

Hoher Besuch – das Topmanagement kommt - 194
Der bestbezahlte Teilzeitjob Deutschlands: Aldi-Geschäftsführer - 201
Der Einkauf: Das Gehirn von Aldi - 205
Einkaufsabteilung in den Regionalgesellschaften - 209
Haben Sie da das Salz vergessen? - 213
«Mist, keine Post da» – die Logistik - 216
Die Expansion: Ein kritischer Erfolgsfaktor - 222
Der Herr der Listen - 225
Für Arschtritte zuständig: Die Verkaufsleiter - 227

5. Bereichsübernahme - 230
Endlich richtig loslegen - 230
Der Besuch der alten Dame - 237
Auf dem Weg, ein «harter Hund» zu werden - 241
Schlimmer geht immer - 247
Wettbewerbsbeobachtung - 252
Weihnachtsfeier - 256
Der Überfall - 262
Der Fall des Herrn Görkan - 273
Karriereplanung kennen wir nicht - 282

6. Das Ende meiner Karriere - 285
Ein Single-Urlaub und seine Folgen - 285
Hilfe: Ein Mitarbeiter erreicht die Rente! - 295
Mobbing - 298
Ich werde «rausgenommen» - 301
Der unprofessionelle Auftritt der Aldi-Führungsspitze - 307

7. Schlussfolgerungen - 314

8. Coda: 2 Stunden, 33 Minuten und 45 Sekunden Lidl - 324

Nachwort - 335

Dank - 336